Nee, wirklich nichts Neues. Zumindest nicht großartig, die üblichen kleinen Alltagsdinge gäbe es natürlich schon zu erzählen. Im Moment kommen sie mir gar nicht so festhaltenswert vor, aber ich denke, dass ich irgendwann gerne einmal zurücklesen möchte und dann sollen da nicht nur Strickfotos und sonst nichts zu sehen sein.

Das Winterkind bekommt mit dreizehn Monaten sein zweites Zähnchen (oben rechts) und gestern gab es die erste Fünffachimpfung. Hat er weggesteckt wie ein echter Kerl, nur das Spritzen selbst war ihm nicht geheuer. Zum Glück hab ich schon Erfahrung und hatte Gummibärchen dabei.

Die kleine Wachtel ist großartig, so verschmust wie nie und was sie so an Sprüchen loslässt, passt im Moment wirklich auf keine Kuhhaut.

„Mama, ich werde Dich immer lieb haben!“ (Aus heiterem Himmel, einfach so. Gott war das süß!)

„Schau mal Mama, Igelmatsch!“ beim Zeigen auf eine am Boden liegende, aufgeweichte Kastanienschale.

„Mama, Du wirst immer dicker!“ (Danke, Schatz.)

„Mama, Mama, über mich ist eine Leberlaus gelaufen!“ (Ganz verschreckt. Sonst frage ich nämlich immer, ob ihr eine Laus über die Leber gelaufen ist…)

„Fröhöliche Weihnacht überall, tönet durch die Lüfte, Überschall!“

Zu lachen haben wir im Moment jedenfalls genug.

Sonst geht es so lala. Ich weiß, es nervt, aber mein Rücken macht den Abgang. Mittlerweile bin ich froh, wenn ich morgens aufstehe und wenigstens eine halbe Stunde habe, in der ich ihn nicht bemerke. Aber Alltag am Morgen heißt eben auch, zwei kleine Kinder fertig machen und das geht einher mit viel Herumlauferei und viel Heben und Tragen – das wirkt sich sofort aus. Aber ich habe vor kurzem beschlossen, nun endlich mal etwas dagegen zu tun. Habe Manuelle Therapie verschrieben bekommen, sechs Sitzungen insgesamt, die alle sehr schön und angenehm, nur leider nicht nachhaltig sind. Heute mittag bekomme ich eine Watsu-Behandlung von derselben Hebamme wie am Tag vor Arjens Geburt. Damals hat es Wunder bewirkt, heute zweifle ich, ob das auch gegen Rückenschmerzen hilft? Maßnahmen, die auf Dauer keine Linderung schaffen, sind zwar nett und angenehm, aber im Endeffekt leider sinnlos.

Nunja, ich weiß ja, das letztendliche alleinige Heilmittel wird eine Geburt sein. April, bitte komm rasch…

Als ich die Tage zu fertig deswegen und bei meiner Frauenärztin war, bot diese mir ein eingeschränktes Beschäftigungsverbot ab nächster Woche an. Ich werde das Angebot wohl annehmen – vier Stunden täglich arbeiten wird auf jeden Fall weniger stressig sein als acht und ich hätte so einmal eine Pause zwischen Büro und Kinder abholen.

Tja, und sonst gibt es irgendwie nix. Alltag halt. Augen zu und durch. Noch gute fünf Wochen zum Mutterschutz.

 

Und das kommt dann dabei heraus.

Wunderhübsch, oder?

Das Muster, Twinkle, ist frei verfügbar bei Ravelry. Sehr flott gestrickt und total einfach.

Eigentlich sollte es ein Neugeborenenjäckchen werden, aber ich hab statt 2,5er Nadeln 3,5er genommen und so ist es jetzt zu groß geworden. Macht aber nichts, im Herbst wird es passen. Hab jetzt nochmal ein neues angeschlagen (irgendwas muss das arme Spünkchen ja anziehen!), diesmal auf 3er Nadeln mit Regia Silk Garn. Sooo weich!

Die Babydecke ist zur Hälfte fertig. Die steht als nächstes dann auf der Liste, bis April ist ja nicht mehr so lang…

Man lernt ja nie aus. Gerade was das Stricken angeht, finde ich, denn regelmäßig stolpere ich über neue Ideen und Techniken, bei denen ich ins Staunen gerate. Wie, so etwas gibt es auch? Auf so eine Idee ist auch jemand gekommen?

Vor einiger Zeit war es das sogenannte „Pooling“. Ich suchte nach einer Idee für eine kleine Auftragsarbeit, die ich bekam. Ein Strang Wollmeise sollte verstrickt werden – zu ganz egal was, ich hatte freie Hand. Der Strang war sehr bunt gefärbt, mit einem Farbverlauf, der sich immer wieder wiederholte: Grüntöne ins Blaue hinein, über Lila bis hinein in ein sattes, kräftiges Rot und denselben Weg zurück.

Eigentlich richtig tolle Farben, aber ich wusste nicht sofort etwas damit anzufangen. Ich mag nämlich diesen „wildernden“ Farbverlauf nicht, der entsteht, wenn man mit solch einem Farbverlaufsgarn einfach drauflos strickt. Für Socken mag das ja noch angehen, aber alles andere verursacht mir da eher Augenschmerzen. Ich habe es gerne ruhiger, großflächiger, gemäßigter.

Beim Stöbern auf ravelry fielen mir dann ein paar Pooling Projekte ins Auge und ich wusste sofort, dass es so etwas werden würde.

Was ist Pooling nun überhaupt? Bei dieser Technik kommt es darauf an, eine Reihe immer mit genau derselben Lauflänge an Garn zu verstricken, so dass sich in der nächsten Reihe derselbe jeweilige Farbton wiederholen wird. Es geht hierbei wirklich um Zentimeter und erfordert gerade in den ersten Reihen unheimliche Konzentration und ständiges Aufribbeln und neu Probieren, bis man es einigermaßen raus hat. Hinzu kommt, dass ja nicht bloß rechte Maschen gestrickt werden sollten, nein, ich habe mir ein Projekt mit einem einfachen Lacemuster und linken Rückreihen ausgesucht, und ich musste einige Male herumprobieren, bis ich raushatte, dass ich die rechten Maschen alle etwas lockerer, die linken dafür ein klein wenig fester und Umschläge und Abnahmen möglichst „mittelstark“ stricken musste.

Auch Anschlag und Abketten musste ich anders machen als üblich, damit der Poolingeffekt erhalten bleibt. Normalerweise schlage ich mit der Longtail-Methode an, bei der zwei Fäden miteinander verschlungen werden, aber damit wäre der Farbverlauf vollkommen im Eimer gewesen. Als Abkettmethode wurde ein Sewn Bind Off vorgeschlagen, aber bei diesem verbrauchte ich viel zu wenig Garn, und bei meinem Standard Lace Bind Off viel zu viel, so dass es im Ende nun der ganz normale Bind Off wurde: Zwei Maschen stricken, eine überziehen, und so weiter.

Und wie es bei allen neuen Techniken so ist: Anfangs sitzt man total verkrampft da, braucht für jede Masche eine Wahnsinnszeit und nichts läuft einfach. Mit jeder Reihe wächst dann die Zuversicht und ich habe aufgehört, jedesmal darauf zu achten, dass jede Masche dieselbe Farbe hat wie die in der vorangegangenen Reihe an gleicher Stelle, habe mir vertraut und meist ist es am Ende der Reihe dann ganz gut aufgegangen. Es ist nicht perfekt geworden, was aber auch zum Teil am Garn lag – nicht jede Farbverlaufswiederholung war haargenau gleich wie die vorangegangene, es gab kleine Änderungen und Unregelmäßigkeiten. Ist aber gar nicht weiter schlimm, finde ich.

Ich bin mit dem Ergebnis total zufrieden, die Auftraggeberin hoffentlich auch! :-) Trotzdem bin ich froh, dass ich mich jetzt erstmal wieder der Babydecke widmen darf, wo es schnurzegal ist, wieviel Zentimeter Garn ich in jeder Reihe brauche. Einfach ganz entspannt drauflos stricken.

Garn übrigens war Wollmeise Sockenwolle 80/20 Twin, Farbton Sultan, und das Muster und eine schöne Einführung ins Pooling gibt es hier.

Da bemühe ich heute früh einen Schwangerschaftskalender, damit er mir bitte verraten möge, in welcher Schwangerschaftswoche ich mich überhaupt gerade befinde, da spuckt mir das gute Ding eine 97 an den Kopf. Jetzt hab ich also sogar verpasst, dass es weniger als hundert Tage bis zum errechneten Termin sind. Das hab ich ja schon erwähnt, dass das alles irgendwie nebenher läuft, oder?

Im Ernst, ich habe keine Zeit. Zumindest gefühlt. Die Tage sind angefüllt mit allem Möglichen und abends genieße ich meine anderthalb Stunden Freizeit, ehe ich so kurz vor zehn todmüde ins Bett falle. Und ich muss zugeben, dass diese Schwangerschaft anstrengender ist als die letzten beiden. Viel anstrengender. Obwohl, vielleicht sollte ich einfach mal ein paar alte Blogartikel lesen – vielleicht würde das die Dinge wieder ins richtige Licht rücken? Im Moment ist jedenfalls mein vorherrschendes Gefühl, dass ich kaputt und k.o. und geschafft bin und dass mein Rücken die nächsten drei Monate vermutlich nicht überstehen wird. Das sind es nämlich noch: Drei Monate. Und ich sehe jetzt schon aus wie kurz vor einer Zwillingsgeburt.

Normal laufen geht nicht mehr, aufstehen dauert seine Zeit und ich versuche alles, um beides so gering wie möglich zu halten. Die Kinder wollen getragen werden, nicht ständig, aber gelegentlich und bestimmte Dinge lassen sich einfach nicht vermeiden. Das Winterkind in den Kindersitz heben zum Beispiel. Kleinigkeiten, natürlich, aber sie läppern sich und läppern sich und mit jeder Belastung wird es schlimmer, bis ich abends wie eine Greisin durch die Gegend humpel. Es ist ein Trauerspiel.

Am 5. März beginnt mein Mutterschutz – ich zähle jetzt schon die Tage. Definitiv kann ich sagen, dass Glanz und Zauber dieser ersten Male verflogen sind. Schwanger sein ist einfach anstrengend und ich würde diese Zeit liebend gerne abkürzen. Oder dem Mann mal den Vortritt lassen. Geht nur leider nicht, also Augen zu und durch. Sag ich mir.

Immerhin, ein klein wenig Raum nimmt das Spünkchen schon heute in unserem Leben ein. Wenn die kleine Wachtel ihre Hand auf meinen Bauch legt und nach zwei Sekunden behauptet, ein Zappeln gespürt zu haben zum Beispiel. Oder wenn sie fragt: „Mami, wenn das Spünkchen im April kommt, ist das dann auch mein Bruder?“ Oder wenn beide Kinder im leergeräumten Spünkchenzimmer auf der großen Matratze spielen und nur glückliches Quieken zu hören ist.

Und dann liegt ein Sofakissen auf dem Teppich und der Liebste meint: „Guck mal, kannst Du Dir vorstellen, dass in ein paar Wochen genau dort, und fast genauso groß, ein kleines Baby liegt? Und noch gar nichts kann, außer gucken?“ Nein, kann ich mir nicht so richtig vorstellen. Das ist wohl jedes Mal unvorstellbar, dieser Neugeborenenzauber. Diese Ruhe, die sich auf ein Zimmer legt, nur weil ein frischgeschlüpftes Menschlein dort schläft. Gedämpfte Stimmen (das muss ich meinen Kindern erzählen!) oder Flüstern und alles läuft so magisch ab, irgendwie, so zum Heulen schön.

Nein, ich kann mir das alles nicht im Geringsten vorstellen. Aber ich bin sicher, dass das Spünkchen seinen Platz bei uns einnehmen wird. Dass die ersten Wochen chaotisch und wild werden, dann aber irgendwie alle sich in dem neuen Gefüge einfinden werden.

Unser Leben wird, mal wieder, völlig durchgeschüttelt werden.

97 Tage noch.

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?

Das fällt mir dieses Jahr schwer. Es hatte wunderschöne Momente aber eben auch diese riesige Pechsträhne. Sagen wir 7?

2. Zugenommen oder abgenommen?

Ich hab den Überblick verloren, bin einfach zu oft schwanger oder stillend. Nach Spünkchens Geburt würde ich mich sehr gerne wieder der 70 Kilo Grenze nähern.

3. Haare länger oder kürzer?

Nachdem ich mir letztens einen Friseurbesuch gönnte, der gründlich in die Hose ging, bin ich mittlerweile wieder bei meiner Optimalfrisur gelandet. Wild bis kurz vor Kinn.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Gleichbleibend.

5. Mehr Kohle oder weniger?

Es ist schon merkwürdig, aber wir kommen ziemlich genau jeden Monat ein bisschen über Null raus. Und das, obwohl sich mein Einkommen dank Elternzeit – Gehalt – Elternzeit – Gehalt – Elternzeit – usw. ständig ändert. Es scheint verhext zu sein, aber ehrlich gesagt finde ich kurz über Null auch total in Ordnung. (Ich darf mir allerdings nicht vor Augen führen, wie verdammt teuer die Kinderbetreuung im Moment ist. Bin froh, dass es unter 1.000 Euro im Monat sind…)

6. Besseren Job oder schlechteren?

Denselben. Könnte ich die Strickerei zu meinem Hauptjob machen, hach… aber dieser Gedanke ist, zumindest zur Zeit, absolut utopisch. Von daher wird es wohl auch die nächsten Jahre heißen: „Denselben“.

7. Mehr ausgegeben oder weniger?

Wegen des neuen Autos mehr.

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn ja, was?

4 Euro 50 beim Adventskalenderrubbelspiel.

9. Mehr bewegt oder weniger?

Gleichbleibend wenig, würde ich sagen. Schwangerschaftsbedingt bin ich mittlerweile sogar schon an dem Punkt angekommen, wo ich jedes Aufstehen, jede Bewegung, auf absolute Nötigkeit prüfe. Mein Rücken macht es einfach kaum noch mit. Gute Güte, was FREUE ich mich darauf, wenn das Baby da ist und ich allein deswegen wieder so viel mobiler sein werde. Ich meine, einfach aufstehen, wenn man aufstehen möchte, ohne großes Drumherum. Das ist doch toll!

10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?

Hand-Mund-Fuß bei den Kindern, ein paar Erkältungen und die akute Sarkoidose des Liebsten.

11. Davon war für Dich die Schlimmste?

Die Sarkoidose.

12. Der hirnrissigste Plan?

Hinter einen rückwärts fahrenden Touran zu springen, um diesen aufzuhalten. Zum Glück ist mir und dem Baby nichts Schlimmes passiert. Aber wie mich der Wagen einfach so umgeworfen hat und ich mich danach blitzschnell zur Seite aus seiner Fahrbahn gerollt habe – das war wirklich filmreif.

13. Die gefährlichste Unternehmung?

Ist in diesem Fall identisch mit 12.

14. Die teuerste Anschaffung?

Unser neuer Wagen.

15. Das leckerste Essen?

Vor drei Tagen im Bonner Strandhaus. Ein wunderschöner Abend mit dem Liebsten. Fantastisches Essen.

16. Das beeindruckendste Buch?

Hab immernoch keine Zeit zum Lesen. Aber den Grüffelo, den find ich toll.

17. Der ergreifendste Film?

L.A. Confidential. Zwar schon ein paar Jahre alt, aber: genial.

18. Die beste CD?

Copy & Paste vom letzten Jahr: Ich finde seit Monaten keine Ruhe, um mir Musik anzuhören. Das meiste, was so im Hintergrund läuft, empfinde ich eher als störend und die Alben, die ich mir früher gerne angehört habe, sind mir heute teilweise einfach zu komplex. Das ist Musik, für die man Zeit braucht, und die nutze ich im Moment einfach lieber anders.

19. Das schönste Konzert?

Das Abschiedskonzert von Skyline Symmetry, der Band, in der der Liebste über zehn Jahre Schlagzeug spielte. In einer riesigen Altbauwohnung, die mehr an Museum als an Wohnung erinnerte. Auf all den anderen Konzerten war ich in den letzten beiden Jahren babybedingt nie mit dabei gewesen, umso mehr hab ich mich gefreut, sie doch noch ein letztens mal live zu sehen.

20. Die meiste Zeit verbracht mit?

Dem Winterkind.

21. Die schönste Zeit verbracht mit?

Mit meiner kleinen Familie.

22. 2011 zum ersten Mal getan?

- Ein Auto kaputt gefahren.

- Einen Familienurlaub gemacht.

- Ein Gewerbe angemeldet.

23. 2011 nach langer Zeit wieder getan?

Schick essen gegangen.

24. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

- Die Krankheit des Liebsten

- Meinen Autounfall

- Geldsorgen

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Es lebt sich stressfreier, wenn man niemanden von irgendwas überzeugen will.

26. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Das romantische Essen mit dem Liebsten.

27. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Ich habe viele tolle Geschenke bekommen dieses Jahr.

28. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

„Positiv.“

29. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

Ich liebe Dich.

30. Dein Wort des Jahres?

Spünkchen.

31. Dein Unwort des Jahres?

Cloud.

32. Deine Liebglingsblogs des Jahres?

Blogs kommen und gehen. Einigen bleibe ich treu, anderen nicht und es wechselt ständig, wo ich am liebsten lese. Ganz besonders gern schaue ich im Moment aber bei der Vorstadtpoetin hinein.

33. Zum Vergleich: Verlinke Dein Stöckchem vom vorigen Jahr!

2010, 2009.

Gestern rief meine Mutter mich an, um mir zu sagen, dass mein Vater gestorben sei.

Ich glaube, über elf Jahre haben wir uns nicht gesehen, nicht miteinander gesprochen, nicht die kleinste Verbindung gehabt, und so war es auch gut. Er hat mir nicht gefehlt, im Gegenteil, es ging besser ohne ihn, und auch wenn ich ihn natürlich nicht vergessen, immer mal wieder an ihn gedacht habe, hat er in meinem Leben gar keine Rolle mehr gespielt. Aber ich habe in den letzten beiden Jahre gemerkt, dass die Wut und Verachtung, die ich früher fühlte, sich mit der Zeit in Mitleid gewandelt haben. Nein, es ist nicht jeder seines Glückes Schmied – manche Menschen können nicht aus ihrer Haut.

Obwohl ich nicht trauere, nicht traurig bin, ist es nun dennoch ein merkwürdiges Gefühl. Ich habe eine von zwei Wurzeln verloren und das ist ein ungewohnter Gedanke. Es macht ein Stück erwachsener, ein Stück selbständiger, obwohl das eigentlich irrational und absurd ist. Mein Leben ändert sich ja nun nicht, nicht im Geringsten.

Traurig war nur, als ich es meiner kleinen Schwester sagen musste. Ihre Beziehung war kaum anders als die unsere, aber der Moment, die richtigen Worte zu finden, das war traurig. Zum Glück turnten das Winterkind und die kleine Wachtel um uns herum und der Gedanke hilft: Dort liegt die Zukunft, bei unseren Kindern, und nicht in der Vergangenheit.

Es tut gut, seinen Frieden gemacht zu haben.

Gestern feierten wir Geburtstag und heute hat mich der knallharte Alltag wieder.

Um 6:00 klingelt der Wecker, aber ich schiebe es bis kurz vor halb hinaus. Dann duschen, die kleine Wachtel wecken, während das Winterkind schon um uns herum turnt. Das Töchterchen anziehen, nach unten gehen, Frühstück machen. Spülmaschine währenddessen ausräumen, zwei Kaffee für die Großen machen. Das gestern Abend fertiggestellte Strickstück von der Heizung nehmen, verpacken und eintüten, damit es gleich mit der Post raus kann. Frühstücken. Der kleinen Wachtel die Zähne putzen, Kinder ausgehfertig machen, mich selbst auch.

Der Liebste bringt die Kinder zur Tagesmutter, ich selbst fahre mit dem geliehenen Wagen zur Arbeit. (Arbeit!) Doch nach wenigen Metern werde ich aufgehalten – die kleine Wachtel jammert und weint und will unbedingt noch einen Abschiedskuss. Recht hat sie, der ging in der allgemeinen Hektik nämlich unter.

Weiter also, zum Briefkasten, das Strickstück auf den Weg schicken. Dann über die Autobahn zur Arbeit, zum Glück komme ich gut durch. Dem Pförtner hallo sagen, gleich drauf in der Kantine und dann zu den Kollegen. Ein eigenes Büro habe ich zwar tatsächlich bekommen, allerdings werde ich auf einen PC heute vergeblich warten. Macht nichts. Schnacken.

Über die halbe Liegenschaft laufen, um einen Parkausweis zu bekommen, danach bei der Dame von der Telearbeit vorbeischauen und erfahren, dass mein Antrag genehmigt wurde – puh! Schnell zurück zu den Kollegen. Hier ist der Punkt, an dem die Rückenschmerzen anfangen, einfach zuviel Rennerei und Steherei. Ätzend ist das, aber ich kann’s nicht ändern.

Appell beim neuen Chef. Er schreit mich aber entgegen aller Warnungen gar nicht an sondern entpuppt sich als ganz netter Kerl. Wir quatschen zehn Minuten über Guttenberg und andere Belanglosigkeiten.

Zurück in meinem Büro schnell zwei Stück Lebkuchen von gestern essen. Es ist es eiskalt. Heizung suchen (haha), aufdrehen und dann aufgrund der Kälte doch wieder zu den Kollegen flüchten. Mir Jammereien auf höchstem Niveau anhören (ich bin Mutter von zwei Kleinkindern – ganz ehrlich, mich schockt das alles nicht.), mich aber jeglichen Kommentars enthalten.

Mein Rechner ist immernoch nicht am Start, aber ich kann das Büro eines Kollegen nutzen. Hab mein Passwort vergessen. Neues beantragen. Warten.

Während mein Kollege mir später erzählt und zeigt, was es alles Neues im Bereich Nagios, Spacewalk, Puppet und Xen gibt, fällt mir siedend heiß ein, dass wir für die morgige OP-Vorbesprechung im Krankenhaus noch einen Poliklinikberechtigungsschein brauchen. Wieso fällt mir das ausgerechnet jetzt ein und wieso fühle ich mich bei dem Gedanken wie Asterix im Irrenhaus? Ich lasse mir nichts anmerken, mache aber zwanzig Minuten eher Schluss, um mir beim Kinderarzt noch diesen Schein zu besorgen.

Punkt 15:00 stehe ich dort ziemlich außer Atem auf der Matte und sitze zehn quälende Minuten herum, weil ich auf die Unterschrift warte. Schließlich bitte ich darum, die Ärztin beim Telefonat zu unterbrechen, weil ich in einer Viertelstunde wieder in Bonn sein muss, um die Kinder abzuholen. Man ist so freundlich und ich hetze zum Auto.

Ich fahre los, so schnell ich mich in bester und frischer Erinnerung an meine Glanzleistung mit unserem Wagen vor Kurzem traue. Aber alles klappt reibungslos und um kurz nach halb vier schließe ich zwei zuckersüße Kleinkinder in die Arme, die mich zerdrücken und Ei machen und die sich einfach freuen. (Und wie ICH mich freue!)

Ich bespreche mit Katja, wie wir es morgen machen, dann ziehe ich beide Kinder an. Das Winterkind kommt in den Maxi Cosi (gute Güte, es wird Zeit für den Kindersitz!) und vollbepackt bis oben hin schleppen mein Rücken und ich uns ab zum Auto. Alle einladen und unter ununterbrochenem Geplapper von Seiten der kleinen Wachtel kommen wir zu Hause an.

Alles auspacken, alle ausziehen und die versprochenen Poffertjes in den Ofen schieben. Nach dem Snack die Poffertjes vom Boden aufsaugen.

Was riecht hier so komisch? Ah, die Wachtel. Schnell wickeln und dann einfach oben bleiben, zu dritt auf der Matratze abkuscheln und mir zeigen lassen, wie man Ballett tanzt. (Sich ganz schnell drehen, dann wild hüpfen und umplumpsen.)

Kurz drauf kommt der Liebste. Ich übergebe die Kinder, um den Tisch fürs Abendbrot zu decken. Doch die Kinder sind müde, quengeln. Ich schlinge Brötchen hinunter und kuschel mich mit der Wachtel fünf Minuten auf die Couch, um das Sandmännchen zu sehen. Dann bringe ich sie ins Bett – heute ohne Protest ihrerseits, sie ist vollkommen durch.

Auf dem Weg nach unten die Wäsche mitnehmen, sortieren, anschmeißen und die noch hängende abnehmen und hochtragen. Während der Liebste das Winterkind ins Bett bringt, räume ich den Tisch ab, bringe den Müll raus, werfe die Spülmaschine an.

Mein Rücken bringt mich um.

Mails checken, zwei Verkäufe heute. Einer ist schon fertig und muss nur eingetütet werden, den anderen sollte ich heute noch waschen und spannen. Schaffe ich das noch? Ich glaube nicht, eine dritte Sache muss nämlich unbedingt heute noch fertig gestrickt werden. Aber zwei dringende Mails muss ich noch schreiben, und bloggen wollte ich ja auch noch?!

Es ist 19:08 Uhr, ich liege gut in der Zeit. Trotzdem, jeden Tag brauche ich so etwas nicht und ich habe furchtbaren Respekt vor allen Frauen, die so etwas täglich meistern.

Anfang März beginnt mein Mutterschutz und ich glaube, ich habe sogar noch 17 Urlaubstage bis dahin. God knows I’ll take them all.

Wir hatten so einen schönen Tag, mit Besuch, Kuchen, Muffins, Geburtstagsliedern und Geschenken, viel zu Lachen und natürlich mit einem ganz wundervollen Geburtstagskind.

Jetzt sind die Kinder im Bett, das Haus sieht wieder einigermaßen aus und es ist Ruhe eingekehrt. Gleich werde ich den Geburtsbericht lesen, ein oder zwei Tränchen verdrücken und mich einfach freuen über dieses großartige Kind, diesen Lockenkopf, Herzensbrecher, Chaoten, der unser Leben so auf den Kopf gestellt hat. Der uns jeden Tag gut auf Trab hält, der so verschmust und verspielt und ungestüm ist und der wirklich und wahrhaftig einfach ein Wunder ist.

Mein Winterkind, wir lieben Dich sehr. Alles Gute zum Geburtstag!

Heute nur erinnern…

Der letzte Donnerstag war wirklich der Tiefpunkt. Natürlich, es waren alles nur Blechschäden, aber ich war fix und fertig. Es ging einfach nichts mehr, und so war ich dem Liebsten unheimlich dankbar, dass er sich am nächsten Tag die Kinder schnappte und einen Kurzurlaub bei seinen Eltern machte. 24 Stunden nur für mich – das war sehr nötig und es hat sehr gut getan.

Schon am Abend schaute ich Fotos von den Kindern an und bestand auf Rückkehr am nächsten Tag.

Und seitdem geht es besser. Seit wir genau wissen, was mit dem Auto ist – kein wirtschaftlicher Totalschaden, puh! – und seit dieser erste Schock überwunden ist.

Ich habe sehr viel Schönes erlebt in diesen letzten Tagen. So viele liebe Kommentare hier, in Mails, über Twitter oder Facebook und ich bin so dankbar dafür. Jeder einzelne hat mich aufgebaut, getröstet, hat einfach gut getan. Danke dafür!

Dann trudelten eine tolle Weihnachtskarte von Frau Süd und ein wunderhübsches Päckchen von der liebsten Vorstadtpoetin hier ein und haben mir die Sprache verschlagen. Ist es nicht verrückt, dass fremde Menschen so sehr an einen denken, dass sie zu Stift und Papier greifen? Es hat mich sehr berührt und gefreut und mir auch wieder ins Gedächtnis gerufen, wie gut es uns doch eigentlich geht.

Heute war mein letzter freier Tag. Morgen kommt meine Freundin aus der Schweiz übers Wochenende zu Besuch, um mit uns den ersten Geburtstag des Winterkinds zu feiern, und Montag früh werde ich arbeiten gehen. Nein, glauben oder gar vorstellen kann ich mir das nicht, aber ich lasse es einfach auf mich zukommen.

Den Geburstag feiern wir übrigens stilecht mit dickem, blauem Auge des Geburstagskinds. So gehört es sich wohl für einjährige Rabauken? Nur echt mit Veilchen.

Aber obwohl es nur noch drei Tage bis dahin sind, scheint das doch irgendwie noch sehr weit weg. Genau heute vor einem Jahr war ich schon acht Tage über den Termin und es war einer der wenigen Tage, an denen ich tatsächlich Unruhe und Angst ob des langen Wartens verspürte. Doch beides verflog rasch wieder und drei Tage später fischte ich ein kleines Bündel Mensch aus trübem Wasser, legte es mir auf die Brust und rief: „Mein Kind ist da!“ Das werde ich nie vergessen, niemals.

Heute läuft dieses Bündel Mensch in einem Affentempo durchs ganze Haus, ruft Mama und Papa und Da!, würde am liebsten den ganzen Tag mit möglichst schweren Dingen auf möglichst zerbrechliche Dinge klopfen und fühlt sich magisch angezogen von elektrischen Geräten und dem Mülleimer. Heute brachte er zum ersten Mal seine Schuhe, als alle anderen ihre auch brachten. Er lernt und wächst und wird groß. Mein Genießer, Schelm, geheimer Händchenhalter.

Tja, das Leben geht weiter, kann man wohl sagen. Ich bin im Moment sehr dankbar dafür, für alles Gute, was mir widerfährt. Für all die Kleinigkeiten, die Aufmerksamkeiten, für viel Interesse, Freundschaft und Liebe, die mir entgegengebracht werden. Denn ja, dieses Jahr hatte und hat auch sehr viele schöne Momente.

Vielleicht sollten die letzten Wochen mich einfach daran erinnern.

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