Letzte Woche führte ich ein interessantes Gespräch mit einer Kollegin, die ich bis dato nur vom Telefon her kannte.

Eine Kleinigkeit führte mich in ihr Büro und irgendwie blieb ich hängen. Und wir kamen  auf Kinder zu sprechen, auf meine Elternzeit, meine erneute Schwangerschaft und – natürlich – auf die Geburt.

Nun ist die Geburt ihres Sohnes bereits vierzehn Jahre her, aber die Erinnerung daran ist noch sehr detailliert und hat sich offenbar deutlich in ihr Gedächtnis eingeprägt.

So halb ahnte ich ja schon, was mich erwartete. Ich habe so unzählig viele Berichte von Frauen gehört, deren Erlebnisse im Krankenhaus einfach nur abschreckend waren. Die unvorbereitet waren, ohne Hebamme kamen, allein gelassen wurden. Die vollkommen traumatisiert waren und deshalb kein zweites Kind mehr wollten.

Und ganz genau so war auch die Erzählung meiner Kollegin. Dass man sich stundenlang nicht um sie kümmerte. Dass niemand sie anleitete. Dass sie von der Schwester noch angepflaumt wurde, sie solle sich nicht so anstellen. Dass man ihr ihr Kind wegnahm, sobald es auf der Welt war, um mit ihr nun erst einmal Rückbildungsgymnastik zu machen. Dass man ihr keine Ruhe liess, dass man sie jede Stunde wegen irgendwelcher Kleinigkeiten störte. Dass das Stillen nicht klappte, weil ihr niemand half, und dass sie schließlich, nach vier Tagen, vollkommen entnervt das Krankenhaus ohne Entlassungspapiere verliess, weil sie einfach nicht mehr konnte.

Zuhause ging es ihr in kürzester Zeit besser, mit der nötigen Ruhe, Zeit zur Entspannung und Möglichkeit, neue Kraft zu tanken.

Nun erzählte ich ein wenig, wie es damals bei Milenas Geburt war. Wie schön alles verlaufen ist, wie gut alles geklappt hat. Wie toll meine Hebamme war und wie großartig es war, nur wenige Stunden später wieder nach Hause fahren zu können.

Und dann passierte, was ich nicht im Geringsten nachvollziehen konnte.

Sie würde immer wieder im Krankenhaus entbinden. Etwas anderes würde sie sich nicht trauen.

Das versicherte sie mir, im selben Moment, in dem ich in ihren Blick sehe, wie entsetzlich das damals alles für sie war. In der einen Sekunde erzählt sie mir, wie schrecklich sie sich gefühlt hat, wie bevormundet, wie fehl am Platz, und in der nächsten verteidigt sie das Krankenhauspersonal und sucht alle Schuld bei sich.

Ich hätte sie am liebsten an den Schultern gepackt, kräftig geschüttelt und gefragt, ob sie sich überhaupt selbst zuhört.

Und die ganze Zeit fragte ich mich, wie es kommen kann, dass Frauen so furchtbare Erfahrungen machen müssen und schließlich glauben, das müsste alles so sein. Das gehöre wohl so und sei schon richtig.

Woher kommt dieser unerschütterliche Respekt vor Menschen in Weiß?

Ich will Krankenhausgeburten überhaupt nicht schlecht machen. Es ist großartig, dass Frauen frei wählen können und jede so die Möglichkeit hat, den besten Weg für sich und das Kind zu gehen. Ich verstehe nur nicht, wie man im Angesicht solcher Erinnerungen noch immer davon überzeugt sein kann, dass damals richtig mit einem umgegangen wurde. Dass einem selbst und dem Kind das Beste zuteil wurde.

Ich erinnere mich, dass ich in meiner Schwangerschaft mit Milena von ähnlichen Gedanken geplagt wurde. Gehe ich nur deshalb ins Geburtshaus, weil ich selbst es möchte und bringe dadurch die Gesundheit meines Kindes in Gefahr? Riskiere ich zuviel? Bin ich egoistisch?

Doch meine Hebamme konnte meine Zweifel mit ein paar einfachen und überzeugenden Sätzen zerstreuen: Wenn ich selbst mich wohlfühle, dann wird auch die Geburt deutlich entspannter ablaufen als wenn ich unter Stress bin. Und das kommt in erster Linie dem Kind zugute!

Es ist eigentlich vollkommen egal, wo und wie man sein Kind zur Welt bringt. Zu Hause, im Geburtshaus, im Krankenhaus, von mir aus auch alleine im Wald. Meine Schwägerin beispielsweise bekommt demnächst ihren zweiten Wunschkaiserschnitt, und ganz ehrlich, ich bin froh darum, weil ich weiß, dass sie eine spontane Geburt kaum bewältigen würde. Es würde in einer Katastrophe für sie und das Kind enden, und da ist ein Kaiserschnitt die sicherste und gesündeste Variante.

Was ich nur nicht verstehen, nicht nachvollziehen kann, ist dieses Festhalten am Krankenhaus trotz all der schlechten Erfahrungen, die manche Frauen damit gemacht haben. Diese Blicke, die ich mir manchmal einfange, wenn ich nur Geburtshaus sage. Als ob ich besonders mutig gewesen wäre, dort zu entbinden.

Nein, war ich nicht, ganz und gar nicht! Ich habe den für mich und mein Kind sichersten Weg gewählt – was soll daran mutig sein?

Und das ist doch eigentlich genau das, was jede Frau tut. Nur würde ich mir – und vor allem auch den Frauen, die keine schönen Geburtserlebnisse hatten – wünschen, dass sie auf ihr eigenes Gefühl, ihre eigenen Erfahrungen hören und sich vertrauen.