Morgen mittag ist es also soweit: Das erste Mal, dass Milena etwas anderes als Muttermilch bekommen wird. Frühkarotten sollen es werden, und mittlerweile freue ich mich sogar darauf. Klingt blöd? Ich weiß. Ist aber so.

Seit sechseinhalb Monaten stille ich sie voll, und ich hätte vorher niemals angenommen, dass mir das so viel bedeuten würde.

Ich hatte mir vor Milenas Geburt überhaupt keine Gedanken darüber gemacht. Ich war unbeschwert und ging davon aus, dass das Stillen schon klappen würde (diese Gelassenheit hatte ich übrigens meiner großartigen Hebamme zu verdanken). Und das tat es dann ja auch. Die ersten Wochen trank Milena fast jede Stunde, im Laufe der Zeit wurden die Abstände größer. Mittlerweile sind wir bei zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden angelangt, je nachdem wie sie so gelaunt ist.

Als die Nachricht von meiner bevorstehenden OP kam, war mein erster Gedanke, meine erste Angst, wie wir das Stillen in der Zeit schaffen sollten. Ich pumpte wochenlang ab, wir brachten Milena bei, aus der Flasche zu trinken (ein mühsames und langwieriges Unterfangen) und so haben wir die Tage tatsächlich überbrücken können.

Aber in all der Zeit merkte ich jedesmal, wenn ich den guten Rat Beikost, wahlweise auch Abstillen, bekam (und das war wirklich verdammt oft), dass weder Milena noch ich schon soweit waren. Ich merkte, dass diese wertvollen Stunden Zweisamkeit meiner Kleinen unheimlich wichtig waren – sie schöpfte (und tut es natürlich noch immer) soviel Sicherheit und Geborgenheit daraus. Und ganz nebenbei ist es für ihren Körper so gut: Noch nie war sie krank (abgesehen von einer durchhusteten Nacht) und trotz ihrer Zartheit ist sie widerstandsfähig und kerngesund. Deshalb schien und scheint es mir unsinnig und nicht nachvollziehbar, dies alles zu beenden oder einzuschränken und tatsächlich kann ich nicht verstehen, wieso ich von allen möglichen Seiten immer und immer wieder den Rat dazu bekommen habe.

Und, um ganz ehrlich zu sein, machte die Vorstellung auch mir selbst zu schaffen. Es ist ein merkwürdiges Gefühl – als ob man sein Kind schon jetzt ein bisschen verlieren würde. Klingt wieder blöd? Vermutlich. Meine Mutter sagt, dass der Abnabelungsprozess schon bei der Geburt beginnt, und ein wenig kann ich das schon nachvollziehen. Ich weiss, dass diese Sorge irrational und vermutlich unbegründet ist, aber dennoch konnte ich nicht aus meiner Haut – irgendwie  war der Gedanke an den ersten Brei einer, mit dem ich mich erst anfreunden musste.

Nun spukt er seit einigen Wochen schon in meinem Kopf herum, und mittlerweile, nach über sechs Monaten also, habe ich den Eindruck, dass Milena nun soweit ist, auch einmal etwas anderes auszuprobieren. Sie sieht uns schon seit Wochen ganz interessiert zu, wenn wir zu Tisch sitzen, verfolgt jede unserer Bewegungen ganz genau. Und diese Gewissheit macht auch mir selbst die Vorstellung etwas leichter. Es wird ja kein krasser Schnitt werden – natürlich werde ich weiterstillen, das Ende unserer Stillbeziehung wird Milena bestimmen, nicht ich. Wir wollen nun erstmal nur sehen, ob ihr mittags Brei gefallen wird, es wird also ein ganz leichter Übergang werden.

Aber mir fällt dieser erste Schritt nun nicht mehr schwer. Ich spüre, der natürliche Zeitpunkt ist erreicht und freue mich mittlerweile tatsächlich auf morgen. Ich bin so gespannt, wie es der kleinen Wachtel schmecken, wie diese neue Welt ihr gefallen wird. Und ich bin froh, dass René noch Urlaub hat, um jeden Tag mithelfen und diese ersten Momente miterleben zu können.