Jetzt ist es schon über ein Jahr her, dass ich von dem kleinen Wesen erfahren habe, was da in mir herangewachsen ist. Und irgendwie ist es doch verrückt – vor gerade einmal fünfzehn Monaten gab es unsere Tochter noch gar nicht. Und jetzt liegt sie schon friedlich oben im Bett und schläft, als sei es das Selbstverständlichste von der Welt. Und ich habe mich so an unser Leben gewöhnt – es kommt mir fast so vor, als wäre es nie anders gewesen.

Aber ganz besonders an die vierzig Wochen, bevor die kleine Wachtel zur Welt kam, möchte ich mich erinnern. Daran, wie René und ich diese Zeit erlebt haben und was für eine besondere und ereignisreiche Schwangerschaft es war.

Angefangen hat es alles im September letzten Jahres, an einem ganz normalen Arbeitstag. Nun, fast normal, denn ich wusste ganz genau, dass es vielleicht geklappt hatte, dass wir vielleicht in Wirklichkeit schon zu dritt waren. Und tatsächlich brachte der Test (den ich alleine, in einer heimlichen Minute auf der Arbeit) gemacht hatte, Gewissheit. Ich freute mich unheimlich, doch ich war auch ängstlich und verunsichert. Würde diesmal alles gut gehen? Abends daheim fiel ich René weinend in die Arme, “Ich bin schwanger”.

In den ersten zwölf Wochen ging es mir körperlich gut. Ich hatte keine Übelkeit, keine Heisshungerattacken, keine Stimmungsschwankungen, nichts. Mir war oft flau im Magen und ich habe dann einfach nichts gegessen, von dem ich wusste, dass mir davon schlecht werden würde (einmal hatte ich eine Phase, in der ich tagelang nichts als Toast mit Nutella essen konnte. Ich kann mir wirklich eine gesündere Ernährung für Schwangere vorstellen, aber da konnte man leider nichts machen.) Nur die Müdigkeit hatte mich fest im Griff. Gegen Nachmittag wurden meine Lider schwer und wochenlang bin ich jeden Abend schon um acht eingeschlafen, meist auf dem Sofa. René muss sich furchtbar gelangweilt haben in dieser Zeit (aber er hat es sich nicht anmerken lassen.)

Seelisch jedoch war ich gar nicht gut drauf. Ich hatte so eine Angst, dass irgendetwas schief gehen würde, dass das Kind nicht überlebt und ich noch einmal so einen Alptraum durchmachen müsste. Fast wöchentlich ging ich zum Arzt, nur um mir ein ums andere Mal bestätigen zu lassen, dass noch alles in Ordnung war, ja geradezu lehrbuchmäßig verlief. Ich bekam Utrogest zur Stärkung der Gelbkörperhormone verschrieben, was mir einen Teil der Angst nehmen konnte – so hatte ich wenigstens das Gefühl, etwas tun zu können, nicht ganz so dem Schicksal ausgeliefert zu sein.

Irgendwann stolperte ich über den Angelsounds Fetaldoppler – ein kleines Gerät für Zuhause, mit dessen Hilfe man die Herztöne der Kinder im Bauch hören kann. In der elften Woche konnte ich die kleine Wachtel das erste Mal hören (was war das für ein unbeschreibliches Gefühl!) und in den folgenden Wochen half mir das sehr. Wann immer ich wieder Angst bekam, konnte ich mich selbst davon überzeugen, dass es meinem Kind gut ging. Das gab mir so viel Zuversicht, so viel Sicherheit und seelische Ruhe, und ehe ich mich versah, waren die ersten zwölf Wochen schon geschafft.

Unseren Eltern und Geschwistern hatten wir von Anfang an schon gesagt, dass wir ein Kind erwarten, aber nun erzählten wir es auch unseren Freunden, Kollegen, Nachbarn.