In all den folgenden Wochen half mir weiterhin der Angelsounds Fetaldoppler sehr, nicht so ängstlich zu sein. René hat zwar oft die Augen verdreht, aber ich habe diese Sicherheit irgendwie gebraucht. Und es wurde ein schönes Ritual für mich, abends auf unserem Bett zu liegen und mich für ein paar Minuten ganz auf das kleine, fliegende Pochen einzulassen. Mein Herz zersprang jedesmal fast vor Freude über dieses zarte, aber beständige Lebenszeichen, und wie gesagt, meine Angst wich.

Sobald die ersten zwölf Wochen geschafft waren, war ich wie ausgewechselt. Ich wusste irgendwie, dass diesmal alles gut gehen würde.

In der vierzehnten Schwangerschaftswoche lernte ich meine Hebamme, Renate, kennen. Wir wohnten damals noch in der Nordstadt, nur wenige Minuten zu Fuß vom Geburtshaus entfernt, und ich spielte schon lange mit dem Gedanken, dort zu entbinden. Zu traumatisch waren meine letzten Erfahrungen im Krankenhaus, und eine solche Atmosphäre wollte ich, ganz besonders, wenn es um Schwangerschaft und Geburt ging, nie wieder erleben müssen.

Ganz anders der erste Abend im Geburtshaus. Heike, eine weitere Hebamme, erklärte uns, dass die Begleitung dort eine ganz andere ist: Auf die Frau komme es an, auf das, was ihr Körper ihr sagt, und auf ihre freie Entscheidung. Eine selbstbestimmte Geburt, die dem Kind einen sanften Weg auf die Welt ermöglicht.

Das klang großartig, und ich fühlte mich dort sofort geborgen. Die endgültige Entscheidung, ob ich dort entbinden würde, verschob ich aber noch ein wenig nach hinten – noch bestand ja kein Grund, sich jetzt schon festzulegen. Renate aber traf ich ab dieser Zeit alle vier Wochen, um einander auch in der frühen Schwangerschaft schon besser kennenzulernen. Und ich genoss diese Treffen sehr – Renate nahm sich jedesmal viel Zeit und ich hatte viel Gelegenheit, mit ihr über das, was mich bewegte, zu sprechen.

Weihnachten kam und ich erinnere mich sehr deutlich, wie ich mir die Tränchen in der Kirche verkneifen musste, als beim Krippenspiel Maria durch ein Dornwald ging gesungen wurde. (Es war das erste Mal seit Jahren, dass ich zur Kirche ging, und das eigentlich auch nur aus Lust auf das Krippenspiel, welches tatsächlich sehr schön war.)

Das erste Mal spürte, wirklich und wahrhaftig spürte ich die kleine Wachtel in der 19. Schwangerschaftswoche. Ich weiß es noch ganz genau – es war später Abend, Schlafenszeit. René und ich lagen im Bett, meine Hand schon gewohnheitsmäßig auf dem Bauch ruhend. Und da war es – ein zarter aber bestimmter Stups von innen, ein leises Klopfen an der Bauchdecke. Mein Kind, was sich zum ersten Mal bemerkbar machte. Was für ein Gefühl, was für eine unbändige Freude das war! Jeden Abend wartete ich fortan erneut auf das sanfte Pochen, und bald sollten die zaghaften Lebenszeichen zu meinem regelmäßigen Begleiter werden.