Sechs Tage ist unser Spünkchen nun schon alt. Sechs Tage, von denen sie zwei im Krankenhaus ohne uns verbrachte.

Natürlich waren wir so oft es ging zu Besuch, zweimal am Tag für jeweils ein paar Stunden, aber es fehlte doch sehr viel Zeit. Und ich war sehr traurig. Wochenbett ohne Baby war ein sehr merkwürdiges Gefühl.

Aber im Endeffekt war es gut, dass wir mit ihr ins Krankenhaus gefahren sind. Es ließ sich nicht genau sagen, wieviel Blut sie unter der Geburt verloren hatte, aber mit Blick auf den Hb-Wert von unter 8 folgerte der Arzt, dass es tatsächlich etwa die Hälfte ihrer Gesamtblutmenge gewesen sein könnte. Das ist natürlich arg! Sie bekam am zweiten Tag eine Bluttransfusion von 60ml, was erst einmal wenig klingt. Wenn man aber bedenkt, dass Neugeborene um die 300ml Blut haben, ist man bei 20% und das ist schon eine ganze Menge.

Sie hat das alles aber wunderbar verkraftet, hat sich sehr schnell von allem erholt und jetzt merkt man ihr überhaupt nichts mehr an.

Freitag früh bettelte ich im Krankenhaus unter Tränen um vorzeitige Entlassung und die anwesende Ärztin hatte ein Herz und winkte alles durch. So startete unser Wochenbett zwei Tage später als geplant, aber es startete und seitdem läuft alles gut.

Das Spünkchen ist das süßeste Baby überhaupt! Sie duftet so unbeschreiblich gut, ihre Haut ist unfassbar weich, sie zieht so hinreißende Schnuten… und diese Geräusche! Ich schmelze dahin, wirklich. Ich habe es ja nun schon zweimal erlebt, aber scheinbar hatte ich vergessen, wie sehr diese kleinen Wesen einen verzaubern können. Ich hätte nicht gedacht, wie extrem begeistert ich sein würde.

Die beiden Großen (wie das klingt!) finden ihr kleines Schwesterchen ganz toll. Die kleine Wachtel möchte küssen, herzen, streicheln und sagt die ganze Zeit Dinge wie “Ach komm her, mein kleiner Schatz, ich bin ja da, ich bin ja da…”. Ich fühle mich sehr erinnert an die ersten Tage mit dem Winterkind, da war es ähnlich. Und eben dieses Winterkind ist über Nacht riesig geworden! Seine Hände! Seine Füße! Wahnsinn! Ich wusste ja, dass dieser Sprung kommen würde, aber wie arg er ausfällt… kaum zu glauben, dass in sechzehn Monaten das Spünkchen schon ähnlich groß sein soll.

Entgegen unserer Befürchtungen möchte das Winterkind aber nicht den ganzen Tag auf das Spünkchen einhämmern. Im Gegenteil, er ist sehr vorsichtig, fast schüchtern, steht oft nur ganz begeistert vor ihr, deutet immer wieder auf sie und erklärt: “Una! Una! Una!” Ich möchte ihn fressen!

Das Spünkchen stillt, als hätte es nie etwas anderes getan. Problemloser sogar als meine anderen beiden Kinder, und mit denen lief es auch immer toll. Im Krankenhaus wurde sie mit der Flasche zwar ziemlich abgefüllt (und dann wunderte man sich, dass die Kleine spuckte…), aber das hat sie scheinbar nicht irritiert. Sie trinkt gut und zügig und ist ein wahrer Profi.

Körperlich geht es mir sehr gut. Es ist kaum zu glauben, dass ich vor wenigen Tagen erst ein Kind zur Welt gebracht habe. Ich bin noch nicht ganz das junge Reh, was ich mir gewünscht hatte, aber die Rückenschmerzen sind viel, viel weniger geworden. Vor zwei Tagen stand ich eine ganze Stunde in der Küche, buk Kuchen und kochte Suppe, und das ging problemlos. In der Endschwangerschaft ruinierten bereits zwanzig Minuten meinen Tag. Wahnsinn, wie schnell man doch regeneriert! Allerdings hoffe ich, dass sich das alles nicht bald irgendwann rächen wird – durch die ersten beiden stressigen Tage im Krankenhaus hatte mein Körper einfach auch keine Chance, sich zu erholen, musste fit sein. Aber noch läuft alles gut.

Es gab in den letzten Tagen für mich aber auch viele seelische Ausnahmezustände. Voll mit Hormonen, eigentlich körperlich ausgelaugt und dann fehlt das Baby… man ist in Sorge, todtraurig und dann kommt die kleine Wachtel auf Dich zugelaufen, sagt: “Mama, Mama, ich hab ein Sparschwein für die Una gemalt! Hm… wo ist denn die Una?” Herzbruch. Ganz schlimm, diese Enttäuschung und Traurigkeit im Blick des eigenen Kindes zu sehen. Viele solcher Momente. Gott bin ich FROH, dass wir nun alle fünf zu Hause und gesund sind!

Wir hatten wahnsinnig viel Unterstützung von meiner Familie und Freunden. Meine Mutter und meine Schwester wechselten sich mit der Kinderbetreuung ab, als wir im Krankenhaus waren. Sehr ungewohnt auch für mich – vertrauen, dass das alles schon klappen wird mit dem Zubettbringen und allem. Meiner kleinen Schwester, die vor meinem geistigen Auge doch noch immer acht Jahre alt ist, alles in die Hand zu legen. Ihr, die keinerlei Erfahrung mit Babies oder Kleinkindern hat, die bis vor kurzem auch keinerlei Interesse an beidem bekundete, die sich aber im letzten Jahr so krass geändert hat und nun die liebevollste und tollste Tante überhaupt ist. Und sie hat das alles so großartig gemacht, ich bin sehr stolz auf sie und unheimlich dankbar.

Sechs Tage waren das, die ärger kaum hätten sein können. Mitten in der Nacht gebären, aufbleiben, Krankenhaus, emotionaler Ausnahmezustand, körperlicher Stress, alles organisieren und planen… und dann seit Freitag abend endlich mit der Chance auf Ruhe und Genesung für Körper und Seele.

Wir hatten uns die ersten Tage ganz anders vorgestellt und noch immer hadere ich ein wenig damit, mache mir im Stillen Vorwürfe. Warum bin ich mit der letzten Wehe aufgestanden? Hätte ich es nicht getan, wäre die Nabelschnur vielleicht nicht gerissen und alles wäre ganz anders, besser gekommen…

Aber es ist müßig. Wichtig ist, dass jetzt alles gut ist. Das Spünkchen liegt satt und lächelnd in meinem Arm, und ich bin dankbar.