5:45 Uhr wie üblich durch Kleinkindgeplapper geweckt werden. Aufstehen, Duschen, Wachtel wecken und anziehen. Für beide Kinder Frühstück machen, alle möglichen Sachen, die ich heute so brauche, einpacken und irgendwann nach sieben das Haus verlassen. Heute mit Abschiedskuss, aber wie der Liebste mir später erzählte, war das diesmal gar nicht gewünscht. Vorwurfsvoll:  “Aber ich wollte überhaupt keinen Abschiedskuss, Papa!” Tja, wie man es macht, macht man es verkehrt.🙂

Kurz vor dem Kreisverkehr fällt mir ein, dass wir den Schneeanzug fürs Winterkind zu Hause vergessen haben. Ich drehe um, hole ihn und fahre statt ins Büro schnell zur Tagesmutter. Dort sind meine drei Lieben gerade noch mit Ankommen beschäftigt – ich reiche nur kurz den Anzug und Mann und ich verkrümeln uns. Bargeld hat er aber auch nicht dabei, also vor der Arbeit schnell noch auf der Post vorbeischauen. Dort angekommen sagt man mir, dass der Geldautomat vor einem Jahr abgebaut wurde und Schalternutzung gibt es so und so nicht mehr. Ja, die Post halt, man kennt sie ja.

Kurz nach acht komme ich im Büro an. Schnell beim Chef vorbeischauen und ihm von dem eingeschränkten Beschäftigungsverbot erzählen. Er findet es super, freut sich für mich und entlässt mich mit den Worten, ich solle mein Ding machen und alles Weitere wird sich schon finden. Toller Chef! Jetzt aber schnell an den PC, Mails checken, Papiere erledigen. Man ruft mich an, ich soll vorbeikommen, gerne sofort, eine Aufklärung über Arbeiten im Homeoffice stünde noch aus. Ich setze mich in Bewegung, bin zehn Minuten später dort. Früher hätte ich für den Weg drei gebraucht, nun gut. Das Gespräch verläuft wie erwartet vollkommen uninteressant und langweilig, zum Glück ist es eine kurze Angelegenheit.

Als nächstes im Kindergarten anrufen. Die Wachtel braucht einen Platz ab August, aber erst werden Geschwisterkinder genommen. Wenn dann noch Plätze frei sind, werden diese verteilt, aber ehrlich gesagt sieht es nicht gut aus. Zumindest die 45 Stunden Plätze, bei den 35ern wäre wohl noch Luft. Ehrlich gesagt wären mir 45 Stunden sowieso zuviel – ich werde morgen nachmittag einmal vorbeikommen, um das zu besprechen. (Und um mich in Erinnerung zu bringen, ist ja nicht schlecht, wenn man dort sieht, dass wir nette Leute sind. Sind wir doch?)

Inzwischen ist kurz nach neun, ich telefoniere rasch mit meinem Lieblingskollegen, was es Neues gibt, dann hetze ich zum Auto, um meinen Termin zur Manuellen Therapie nicht zu verpassen. Riesenunfall auf dem Weg, ich fahre an einem vollkommen zerstörten Fahrzeug vorbei und muss schlucken. Komme auf die Minute pünktlich an und werde fachmännisch durchgeknetet. Gut tut das und leider sind es nur dreißig Minuten.

Zurück ins Büro, aber vorher noch zu Rossmann, eine elektrische Zahnbürste für die Wachtel besorgen und im orangen Discounter nebenan Faschingskostüme für beide Kinder. Einer geht also als Drache, einer als Maus, darum dürfen sie sich kloppen. Im Aldi fällt mir ein, dass ich doch Vesperbrot backen wollte. Schnell das Smartphone zücken und die Zutaten nachschlagen – ein Hoch auf die Technik. Müsli und Bananen fehlen. Die Kastenform leih ich mir von der Nachbarin. Alles ins Auto und ab zurück ins Büro.

Dort noch ein paar Winzigkeiten erledigen, ehe es dann schon wieder nach Hause und kurz drauf zur Frauenärztin geht. Das Formular fürs BV ausfüllen. Später dann Kids abholen, auf der Stadt anrufen wegen eventuell zuviel gezahlter Elternbeiträge (schön wärs!), Vesperbrot backen und auf den Mann warten, der heute früh kommt. Und am Abend dann ins Geburtshaus, denn heute ist die zweite Stunde im Geburtsvorbereitungskurs.

Ganz schön vollgepacktes Programm, oder?

Aber ich fühle mich so gut dabei! Ich habe Energie, ich habe Lust drauf, es geht mir richtig gut. Unheimlich ist das, aber ich weiß auch, woran es liegt. Zum einen hatte ich wieder eine wundervolle Watsu-Behandlung, das ist Entspannung pur. Gut fürs Seelenheil. Zum anderen traf ich mich mit der allerliebsten Twitterhebamme zum osteopathischen Wohlfühlprogramm und ich fühle mich wie neu geboren. Beweglich, frisch, gut.

Und Auslöser war wohl auch irgendwie die Hebamme beim Watsu, die meinte: “Liebe M., schließlich sollst Du diese Schwangerschaft auch ein bisschen genießen!” Zuerst muss ich da wohl ziemlich perplex geguckt haben. Genießen? Ich? Jetzt? Wie? Bisher war das alles irgendwie eher Kampf gewesen. Anstrengung, Durchwurschteln, ätzend. Aber sie hat ja recht! Vielleicht ist es ja die letzte Schwangerschaft für mich, zumindest in naher Zukunft, und trotz des vollgepackten Alltags ist es doch eigentlich eine Zeit, in der man zur Ruhe und Besinnung kommen sollte. Zumindest ein kleines bisschen.

Das fühlt sich richtig an.

Und als hätte das Spünkchen es auch gemerkt, meldet es sich seitdem vehement. Ich habe Übungswehen seit Samstag mittag, nicht besonders stark, aber deutlich spürbar, und auch das fühlt sich richtig an. Immerhin hat die 30. Woche heute begonnen, so langsam geht es auf die Zielgerade. Ich fühle mich hochschwanger, und ich fühle mich gut damit. Wer hätte das gedacht?