Gestern abend beim Yoga haben wir eine Entspannungsübung gemacht. Wir saßen, atmeten und tönten zusammen.

Es war ein etwas merkwürdiges Gefühl. Ein richtiger Flashback. Zurückversetzt werden in die Zeit vor über einem Jahr, als wir Frauen abends im Geburtsvorbereitungskurs saßen, gemeinsam atmeten und eben auch tönten. In Gedanken ganz nah bei der Zukunft, die uns erwartete und dem kleinen Wesen, welches wir bald zur Welt bringen sollten.

Und ganz unvermeidlich, aber trotzdem unerwartet und überrumpelnd, war da auch plötzlich eine sehr starke und intensive Erinnerung an die Geburt selbst. Ganz anders als wenn man sonst so daran zurückdenkt. Es war allein durch das Atmen und das “Singen” ein klein wenig so, als würde man es noch einmal erleben.

Zuerst war ich richtig ängstlich dann. So unvermittelt war auf einmal alles wieder präsent und ich fragte mich, ob und wie ich das noch einmal schaffen sollte. Kann man sich das nicht irgendwie ersparen? Das Kind vom Storch bringen lassen oder dergleichen? Bitte? Bittebitte?

Man vergisst den Schmerz tatsächlich. Manche sofort, bei mir hat es Monate gedauert. Ich konnte dieses Gefühl immer und immer wieder abrufen und wusste noch ganz genau, wie es war. Und ich erinnere mich sehr deutlich, dass ich nach der Geburt dachte: Okay, das war verdammt anstrengend und ich benötige nun mindestens zwei bis drei Jahre, um mich hiervon wieder zu erholen. Doch bereits nach nur drei Monaten kam es mir im Nachhinein alles nicht mehr so arg vor und ich dachte: Okay, es war anstrengend, aber sooo anstrengend nun auch wieder nicht, oder?

Gestern abend hat mir sehr deutlich wieder ins Bewusstsein gerückt, wie wahnsinnig anstrengend und schmerzhaft es tatsächlich war, und wie sehr man bis an seine Grenzen und auch darüber hinaus gehen muss.

Aber wir atmeten weiter, mein Zeitgefühl ging so langsam verloren, und ganz klammheimlich und still fing ich an, mich wieder gut zu fühlen. Mit jedem Stückchen Erinnerung kam auch ein wenig Gewissheit mit, dass es auch diesmal wieder gut gehen wird, dass ich stark genug sein werde und dass es mir vielleicht sogar ein klitzekleines bisschen besser gelingen wird, mich nicht von dem Schmerz mitreissen zu lassen.

Dennoch ist mir klar, dass ich noch eine große Portion Zuversicht mehr gebrauchen kann als ich sie jetzt schon habe und ich bin froh, dass nächste Woche mein Geburtsvorbereitungskurs im Geburtshaus anfängt.

Dieser Ort schenkt Sicherheit und Vertrauen in den eigenen Körper, und das braucht es. Jedes Mal wieder.