Heute war ein richtig schöner Tag, mit Extra-Zeit für jedes einzelne Kind.

Das war mir bislang nie so aufgefallen, oder vielleicht war die Situation mit nur zwei Kindern auch einfach anders. Jedenfalls habe ich im Moment sehr stark das Gefühl, dass jedes Kind seine Exklusiv-Zeit (schreckliches Wort!), seine Zeit nur für sich allein, braucht. Ungeteilte Aufmerksamkeit, ungestört von anderen Geschwistern, Hausarbeit oder Besuch.

Mit der kleinen Wachtel spazierte ich zum Supermarkt, dann machten wir, nachdem wir noch einmal zum Supermarkt mussten, weil wir kein Mehl mehr hatten, zusammen Quarkbrötchen. Später waren das Winterkind und ich zu Besuch bei einer Nachbarin und wir saßen im Garten, spielten, sahen beim Quatsch machen zu. Und das Spünkchen… es ist ja noch recht anspruchslos. Ein paar Mal am Tag für einige Minuten stillen, dann schläft es wieder selig und zufrieden ein.

Es ist schön mit drei Kindern. Unerwartet friedlich. Trotzdem ist natürlich immer etwas los. Sei es, dass irgendwer gewickelt werden oder zur Toilette begleitet werden muss, dass irgendwer dringend jetzt aber den Farbmalkasten braucht, der wohlweislich außer Kinderreichweite steht, dass irgendeine Mahlzeit zubereitet oder der Tisch anschließend wieder grundgereinigt abgeräumt werden muss oder einfach das laute Spiel zweier Kleinkinder, die sich jeweils eine halbe Pappschachtel auf den Kopf setzen und lauthals – und damit meine ich lauthals – durchs ganze Erdgeschoss marodieren.

Es ist jedoch auch wirklich so (zumindest kommt es mir derzeit so vor?), dass weniger Aufmerksamkeit für jedes einzelne Kind bleibt. Keine Überraschung eigentlich, man kann es sich, wenn man will, ja ganz mathematisch ausrechnen. Viele Dinge, denen man beim ersten Kind die volle, die übervolle Aufmerksamkeit schenken konnte, passieren bei den anderen Kindern fast schon nebenher. Das ist einerseits manchmal schade, aber es hat auch Vorteile, für beide Seiten.

Die Wachtel beispielsweise ist tags nun trocken. Einfach so, ohne großen Bohei. Und das Winterkind lernt sprechen – derzeit ist es in der Phase, in der sein Wortschatz förmlich explodiert. Ich kann keine Liste mit Worten mehr machen, es sind schlicht zu viele. Und ich liebeliebeliebe diese Zeit einfach – ich glaube, der Erwerb der Sprache ist die Phase in der kindlichen Entwicklung, die mich am meisten fasziniert. Man kann daneben stehen und förmlich sehen, wie sich Synapsen miteinander verbinden, wie hier wieder ein Groschen gefallen ist und es dort wieder Klick! gemacht hat. Sehr spannend, und wenn das ganze dann noch mit einem so rabaukenmäßig süßen Grinsen verbunden ist, dann möchte ich das Winterkind fressen.

Das Spünkchen lässt es derweil gemächlich angehen. Es schläft sicher mehr als zwanzig Stunden am Tag, trinkt zügig, spuckt viel und lässt sich auch von spontanen und heftigen Liebesbekundungen seiner Geschwister kaum aus der Ruhe bringen. Es hat dunkle Wimpern bekommen, man sieht nach wie vor noch die blauen Flecken und Einstichlöcher der Infusionen, der Nabel wird sich sicher in den nächsten Tag verabschieden und das wunderschöne, dichte Haar hat nur noch einen Hauch dieses Neugeborenenduftes an sich. Zweieinhalb Wochen sind es nun auch schon. Fast schon ein alter Hase. Und sah es am ersten Tag aus wie eine Kopie des Winterkinds und somit seines Vaters, so erkenne ich mich selbst nun zum allerersten Mal in einem meiner Kinder wieder. Yippieh, wenigstens ein bisschen was von mir hat sich auch mal durchsetzen können.🙂

Was ich mit diesem Post eigentlich sagen will? Keine Ahnung. Ich möchte diese Zeit festhalten, diese vielen kleinen Dinge, die ich unweigerlich wieder vergessen werde. Dieses Gefühl, dass es wunderbar ist, wie es ist, dass alles genau richtig ist. Diese tausend kleinen Momente am Tag, in denen der Liebste und ich uns ansehen und laut loslachen könnten, weil mal wieder irgendein Kind irgendeinen Knaller gebracht hat. Dieses Wissen, dass alles fließt, alles Eins ist…