Heute vor fast 500 Tagen…

Heute ist es also soweit. Der 16.04.2012 – der Tag, der mir seit Monaten durch den Kopf geistert. Irgendwie bin ich, genau wie die letzten beiden Male, gedanklich immer so fixiert auf dieses Datum, dass mir an diesem Tag dann alles ziemlich unwirklich vorkommt. Kann doch gar nicht sein, dass das heute ist?!

Um kurz nach 5:00 Uhr wurde ich wach und fühlte mich irgendwie komisch. Sofort kam die Erinnerung an die Geburt des Winterkinds – damals wachte ich morgens auf und fühlte mich komisch – aber kurz drauf schlief ich wieder ein und das Gefühl verschwand.

Was mir aber dafür klar wurde: Ab heute wird es mir absurderweise mit jedem Tag, der vergeht, besser gehen. Es ist, als ob ich die ganze Zeit innerlich gezittert hätte, ob wir diesen Termin erreichen (obwohl ich mich, zumindest bewusst, keine Sekunde so gefühlt habe) und nun, da es geschafft ist, kann kommen, was da wolle. Meine Unlust auf die Geburt verringert sich (ich kann es nicht besser erklären, aber bislang war es tatsächlich so ein Gefühl, als ob der ganze Keller voller Schmutzwäsche läge und Du hast einfach keinen Bock, kannst Dich nicht aufraffen…) und ich fühle mich allem gewachsen. Ich merke eine Kraft und Energie in mir, obwohl körperlich von dieser Kraft und Energie nicht das Leiseste zu spüren ist. Ich bewege mich im Schneckentempo, krieche Treppen hoch und runter, meine Hände schon wie am Kreuzbein festgetackert und ich überlege mir dreimal, ob ich dies und jenes jetzt vom Boden aufheben soll oder lieber nicht.

Einige Male kam in letzter Zeit deswegen der Gedanke, auch von außen an mich herangetragen, dass ich für die Geburt doch mehr Kraft brauche. Ob ich die haben würde? Ich schluck(t)e Kräuterblut Dragees, meist ohne das Gefühl zu haben, sie wirklich zu brauchen und stellte manchmal mit Beunruhigung fest, wie viele Bewegungen ich schon überhaupt gar nicht mehr ausführen kann, weil mir schlicht und einfach Beweglichkeit und vor allem eben auch Kraft dafür fehlen.

Aber seit heute früh, wieso auch immer, sind alle Zweifel wie verflogen. Und wie gesagt, auch diese lästige Unlust nimmt ab. Es ist nun nicht so, dass ich mich unbändig auf Geburt und Wehenschmerz freue, aber ich fühle mich so, als könne ich beides aufrecht abwarten und es annehmen, wenn und wie es kommt.

Was mir auch Zuversicht schenkt, ist die Gewissheit, dass jeder Tag im Bauch, besonders gegen Ende der Schwangerschaft, dem Baby gut tut. Ich habe keine wissenschaftliche Begründung dafür, das ist reines Bauchgefühl, genauso wie die Überzeugung, dass die Geburt mit jedem verstreichenden Tag von nun an einfacher, kürzer und schöner wird. Eben ganz so wie damals bei dem Winterkind – elf Tage ließ er sich noch Zeit, aber als er sich einmal entschlossen hatte, sich die Welt von außen anzusehen, musste es ganz schnell gehen.

Habe ich also monatelang das Ende dieser Schwangerschaft herbeigesehnt, denke ich mir nun, dass es ruhig noch zwei Wochen gehen kann. Ganz schön bescheuert absurd, oder?

Aber es fühlt sich so richtig an.