Heute vor fast 500 Tagen…

Was soll man schon erwarten von Tagen, die um drei Uhr irgendwas beginnen mit einem Kleinkind, was vor Deiner Bettkante steht und Lego spielen möchte?

Der Liebste zog also um, die Wachtel schlüpfte zur mir, weigerte sich aber standhaft, auf der Seite des Liebsten zu schlafen. Also wechselte ich, mit dem Ergebnis, dass mein Rücken seit heute früh zerfällt. Sein Lattenrost ist ein wenig härter als meins und deswegen humpel ich heute mit permanenten Schmerzen irgendwie durch den Tag. Ich finde es erbärmlich. Es kotzt mich an, dass eine solche Lappalie wie ein Lattenrost mir solche Probleme verursacht und ich allein deswegen den ganzen Tag heulen könnte.

Dazu zwei Kinder, denen man nichts recht machen kann. Sie sind total gelangweilt und unterfordert, obwohl der Liebste viel mit ihnen macht. Vermutlich fehlen ihnen die anderen Kinder und vermutlich strahlt auch meine Schwäche ganz schön auf sie ab. Eiertanz hier jedenfalls.

Ich mag nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Nichts geht mehr. Ich kann mich kaum bewegen, kann das Winterkind zum Beispiel mittlerweile wirklich nicht mehr die Treppe hinab tragen. Ich möchte den ganzen Tag heulen. Gleichzeitig tut mir der Liebste leid, dessen Jahresurlaub eh schon spärlich gesät ist und der jetzt eine ganze Woche für diesen Irrsinn hier verballern muss.

Eben fragt er, was denn an dieser Schwangerschaft eigentlich so schlimm sei und mir schießen sofort die Tränen in die Augen. Die Rückenschmerzen zermürben mich, echt. Seit fünf Monaten jetzt ununterbrochen, ich weiß, ich wiederhole mich, aber ich will jetzt nicht mehr. Ich will nach dem Schlafen nicht mehr eine Minute unter Schmerzen zum Aufstehen brauchen. Ich will beim Anziehen nicht mehr herumhampeln müssen, weil ich es nicht schaffe, in Unterhose und Hose zu schlüpfen. Ich will nicht mehr jonglieren müssen, weil ich überhaupt fast gar nichts mehr habe, was mir noch zum Anziehen passt. Ich will mich nicht mehr ständig beim Essen bekleckern, weil ich nicht mehr nah genug an den Tisch rücken kann. Ich will meine Kinder nicht mehr dauernd vertrösten müssen, weil ich dies und jenes jetzt nicht mit ihnen machen kann. Ich will nicht jede Nacht mehrmals auf Klo rennen müssen. Ich will nicht mehr die Hälfte der Hausarbeit schlabbern müssen, weil ich mich nicht mehr in der Lage dazu fühle. Ich will mal wieder spontan in der Lage sein, mehr als 50 Meter in angemessenem Tempo zurück zu legen. Ich will mich nicht mehr vorm Kochen fürchten, weil mir nach den zwanzig Minuten Stehen in der Küche jeder einzelne Knochen im Rücken ein Lied singt. Ich will keine Angst mehr vorm Niesen oder Husten haben, weil mir das Wellen des Schmerzes durchs Kreuzbein jagt. Ich will nicht mehr großartige Planungen unternehmen, wer mir wann und wie die Kinder ein wenig abnehmen kann.

Ich will nicht mehr.

Rien ne va plus.