Vorgestern, nach einem recht angeschlagenen Tag, entschloss ich mich, doch noch einmal zur Frauenärztin zu gehen. Es ist wie verhext: Bei jedem Besuch verabschiede ich mich von ihr mit den Worten “Wir sehen uns dann zur Nachsorge…” und jedesmal komme ich doch noch einmal vorbei. Vielleicht auch bezeichnend für diese Schwangerschaft.

Jedenfalls zögerte dieser Engel von einer Frau beim Anblick meines Blutdrucks (80/45), Eisenwerts (9,6) und der Tränen, die wie von selbst purzelten (beim Arzt auch lange nicht mehr gehabt) gar nicht lange und schrieb mich krank bis kommenden Freitag. Das wäre mein letzter Arbeitstag vor dem Mutterschutz, das bedeutet also: Nicht mehr arbeiten! Beine hoch (haha) und entspannen (haha).

Im Ernst, ich bin so froh, dass ich dort war. Es ist eine wahnsinnige Erleichterung, nicht mehr zum Job zu müssen. Obwohl es nur noch vier Stunden täglich waren, denn es gehört ja auch immer Fertigmachen dazu, Hin- und Rückweg durch den Berufsverkehr und meistens hab ich am Rückweg dann immer noch irgendwas gleich mit erledigt. Zur Post, einkaufen oder irgendwas irgendwo besorgen, so dass ich selten vor 13:00 Uhr daheim war. Zwei Stunden Zeit bis 15:00, in denen ich meist aber dachte, ach, das lohnt jetzt eh für nix so richtig, also schnell kochen, Wäsche, aufräumen und dann fast auch schon wieder los.

Ab jetzt werde ich viel mehr Zeit haben und ich freue mich total.

Weil ich aber im Büro noch ein paar Sachen zu erledigen hatte und Freitag ja der Tag ist, an dem beide Kids daheim sind, sind wir einfach früh zu dritt zur Arbeit gefahren. Aufräumen, einpacken, Tschüß sagen.

Schön war das! Die Kinder entzückten alles und jeden, staubten Komplimente und Bananen ab und verkrümelten sich  gemeinsam in die letzte Ecke, um sie dort einträchtig und brüderlich zu teilen. Staunende Augen gab es auch ob so viel Geschwisterliebe. Und tatsächlich, auswärts sind die beiden stets ein Herz und eine Seele, während daheim immer öfters auch schonmal wild um Spielzeug gezankt wird. Aber tatsächlich merkt man, wie sehr die beiden zueinander gehören und das auch wissen – ein ganz tolles und unbeschreibliches Gefühl!

Ganz toll war übrigens auch, wie die Wachtel beim Anblick eines ziemlich kräftigen Kollegen lauthals losbrüllte: “Guck mal Mami, da vorne kommt ein ganz Dicker!” Das Taktgefühl hat sie von mir.

Hihi. Und ein Klassiker war auch noch mit dabei: Auf dem Gelände war kein Parkplatz mehr frei, und die beiden Pförtner erlaubten nicht, dass ich auf einem der drei gähnend leeren Besucherparkplätze parke, auch nicht für nur eine Stunde. Gut, parkte ich halt woanders (und bekam ein Knöllchen…), aber geärgert hatte es mich schon und so fluchte ich im Wegfahren leise (aber nicht leise genug) vor mich hin: “Diese blöden… Kartoffelmänner!” Das erste Wort, was mir in den Sinn kam.
Als wir dann zu Fuß wieder durch die Pforte gingen, rief die Wachtel, als wir gerade in Hörweite waren, dann auch prompt: “Guck mal Mami, da sind die zwei Kartoffelmänner wieder!” Hach – was war ich froh, dass ich kein deftigeres Wort gewählt hatte!🙂

Weil wir im Anschluss doch noch ein bisschen Zeit hatten, ging es noch in die Stadt, ein 5er Nadelspiel besorgen und dann auf der Lokomotive vor C & A spielen, auf der ich selbst als Kind schon spielte. Es ist so berührend für mich, irgendwie… man kann sehen und in solchen Momente fast auch greifen, wie das Leben vergeht, wie alles wächst und gedeiht, sich entwickelt und schließlich wiederholt.

Als wir daheim ankamen, war ich platt aber froh, denn es war ein sehr schöner Vormittag mit meinen beiden Herzen.