Da bemühe ich heute früh einen Schwangerschaftskalender, damit er mir bitte verraten möge, in welcher Schwangerschaftswoche ich mich überhaupt gerade befinde, da spuckt mir das gute Ding eine 97 an den Kopf. Jetzt hab ich also sogar verpasst, dass es weniger als hundert Tage bis zum errechneten Termin sind. Das hab ich ja schon erwähnt, dass das alles irgendwie nebenher läuft, oder?

Im Ernst, ich habe keine Zeit. Zumindest gefühlt. Die Tage sind angefüllt mit allem Möglichen und abends genieße ich meine anderthalb Stunden Freizeit, ehe ich so kurz vor zehn todmüde ins Bett falle. Und ich muss zugeben, dass diese Schwangerschaft anstrengender ist als die letzten beiden. Viel anstrengender. Obwohl, vielleicht sollte ich einfach mal ein paar alte Blogartikel lesen – vielleicht würde das die Dinge wieder ins richtige Licht rücken? Im Moment ist jedenfalls mein vorherrschendes Gefühl, dass ich kaputt und k.o. und geschafft bin und dass mein Rücken die nächsten drei Monate vermutlich nicht überstehen wird. Das sind es nämlich noch: Drei Monate. Und ich sehe jetzt schon aus wie kurz vor einer Zwillingsgeburt.

Normal laufen geht nicht mehr, aufstehen dauert seine Zeit und ich versuche alles, um beides so gering wie möglich zu halten. Die Kinder wollen getragen werden, nicht ständig, aber gelegentlich und bestimmte Dinge lassen sich einfach nicht vermeiden. Das Winterkind in den Kindersitz heben zum Beispiel. Kleinigkeiten, natürlich, aber sie läppern sich und läppern sich und mit jeder Belastung wird es schlimmer, bis ich abends wie eine Greisin durch die Gegend humpel. Es ist ein Trauerspiel.

Am 5. März beginnt mein Mutterschutz – ich zähle jetzt schon die Tage. Definitiv kann ich sagen, dass Glanz und Zauber dieser ersten Male verflogen sind. Schwanger sein ist einfach anstrengend und ich würde diese Zeit liebend gerne abkürzen. Oder dem Mann mal den Vortritt lassen. Geht nur leider nicht, also Augen zu und durch. Sag ich mir.

Immerhin, ein klein wenig Raum nimmt das Spünkchen schon heute in unserem Leben ein. Wenn die kleine Wachtel ihre Hand auf meinen Bauch legt und nach zwei Sekunden behauptet, ein Zappeln gespürt zu haben zum Beispiel. Oder wenn sie fragt: “Mami, wenn das Spünkchen im April kommt, ist das dann auch mein Bruder?” Oder wenn beide Kinder im leergeräumten Spünkchenzimmer auf der großen Matratze spielen und nur glückliches Quieken zu hören ist.

Und dann liegt ein Sofakissen auf dem Teppich und der Liebste meint: “Guck mal, kannst Du Dir vorstellen, dass in ein paar Wochen genau dort, und fast genauso groß, ein kleines Baby liegt? Und noch gar nichts kann, außer gucken?” Nein, kann ich mir nicht so richtig vorstellen. Das ist wohl jedes Mal unvorstellbar, dieser Neugeborenenzauber. Diese Ruhe, die sich auf ein Zimmer legt, nur weil ein frischgeschlüpftes Menschlein dort schläft. Gedämpfte Stimmen (das muss ich meinen Kindern erzählen!) oder Flüstern und alles läuft so magisch ab, irgendwie, so zum Heulen schön.

Nein, ich kann mir das alles nicht im Geringsten vorstellen. Aber ich bin sicher, dass das Spünkchen seinen Platz bei uns einnehmen wird. Dass die ersten Wochen chaotisch und wild werden, dann aber irgendwie alle sich in dem neuen Gefüge einfinden werden.

Unser Leben wird, mal wieder, völlig durchgeschüttelt werden.

97 Tage noch.