Gestern rief meine Mutter mich an, um mir zu sagen, dass mein Vater gestorben sei.

Ich glaube, über elf Jahre haben wir uns nicht gesehen, nicht miteinander gesprochen, nicht die kleinste Verbindung gehabt, und so war es auch gut. Er hat mir nicht gefehlt, im Gegenteil, es ging besser ohne ihn, und auch wenn ich ihn natürlich nicht vergessen, immer mal wieder an ihn gedacht habe, hat er in meinem Leben gar keine Rolle mehr gespielt. Aber ich habe in den letzten beiden Jahre gemerkt, dass die Wut und Verachtung, die ich früher fühlte, sich mit der Zeit in Mitleid gewandelt haben. Nein, es ist nicht jeder seines Glückes Schmied – manche Menschen können nicht aus ihrer Haut.

Obwohl ich nicht trauere, nicht traurig bin, ist es nun dennoch ein merkwürdiges Gefühl. Ich habe eine von zwei Wurzeln verloren und das ist ein ungewohnter Gedanke. Es macht ein Stück erwachsener, ein Stück selbständiger, obwohl das eigentlich irrational und absurd ist. Mein Leben ändert sich ja nun nicht, nicht im Geringsten.

Traurig war nur, als ich es meiner kleinen Schwester sagen musste. Ihre Beziehung war kaum anders als die unsere, aber der Moment, die richtigen Worte zu finden, das war traurig. Zum Glück turnten das Winterkind und die kleine Wachtel um uns herum und der Gedanke hilft: Dort liegt die Zukunft, bei unseren Kindern, und nicht in der Vergangenheit.

Es tut gut, seinen Frieden gemacht zu haben.