Der August war so ereignisreich, ich weiß gar nicht, wo ich überhaupt anfangen soll.

Das Winterkind setzt sich, verputzt schiere Mengen, fiebert häufig und tut vor allem eines: Stehen. Und das jede freie Sekunde. Er zieht sich an allem hoch, was er in seine kleinen Fingerchen bekommt. Sofa, Couchtisch, Schränke, Kisten, Heizungen… nichts ist vor ihm sicher. Ich könnte ein kleines Fotoalbum füllen mit Schnappschüssen, die ihn an allen möglichen und unmöglichen Orten in den witzigsten Positionen zeigen. In der Legokiste zum Beispiel. Oder wie er die mittlerweile ausrangierte Babywippe als Rutsche zweckentfremdet. Oder lässig an den Schrank gelehnt, sich mit nur einer Hand festhaltend, wie am Tresen: “Ein Bier bitte noch!”

Er weigert sich standhaft, “Käse” oder “Pfirsisch” zu sagen, obwohl Mann und Tochter es ihm mit unendlicher Geduld immer wieder vorsagen. Dafür hat er Motorengeräusche für sich entdeckt und skandiert in einem fort: Brrrr!

Er ist solch ein kleines Kraftpaket und er WILL vorwärts, man merkt es so deutlich. Dabei hat er eine Freude in sich, ein solches Blitzen in den riesigen Augen, dass einem das Herz aufgeht. Seine Wimpern reichen bis zu den Augenbrauen hinauf und wir alle beneiden ihn darum. Er lacht sich kaputt, wenn man ihn an den Oberschenkeln kitzelt und wird magisch angezogen von Kabeln, Telefonen, Fernbedienungen. Autofahren in wachem Zustand mag er überhaupt gar nicht und wird auch auf längsten Fahrten kaum müde, das lautstark kund zu tun. Er ist ein Sonnenschein, ein Wildfang, mein geheimer Händchenhalter. ♥

Die kleine Wachtel hat viel erlebt in letzter Zeit. Ein Zoobesuch, Urlaub in der Schweiz und vor allem: Ponyreiten! Nachdem sie sich erst zwanzig Minuten an mein Bein klammerte aus Angst vor den Zwergponies bestand sie im Anschluss darauf, mit Lorettas Tochter gemeinsam eine Runde auf den richtigen Ponies zu drehen. Haha, dachte ich, alles klar, stell ich mich mal mit an und rette sie dann, sobald wir an die Reihe kommen, aber das kleine Herz hat mich richtig überrascht. Sie WOLLTE auf dieses Tier, hielt sich bravourös alleine fest und war das einzige Kind, was die ganze Zeit über lauthals lachte. Sie war übrigens auch das einzige Kind, das Theater beim Absteigen machte, aber das gehört wohl dazu. Es war trotzdem herrlich, der ganze Tag zusammen mit Lorettas Familie in Knies Kinderzoo war traumhaft.

In den Tagen, in denen wir dort waren, fanden wir auch Zeit, all die Postkarten und Geschenke anzusehen, die viele liebe Bloggerinnen vor einiger Zeit an Loretta schickten, als sie noch im Krankenhaus lag und ein bisschen Aufmunterung gut brauchen konnte. Ich kann gar nicht zusammenfassen, wie schön das war. So wundervolle Karten, geschrieben mit so viel Herz und Liebe… danke!

Aber eigentlich wollte ich doch von der kleinen Wachtel schreiben. Von ihrem ersten richtigen Urlaub ohne Eltern – drei Tage bei Oma und Opa, von ihrem kurzen und glücklicherweise überwundenen regressiven Schritt zurück in die Schnullerzeit (die sie ja nie hatte), von ihrer neu entdeckten Leidenschaft für Puzzles, am allerliebsten aber auf dem iPad (und ich staune, mit welcher technischen Intuition sie es bedient!), vom gelösten Mysterium ihres imaginären Freundes Harry Woltmann (Wer zum Henker ist Harry Woltmann? Wochenlang grübelten wir, Loretta fand die Lösung schließlich), von einer Phase, in der sie alles, wirklich und wahrhaftig ALLES selbst machen wollte oder von dem wunderschönen Leinwandbild, was sie mir gemalt und geschenkt hat und welches nun im Wohnzimmer hängt.

Tausend Dinge, die alle in einem Blogpost viel zu kurz kommen und so erwähne ich sie nur, um die Bilder in meinem Kopf dazu zu konservieren und nie zu vergessen.

A propos zu kurz kommen: Für das Spünkchen bleibt im Alltag überhaupt keine Zeit. Noch weniger als damals für das Winterkind, glaube ich. Wir wissen zwar noch nicht lange von ihm, aber ich habe das Gefühl, ich habe seitdem vielleicht dreimal daran gedacht. Aber kein schlechtes Gewissen, ich kenne es ja und weiß, wie das ist. Aber sein Kommen kündigt sich an: Mir war zwei Tage ein wenig flau im Magen und vor allem hatte ich die heftigsten Rückenschmerzen, die man sich vorstellen kann. Und das in der siebten Woche – meine Güte, wo sollte das hinführen? Ich konnte Arjen keine zehn Meter tragen, ohne zu der Überzeugung zu gelangen, jetzt sofort zusammenbrechen zu müssen und weinte zwei Tage bittere Tränen deswegen. Aber mittlerweile ist es besser, viel besser. Ich weiß zwar nicht, woran es liegt, aber es ist auch egal. Hauptsache besser.

Nächsten Mittwoch habe ich die erste Vorsorge beim Arzt, ab dann bei Renate oder Heike im Wechsel. Renate hat nämlich den ganzen nächsten April frei – irgendwie klappt das mit unserer Planung nicht so. Aber egal, ich habe mittlerweile so viel Selbstvertrauen und Sicherheit in mir, dass ich weiß, dass ich eine Geburt auch gut ohne Hebamme, ganz alleine, schaffen würde. Keine Angst also, schon gar nicht wegen Dingen, die wir eh nicht ändern können.

Aber ist es nicht seltsam, ich sitze hier und schreibe über die Geburt, dabei liegt das alles noch in solcher Ferne und die ersten zwölf Wochen sind noch lange nicht geschafft. Aber ich habe eine Gewissheit in mir, dass alles gut wird und ich will darauf vertrauen.

Und sonst so? Das Leben rast, es ist oft anstrengend, viel öfter schön und wir sind glücklich. Spätestens um zehn k.o. im Bett, aber glücklich.🙂