René meint ja, das hätte unser Sohn eingefädelt. Als Ausgleich dafür, dass letzte Nacht eine richtig gute war. Wir wollen ja nicht, dass die Erholung zu lange anhält, nicht?

Gestern habe ich bis spät gearbeitet. Ja, gearbeitet. So richtig mit Denkfalte, Konzentration, Strickzeug auf dem Schoß und Notebook neben mir. Es geht darum, ein Projekt fertig zu stricken und die Anleitung dafür zu Papier zu bringen. Deadline ist zwar erst September, aber davor sind wir ja noch ein paar Tage im Urlaub und ich habe auch noch andere Dinge zu tun, und außerdem brennt mir das unter den Nägeln. Es ist das erste Mal, dass ich eine Anleitung veröffentliche, so richtig gedruckt und gebunden, und ich will es richtig gut hinbekommen.

Ich habe also, nachdem die Kinder im Bett waren, alles andere aus meinem Kopf verdrängt und mich richtig darauf konzentriert. Mein Hirn ausgewrungen, könnte man auch sagen, und um kurz vor elf war ich tatsächlich fertig. Alles stand da, alles war richtig. Alles durchdacht, getestet, in Form gebracht. Ich war übrigens auch fertig und muss mir eingestehen: Konzentrationsarbeit über ein paar Stunden hinweg bin ich schlicht und einfach nicht mehr gewöhnt. Und es ist wirklich ein Riesenunterschied zwischen “Ich mach mir ein paar Notizen, damit ich weiß, wie ich es gestrickt hab” und “Ich schreib es ordentlich auf, Masche für Masche, damit jeder versteht, was gemeint ist und es nachstricken kann.”

Ich kroch ins Bett und dachte beim Einschlafen noch: Haha, stell Dir mal vor, wie blöd es wär, wenn jetzt Dein Notebook kaputt gehen würde!

Die Kamera schwenkt wieder ins Wohnzimmer, wo am nächsten Morgen eine noch immer ziemlich verschlafene junge Frau mittleren Alters auf der Couch sitzt und entgeistert immer und immer wieder auf den Einschaltknopf ihres Notebooks drückt. Nichts rührt sich. Ich drücke nochmal. Nichts. Nochmal. Nichts. Nochmal. Nichts.

Ich glaube es nicht und drücke probehalber noch zehnmal auf den Knopf. Es tut sich nicht das Geringste.

Zu meinen Füßen fängt das Winterkind an zu jammern und ich denke nur: Es darf nicht wahr sein. Bitte nicht! Kriege ich die Anleitung noch aus dem Kopf hin? Fehlerfrei? Soll ich das Notebook einschicken? Wohin? Was ist mit meinen Daten? Oh mein Gott, die ganzen Fotos der Kinder sind doch auch da drauf! Zum Glück hab ich ein Backup gemacht!

Es folgt hektisches Surfen im Internet (zum Glück funktioniert mein iPad noch!), weiteres Durchdenken aller Möglichkeiten und die ganze Zeit eine latente Panik im Hinterkopf.

Schließlich Anruf bei der Hotline, die Details erspare ich mir hier einmal. Eine sehr nette Dame, sehr gelassen und kompetent und nach fünf Minuten war das Problem gelöst. Akku raus, Strom ab und zehn Sekunden den Knopf gedrückt halten, danach war alles wieder in Ordnung. Muss man ja auch erstmal wissen.

Ich bedankte mich überschwänglich, verfluchte aber innerlich diese Misttechnik und weiß nun endlich, wie sich unsere User immer fühlen. Und dabei bin ICH doch eigentlich der Techie! Also, man merkt, dass ich aus meinem Job raus bin.

Habe mir geschworen, sofort ein Backup zu machen, werde aber vermutlich wieder meiner Natur entsprechend handeln, es aufschieben und mich auch beim nächsten Mal wieder auf mein Glück verlassen.

Und jetzt so: Kaffee. Und runter kommen.