Der Titel ist natürlich nur halb so ernst gemeint, aber wir zwei hatten tatsächlich unsere Schwierigkeiten miteinander.

Angefangen hat alles mit einem wahrhaft riesigen Knäuel Garn, was Frau Blümel mir einmal mitschickte, weil ihr die Farbe nicht gefiel. Das konnte ich auf Anhieb nachvollziehen – diese Mischung aus Rosa, Lachs und verwaschenem Fliedergrau war, hm, speziell. Leider (oder vielleicht zum Glück?) habe ich davon nur noch ein verwackeltes Foto:

Dann nahm das Unheil seinen Lauf. Was sollte einmal daraus werden? Ein Jäckchen für die kleine Wachtel? Nein, das war sicher zuviel Garn und wie gesagt, die Farbe. Außerdem frustriert es mich so, dass die Kleinen immer so schnell aus allem wieder heraus wachsen. Oder irgendein Spielzeug? Nein, auch nicht, das macht mir irgendwie keinen Spaß. Also ein Tuch, ja, wieso nicht. Manchmal denkt man sich ja “Oh Mann, was ist DAS denn für eine Farbe” und dann kommt am Ende etwas ganz Tolles heraus, was man nie gedacht hätte. Könnte doch sein, dass es hier ähnlich wird.

Die Entscheidung fiel dann auf Revontuli, weil mir die Fotos so gut gefielen und weil ich einfach Lust drauf hatte.

Angestrickt war es schnell, dann nach einer Weile zog und zog und zog es sich. Kein Wunder – bei jeder Hinreihe kamen mindestens zwei, manchmal achtzehn Maschen dazu und so dauerte jede ein wenig länger als die vorangegangen, bis ich am Ende bei über vierhundert war und schon nach den ersten drei keine Lust mehr hatte. Daher landete das kleine Ungeheuer auch für eine Weile unberührt ganz unten im Strickkorb.

Aber so unvollendete Projekte liegen mir irgendwie immer schwer auf der Seele, also riss ich mich zusammen und strickte es endlich fertig, was noch einmal viel länger dauerte, als ich angenommen hatte. Nunja.

Hier gab es ja schon ein Foto zu sehen, hier nun noch einmal in den wirklichen Farben:

Mal ehrlich – das tut jetzt schon weh, oder?

Und es war doch irgendwie schade drum – all die Zeit, die ich dafür aufgewendet hatte! Es lag ein paar Tage im Wohnzimmer herum, meine Kinder spielten darauf, dann zierte es die Rattanliege und manchmal kam es einfach gefaltet auf ein Regal. Ein richtiges Wandertuch, aber glücklich war ich nicht damit.

Was lag also näher, als das Ganze einfach einzupacken und zu Michaela mitzunehmen, zu der ich gestern an meinem kinderfreien (ich wiederhole: kinderfrei!) Tag im Jahr eingeladen war. Sie wollte mir zeigen, wie sie ihre Wolle färbt und ich dachte, dass so ein bisschen neuer Farbe dem Höllentuch sicher gut tun würde.

Am Ende, nach wundervolle Färbungen in Beerentönen, Indigo und einem ganz besonderen silbrigem Grün, hatten wir noch einen Rest Braun, und obwohl wir eigentlich ein Blau eingeplant hatten, warfen wir Revontuli kurzerhand hinein. Ich war sehr entschlossen, denn jede, wirklich jede andere Farbe wäre bereits eine unheimliche Verbesserung.

Die ersten Blicke auf das noch nasse, dampfende Tuch ließen dann schon wundervolle Herbsttöne vermuten, doch erst packte ich alles ein und raste heim. (Man freut sich ja dann doch so unheimlich auf seine Kinder!) Zu Hause dann kam alles noch einmal in die Waschmaschine und dann über Nacht zum Spannen ins Wohnzimmer und heute früh dann…

Ach, seht selbst:

Wahnsinn, oder? Ich bin so begeistert und habe es richtig ins Herz geschlossen! (Nach so einer Vorgeschichte ja auch kein Wunder…)

Und das Färben? Ja, das habe ich für mich entdeckt. Der Tag bei Michaela war toll, trotz stressiger Autofahrt nach Köln hinein. (“Biegen Sie rechts ab, dann biegen sie rechts ab. Bleiben Sie links, dann biegen sie rechts ab.” Wer hat sich sowas denn ausgedacht?) Es ist wundervoll, zu sehen, wie etwas ganz Neues entsteht und es macht großen Spaß, sich richtig mit den Farben auszutoben. Und ich bin sehr froh und dankbar, von einer so erfahrenen Färberin etwas habe lernen zu können. Ausrüstung zum selbst Färben steht nun ganz oben auf meiner Wunschliste.

Und Revontuli? Das wird mir im Herbst sicher gute Dienste leisten.