Revontuli liegt schon seit ein paar Tagen fertig hier herum, aber weil ich mich so durch Garn und Muster kämpfen musste und mir das fertige Ergebnis nun überhaupt gar nicht gefällt, hatte ich keine Muße, die Fäden zu vernähen und das Mistding Tuch zu spannen. Es war eine Sisyphosarbeit und ich musste mich echt zwingen. Keine Ahnung, wieso ich es überhaupt zu Ende gebracht habe und ebenfalls keine Ahnung, was ich damit jetzt machen soll. Vielleicht wird es unser Familienquilt? Es gibt doch manchmal so häßliche, alte Dinger und wer weiß, vielleicht wird er über Generationen weiter vererbt werden, verstaubt auf Betten, gefaltet in Kommoden oder vergessen an Wandhaken.

Auf dem Foto sieht es übrigens gar nicht so übel aus, aber das liegt daran, dass ich die Farben verstellt habe. Vielleicht färbe ich es in Echt auch einfach über? Könnte ja vielleicht doch noch etwas draus werden…

Eine Freude dagegen war Annis. Flott gestrickt, bis auf den Teil mit den Noppen, und das Garn floss einfach seidenweich durch meine Finger. Das Ergebnis ein Gespinst, die Farben leuchtend und satt, und so weich, zart, filigran.

Auch hier habe ich zwar noch keine Idee, was ich damit anfangen soll, aber irgendwer wird sich schon finden. Der Weg ist doch das Ziel, oder?

Eine Ironie ist es aber, dass ich gerade jetzt im Herbst meine Liebe zu leichten, luftigen Dingen entdecke, wo die Tage kürzer werden und die Temperaturen merklich sinken. Ach, schrieb ich Herbst? Wir haben Juli, aber es fühlt sich alles schon so nach Oktober an.