Hier kracht es in letzter Zeit oft. Viel zu oft für meinen Geschmack – ich bin im Moment heilfroh um jede halbe Stunde, die ohne Tränen und Kreischen vergeht.

Natürlich, eine Woche krank aufeinander hocken hat nicht zur allgemeinen Entspannung beigetragen, und natürlich weiß ich, dass das nur eine Phase ist. Mal gerade im Blog zurück geblättert – das letzte Mal ist auch schon wieder über drei Monate her. Trotzdem zieht es an meinen Nerven und wider besseren Wissens natürlich auch an meiner Überzeugung, alles richtig zu machen.

Ich frage mich, ob ich anders mit der kleinen Wachtel umgehen sollte. Gleichzeitig bin ich ratlos und wüsste nicht, wie. Und es tut mir furchtbar leid, dass mein Geduldsfaden mit jedem Streit kürzer wird und ich immer öfter lauter werde als mir lieb ist.

Mütter-Töchter-Verhältnisse seien doch oft schwierig, meinte René heute am Frühstückstisch. Ihn haut sie kaum, da gibt es sehr wenig Streit, aber natürlich sieht sie ihn auch nur abends für zwei Stündchen. Und ja, das mit den Mütter-Töchter-Verhältnissen habe ich auch schon öfters gehört, aber eigentlich hatte ich gedacht, das erwartet uns erst in drei, vier oder noch mehr Jahren.

Meine Mutter hatte über lange Zeit ihres Erwachsenenlebens keine gute Beziehung zu ihrer Mutter, über die Zeit davor weiß ich nichts. Und ich selbst hatte auch so meine Streitpunkte mit meiner Ma, die wir zum Glück mittlerweile überwunden haben. Aber ja, schwierig war es. Und bei diesen Gedanken erschrecke ich, weil ich manchmal so viel von mir selbst in meiner Tochter sehe und das Gefühl habe, das Schicksal rollt wie ein großer Felsen auf uns zu und ich kann nichts dagegen tun – Zerwürfnisse sind vorprogrammiert.

Und wieder der Gedanke: Was kann ich besser machen? Besser als meine Eltern?

Wenn ich mich zurück erinnere, so ist das, was mich damals als Kind immer am wütendsten gemacht hat, das Gefühl der Ohnmacht vor elterlichen Entscheidungen. Das Gefühl, winzig zu sein, keine Stimme zu haben, dass die eigene Meinung nichts zählt und man einfach übertönt wird. Und tatsächlich glaube ich, dass Milena mit ihren zwei Jahren schon in der Lage ist, solch ein Gefühl zu empfinden. Ich nehme mir also vor, sie viel mehr mit einzubeziehen und nicht nur mit rhetorischen Fragen so zu tun.

Dann lese ich von all den kleinen, lieben Mädchen in Klein Bloggersdorf und ich frage mich, ob das eigentlich wirklich normal ist, was wir erleben. Die Tochter meiner Freundin ist ein kleiner Kuschelhase, dort gibt es Situationen, wie wir sie hier schon gut kennen, (noch?) nicht. Und mir kommt dann der Gedanke: Vielleicht fühlt sich Milena von Arjen doch etwas gestört? Vielleicht beneidet sie ihm um die Kuscheleinheiten, die er bekommt, um die bewundernden Blicke, um die zahlreichen Sätze: “Ist er nicht großartig?”

Aber sie bekommt all das ja auch, in gleichem Maße, will es aber oft eben auch nicht. Stößt einen weg, haut, kreischt, wenn man ihr zu nahe kommt.

Der Alltag bleibt im Moment also fordernd. Und obwohl ich natürlich weiß, dass ich mir all diese Ablehnung nicht so zu Herzen nehmen sollte, verletzt es mich trotzdem.

Bleibt nur abwarten, und in der Zwischenzeit so gelassen wie möglich bleiben.