Wenn Kinder krank sind, vergeht die Zeit anders. Wie Kaugummi zieht sie sich, klebrig und unangenehm, und irgendwann weiß man kaum noch, waren es jetzt zwei, drei, sechs Tage? Die Erinnerung ist ein einziges Halten, Trösten, Nase putzen, Zäpfchen geben, Windeln wechseln, Betten neu beziehen, Warten beim Arzt, Schaukeln, Umarmen und Wäsche waschen.

Die kleine Wachtel möchte, wenn sie nicht weinerlich in meinen Armen hängt (“Mami… Mami… Hab Fieber im Bauch, tut weh!”) am liebsten den ganzen Tag auf dem Lager im Wohnzimmer kuscheln und Lauras Stern gucken, ihr kleiner Bruder hat das Fieber überwunden und bringt meine Nerven durch unauffälliges Anpirschen an den Treppenansatz fast zum Zerreißen.

Jegliche Schlafrhythmen sind hinfällig und ich weiß nicht mehr, wieviele Male ich mir heute schon die Hände gewaschen habe. Dreißig, vierzig?

Es gibt auch ruhige Momente, wenn das Winterkind im Bettchen ist und wir zwei Mädels auf der Couch kuscheln, Ich mach Dich gesund, sagte der Bär, aber tagsüber rotiere ich von einer Baustelle zur nächsten. Und schrecke nur manchmal hoch und stelle erstaunt fest, dass es draußen auch noch eine Welt gibt. Zwischenwelten halt.