Gestern war Rheinischer Wollmarkt in Kuchenheim (Kuchenheim! Gibt es einen tolleren Ortsnamen? Man stelle sich vor, wie schön es jedesmal ist zu sagen: “Guten Tag, mein Name ist Soundso und ich wohne in Kuchenheim.”) und wir machten uns auf den gar nicht so langen Weg dorthin.

Schön war es! Es gab viele Stände mit allerlei hübschen Dingen zu bestaunen. Wolle, natürlich, wenn auch überraschend wenig, dafür dass es doch ein Wollmarkt war. Aber man konnte sie in allen Stadien bestaunen: Noch als Fell am Schaf, als geschorene, wirre Pakete, als Kammzüge, auf dem Spinnrad, als fertige Stränge und Knäuel und schließlich natürlich noch verstrickt, verfilzt, vernäht.

Außerdem gab es tausend kleine Schätze – selbstgemachte Seife, Honig, Kräuter, Lederschühchen für Kinder und wundervolle Büchlein mit Filzumschlägen. Hüte, Schmuck, Öle, und, und, und. Es war so schön, über den Markt zu schlendern und sich alles anzusehen.

Ich habe mir auch zeigen lassen, wie man spinnt und fand es interessant. Vielleicht ist es etwas, woran ich im Alter einmal Spaß haben werde – noch fehlt mir die nötige Ruhe dazu und vor allem natürlich die Zeit. Dabei fiel mir ein, dass unsere Eltern früher ein Spinnrad im Wohnzimmer stehen hatten, allerdings war es nicht funktionstüchtig und diente nur zur Zierde. Wer weiß, was daraus geworden ist, vermutlich ist es, wie so vieles, bei der Trennung verloren gegangen.

Einen Strang habe ich mir selbst dann gegönnt: Handgefärbtes Merino Lacegarn aus dem Atelier Zitron – 600 Meter, die ich die ganze Rückfahrt im Auto zum Knäuel wickelte. Wunderbar ablenkend, während um uns auf der Autobahn ein heftiges Sommergewitter tobte und ich, wäre ich nicht so beschäftigt gewesen, vor Angst vermutlich vergangen wäre.