Sehr geehrte Damen und Herren bei den Stadtwerken Bonn,

schon wieder muss ich Sie mit einer Beschwerde behelligen. Es ist schon die dritte innerhalb kurzer Zeit und auch, wenn ich die Hoffnung aufgegeben habe, dass diese Mail irgendetwas erreichen wird, ist es mir ein Bedürfnis, mich Ihnen mitzuteilen.

Das letzte Mal wandte ich mich an Sie im Herbst vergangenen Jahres, als ich, hochschwanger und mit meiner einjährigen Tochter, an der Bushaltestelle stand und von Ihrem Busfahrer einfach nicht mitgenommen wurde. Ich bin sicher, meine damalige Mail an Sie ist noch in Ihren Archiven zu finden, Sie können ja gerne einmal nachlesen. Ihre Frau R. meldete sich daraufhin bei mir, sehr wortreich und verständnisvoll, mit dem festen Versprechen, den Fahrer ausfindig zu machen, um sich dann erneut bei mir zu melden. Auf diese Rückmeldung warte ich, wie Sie vielleicht schon vermutet haben, heute noch.

Trotz des Wissens darum, wie ignorant Sie mit Beschwerden von Bürgern umgehen, hier also meine Schilderung des letzten Vorfalls:

Wir waren zu dritt mit der Buslinie 630 unterwegs, Busnummer 9704, 15.02.2011, 14:52 ab Meßdorfer Strasse. Bei mir meine kleine Tochter (1) im Buggy und mein Sohn (8 Wochen) im Tragetuch.

Ich stellte den Buggy in der Fläche in der Mitte des Busses, quer zur Fahrtrichtung, ab und nahm auf dem Zweiersitz direkt dahinter Platz, damit ich ihn gut festhalten konnte. Der Bus fuhr los und ich erschrak sofort über die rasante Fahrweise des Busfahrers. Aber ich sagte nichts, denn dieses Gas geben bis kurz vor der Bushaltestelle, dann urplötzlich abbremsen und kurz darauf mit Vollgas wieder losfahren – das kennt man ja schon.

Ich versuchte also, meinen Sohn, den Buggy meiner Tochter und gleichzeitig auch noch mich selbst festzuhalten und hoffte, dass wir heil ankommen würden. Leider taten wir das nicht.

Ich weiß nicht mehr genau, welche Haltestelle es war, aber irgendwann bremste Ihr Fahrer derart heftig, dass der Buggy und mit ihm meine Tochter seitlich umfielen – obwohl ich ihn festgehalten hatte! Meine Tochter knallte mit dem Gesicht auf den Boden, blutete sofort und weinte stark. Einige Fahrgäste kamen mir netterweise zur Hilfe – etwas, was ich auch von Ihrem Fahrer erwartet hätte. Doch er blieb abwartend im Führerhaus sitzen. Als er schließlich doch aufstand und zu uns kam, fiel ihm leider nicht mehr ein, als mir vorzuhalten, wieso meine Tochter nicht angeschnallt gewesen wäre (Sie erinnern sich – der ganze Buggy war umgekippt! Ob sie angeschnallt gewesen wäre oder nicht, es hätte keinen Unterschied gemacht.), wieso ich den Buggy nicht festgehalten hätte (was ich getan hatte) und dass es vollkommen unmöglich sei, dass so ein Buggy umkippen könnte. Er wäre schließlich schon so lange Busfahrer und das könnte ich ihm glauben. Nach dem Wohl meiner Tochter erkundigte er sich nicht.

Nun frage ich Sie – wenn es so vollkommen unmöglich ist, dass ein Buggy umkippt, wie konnte es dann trotzdem passieren? Ich hatte ihn ja festgehalten! Stellen Sie sich bitte einmal vor, wie plötzlich diese Bremsung gewesen sein muss, so dass er trotzdem umkippen konnte.

Erneut muss ich mich also fragen, was Ihre Busfahrer zu einer solchen Fahrweise veranlasst. Ist es mangelnde Sorgfalt bei der Auswahl Ihrer Angestellten? Fehlende Schulung und Einweisung derselben? Oder der Druck von Ihrer Seite, des Arbeitgebers, die Fahrpläne pünktlich einzuhalten, ungeachtet des Wohls der Fahrgäste und auch der anderen Verkehrsteilnehmer? Für Zufall jedenfalls kann ich das nicht mehr halten nach den zahlreichen negativen Erlebnissen, die ich mit Ihrem Betrieb schon hatte.

Was empfehlen Sie mir also für die Zukunft? Ist das Risiko zu hoch, mit zwei kleinen Kindern Ihre Verkehrsmittel zu benutzen? Ist eine Begleitperson für zwei Kinder zu wenig? Schließlich hat man nur zwei Arme und die braucht man scheinbar für ein Kind allein.

Bitte lassen Sie mich wissen, was Ihre Empfehlung ist, damit wir uns danach richten und in Zukunft unverletzt unser Ziel erreichen können.

Ich verbleibe mit freundlichem Gruß, bis zum nächsten Mal,

M.B.

PS: Ich veröffentliche diesen Brief auf meinem Blog, um auch eine breitere Leserschaft über die Missstände in Ihrem Unternehmen und die Reaktion, oder Nicht-Reaktion, auf mein Anliegen zu informieren. Sie sind herzlich eingeladen, sich an der dortigen Diskussion zu beteiligen.