Achtung, dieser Post könnte leicht unstrukturiert werden…

Es gibt so viel zu erzählen. Ständig denke ich: “Ach, das musst Du festhalten. Blog das, jetzt!” und irgendwie langt es dann doch nie dafür. Ich bin so eingespannt mit dem kleinen Mopf, unserer Wachtel, dem Haushalt, der ganzen Streicherei, der Steuererklärung, den kläglichen Versuchen, meinen Sportplan einzuhalten und dem heissen Wunsch, so viel wie möglich zu stricken. Arjens Geburtsbericht beispielsweise geistert mir schon lange durch den Kopf, aber ich finde keine Ruhe, endlich alles in Worte zu fassen. Und die ganzen Kleinigkeiten, die auch gebloggt werden wollen, fallen so eben auch herunter.

Heute waren meine zwei Herzen und ich bei meinem Frauenarzt zur Nachsorge. Nachsorge. Wow. Somit gehören Schwangerschaft und Co. nun offiziell der Vergangenheit an und sind wirklich und wahrhaftig abgeschlossen. Und ich muss ehrlich gestehen: Ich bin so richtig, richtig froh, wenn ich meine Schwägerin und ihren dicken Bauch sehe, dass ich das alles erstmal hinter mir habe und mir größtenteils wieder selbst gehöre. Beweglichkeit ist was Tolles, ernsthaft.

Natürlich mussten wir, leider wie üblich, beim Arzt sehr lange warten. Eine gute Stunde wird es gewesen sein, Arjen schlafend im Tragetuch und Milena so lieb, so rücktsichtsvoll, so hinreißend, dass mir das Herz vor Stolz platzen wollte. Wie sie sich zuerst nicht quer durch den mit fremden Menschen vollen Raum traute, um zur Spielzeugkiste zu gelangen, sich dann ganz offensichtlich einen Ruck gab und schließlich mit strahlenden Augen wieder zu mir kam, in den Händen ein ganz selbst erobertes Spielzeug. Und wie sie alle Bücher dort lesen wollte und sogar, ganz anders als daheim, das ausgelesene immer zuerst wieder wegräumte, ehe sie das nächste brachte. Und dann dieser freche Schalk, mit dem sie behauptete, dass sie dieses Buch von zu Hause mitgebracht hätte – zum Hineinbeißen, wirklich!

Viele erste Male gab es in der letzten Woche für sie. Das erste Mal Zähneputzen mit Zahnpasta – gar nicht so übel! Und der erste Besuch beim Frisör – aus ihrem herzallerliebsten, zerzausten Vokuhila wurde ein herzallerliebster und kaum noch zerzauster Vokuhiku. Noch immer warte ich sehnsüchtig darauf, dass ihre Haare endlich so richtig wachsen. Arjen hat mehr als sie, ist das zu glauben?

Und aufrecht möchte sie die Treppen hoch- und runtersteigen, aber bitte an der Hand, ganz alleine schafft sie es nämlich noch nicht. Aber krabbeln kommt nicht mehr in Frage, lieber steht sie minutenlang am Treppenansatz und wiederholt ein ums andere Mal: “Mama Hand nehmen!”

Überhaupt, sie spricht so wunderbar. Mühelos verwendet sie Sätze mit sechs, sieben Worten. Ihr Wortschatz ist riesig und wächst minütlich, es ist manchmal richtig unheimlich. Und sie plappert alles, wirklich alles nach, was viel Grund zum Lachen gibt. Zum Beispiel findet sie, dass das neue Bild über unserem Esstisch echt “cool aussieht!” und wenn das Licht aus ist, heisst es “Melena daniss sehen” und schon ist der Schalter gedrückt. Und ins Bett mag sie meist nicht, wenn man sie fragt, sie möchte “lieber noch’n bissen hierbleiben.”

Seit ein, zwei Wochen, kann man Gespräche mit ihr führen, die auch etwas mehr Sinn machen. Beispielsweise frage ich sie immer, wenn ich sie von Katja abhole, was es denn zu Mittag gab und meist erzählt sie es mir ganz richtig. Und heute, als ich kurz im Keller war, um Wäsche aufzuhängen, erklärte sie mir, als ich wiederkam: “Helehon daklingelt!” und tatsächlich, ein Anruf in Abwesenheit. Und, und das ist wirklich so, so, so süß, sie erzählt uns, wovon sie geträumt hat. Ich habe keine Ahnung, ob sie tatsächlich weiß, was wir damit meinen, aber wenn wir fragen, was sie geträumt hat, verneint sie manchmal, oft genug sagt sie aber auch von Mama, von Papa, von Arjen oder von Katja. Ach, ich glaube es ihr einfach und freue mich jedesmal ganz schrecklich, wenn mein kleines Herz von mir geträumt hat.

Und Arjen? Ach, er ist so lieb! Wenn er einen mit seinen großen, braunen Knopfaugen so anschaut, dann möchte man, ich weiß, ich wiederhole mich, aber man möchte hineinbeißen. Acht Wochen wird er morgen schon alt, und er ist wirklich schon so groß geworden. Bei der U3 war er schon sechs Zentimeter gewachsen (sechs Zentimeter in sechs Wochen!) und wog über fünf Kilo – fast ein ganzes Kilo mehr als zur Geburt. Und die Ärztin lachte und meinte ganz begeistert: “Allein durch Muttermilch, das ist doch Wahnsinn, nicht?”

Seit etwa einer Woche lächelt und lacht er auch. Das ist wunderschön und ich werde nicht müde, mich zum Affen zu machen, um ihm ein solches Lächeln zu stehlen. “Hallooooo”, sage ich und bewege mein Gesicht langsam auf seines zu, und seine Augen werden groß, sein Mund öffnet sich und wenn ich Glück hatte und seinen Lieblingstonfall genau getroffen habe, bekomme ich sogar ein leises Glucksen.

Überhaupt, diese Laute, die ein solch kleines Baby so von sich geben kann! Die sind schon extrem süß! Ich wiederhole mich und schwärme ganz entsetzlich? Ja, ich weiß, aber ich kann nicht anders.

Und damit dieser Post nun doch nicht so unstrukturiert wird wie befürchtet, belasse ich es nun dabei und schreibe nicht auch noch über all die anderen Dinge, die mir so im Kopf herumgeistern.

Gute Nacht, Ihr Prinzen von Maine, Könige von Neuengland.

🙂