Hier geht gerade nicht mehr viel, ich bin wirklich im Eimer.

Angefangen hat der ganze Stress ja eigentlich schon gestern, als die kleine Wachtel und ich im zweiten Gang über die Autobahn krochen, Schneesturm, Eis und Dunkelheit, um uns mit Renate im Geburtshaus zu treffen. Und das alles nur für ein todlangweiliges und absolut unauffälliges CTG. Das nächste Mal sage ich so einen Termin lieber ab – die gefährliche Fahrt ist das einfach nicht wert. Immerhin müssen wir bis ans andere Ende der Stadt dafür, seitdem Renates tragbares CTG-Gerät explodiert ist.

Heute früh wollte ich dann gerade gemütlich in den Tag starten, als René anrief: Ob ich mal kurz rauskommen könne, jemand muss den Wagen anschieben, weil in dem ganzen Schnee die Reifen durchdrehen. Geschoben hat dann natürlich er, aber stressig war das trotzdem. (Ich bin keine routinierte Fahrerin, weil ich viel zu selten hinterm Steuer sitze.)

Kurz später, ich hatte gerade meinen frischen Früchtejoghurt gemacht, klingelte das Telefon erneut – Katja dieses Mal. Ich solle Milena lieber abholen, sie vermutet eine Bindehautentzündung. Oh Schreck – wieso war mir das nicht aufgefallen heute früh? Ihre Augen tränen immer mal wieder, gerade wenn sie verschnupft ist, aber ich habe wirklich einfach nichts bemerkt. Rabenmutter, ich? Und wenn das jetzt wirklich eine ansteckende Entzündung ist, was machen wir dann mit der kleinen Wachtel, wenn das Baby kommt? Zu Katja geht dann wohl nicht mehr, meine Mutter hat eine schwere Grippe und die Tochter meiner Freundin muss ja auch nicht unbedingt infiziert werden. Verdammt. Aufgeregte Autofahrt durch den Schnee (zum Glück kam ich ohne Anschieben den Berg hoch!), dann das Tochterkind irgendwie davon überzeugen, dass sie jetzt nicht weiter mit den anderen spielen darf sondern mit mir nach Hause kommen muss.

Sobald wir hier dann die Türschwelle passierten, war es aber um sie geschehen. Wütend, frustriert, genervt kreischte sie nur noch, ich durfte ihr nicht zu nahe kommen, sie bloß nicht anfassen. Das hatten wir gestern auch zweimal und irgendwann saß ich einfach daneben und heulte mit. Sie ist meist so ein Sonnenschein, aber diese Momente gibt es immer mal wieder, in denen gar nichts mehr geht. Und ich finde es unheimlich schwer, richtig damit umzugehen. Ich denke, das Beste ist, ihr zu zeigen, dass ich für sie da bin, wenn sie das möchte, sie aber gleichzeitig eben nicht zu bedrängen. Ist aber manchmal wirklich schwer. Es tut in der Seele weh. Und es zerrt gewaltig an den Nerven, die heute ohnehin nicht sehr strapazierfähig waren.

Immerhin, wir hatten einen Termin beim Kinderarzt bekommen und irgendwann meldete sich René, der wunderbarste Mann der Welt, um mir zu sagen, dass er mit seinem Chef gesprochen hätte und heute von daheim aus arbeiten könne. Er wäre gleich wieder da und wir können zu dritt zum Arzt fahren. Diesesmal Freudentränen auf meiner Seite.

Beim Arzt stellte sich dann heraus, dass es tatsächlich irgendeine Entzündung in beiden Augen ist, und zum Schutz unseres Winterbabies fackeln wir diesesmal nicht lange herum, sondern geben direkt Antibiotika, damit alles möglichst schnell überwunden ist. Außerdem Kügelchen gegen die sich anbahnende Erkältung.

Inzwischen hatten wir schon frühen Nachmittag und eigentlich wollten wir die Gelegenheit nutzen, um schnell noch einkaufen zu fahren. Aber es ging nicht mehr. Ich war k.o., wirklich am Ende und wollte und konnte nicht mehr. Also schnell heim, ein paar Nudeln für die kleine Wachtel zubereitet und diese dann ins Bett verfrachtet.

René sah mich zwischenzeitlich einmal an und fragte ganz besorgt, ob ich so etwa eine Geburt schaffe – ich schlafe ja schon im Stehen ein. Nein, hast recht, schaff ich nicht. Mich selbst also auch gleich ins Bett, wo ich eine ganze Stunde Komaschlaf genoss. Seitdem geht es wieder einigermaßen, aber fit ist anders.

Und wir überlegen, ob Renés spontane vier Wochen Urlaub ab Geburt vielleicht einfach schon morgen starten sollen. Ich bin immerhin mittlerweile wirklich höchstschwanger, und so leicht mir bislang auch alles fiel – die Tage werden ja nicht leichter. Und wenn Milena die Entzündung zu schaffen macht und wir morgen wieder das ein oder andere Drama erleben, weiß ich jetzt schon, dass mich das fix und fertig machen wird. Außerdem – lange wird es doch sicher nicht mehr dauern, bis unser Sohn sich auf den Weg macht. Es wäre so eine Erleichterung, René hier zu haben.

Milenas Geburt übrigens ging abends um zehn los – zwei Tage nach Termin. In anderthalb Stunden also. Wie gut, dass ich eben wenigstens ein bisschen Schlaf tanken konnte!