… wird vermutlich nichts passieren. Die wenigsten Kinder kommen ja am errechneten Geburtstermin zu Welt, und auch die kleine Wachtel hat sich noch drei Tage länger Zeit gelassen. Damals war ich aber pünktlich zwei Wochen vor Termin bereits leicht nervös, weil man ja von allen Seiten ständig gesagt bekommt: “Ohmeingottohmeingott, es kann ja jeden Moment losgehen!” Das wird mir dieses Mal nicht so gehen – ich bin ganz darauf eingestellt, dass es länger dauern wird und lasse mich von niemandem verrückt machen.

Ganz besonders auch nicht mehr von meiner Ärztin. Ich bin zwar mittlereweile bei einer anderen als früher und auch dort nur überaus selten, weil ich alle Vorsorgen ja bei meiner Hebamme mache, aber ich erinnere mich noch gut, wie ich damals ganz unnötigerweise am CTG lag und einige Wehen zu sehen waren, von denen ich aber nicht das Geringste spürte. Die Ärztin bekam gleich Panik, schrieb mich krank und bestand auf täglicher Kontrolle – wegen ein paar Übungswehen. Der damit verbundene Stress und die Anstrengungen, täglich den Weg in die Praxis zurück zu legen, belasteten mich mehr als die Wehen es je gekonnt hätten.

Einige wenige Übungswehen habe ich, glaube ich, in den letzten Tagen nun aber schon gespürt. Einen harten Bauch gab es zwar nicht, aber dafür einen leichten Anflug von Regelschmerz. Von Milenas Geburt weiß ich, dass sich leichte Wehen bei mir so anfühlen, und es tat auch nicht im Geringsten weh. Einfach ein leichtes Ziehen, eine kurze Art Unwohlsein, und dann war alles wieder verflogen.

Überhaupt, ich muss es schon wieder schreiben, geht es mir nach wie vor erstaunlich gut. Der Schmerz im Iliosakralgelenk, der vor zwei Wochen wieder kam, ist wieder verschwunden und die Rückenschmerzen halten sich glücklicherweise auch noch immer in Grenzen. Seitdem wir unsere extrem harte Federkernmatratze gegen die fluffige Kaltschaummatratze der kleinen Wachtel getauscht haben, sind die Nächte für mich viel entspannter. Ich wache sogar oft nachts auf (wegen verstopfter Nase – dieser Schnupfen ist hartnäckig) und stelle fest, dass ich auf dem Rücken schlafe. Ganz ohne Probleme, ganz ohne, dass mir davon übel wird. Und ich liege auch nicht mehr so viele Stunden nachts wach – vielleicht, weil ich mich bemühe, immer erst nach zehn zu Bett zu gehen und so dann einfach auch müder bin. Jedenfalls ist es recht entspannt derzeit, und auch mit den zwei bis drei Toilettengängen pro Nacht kann ich prima leben.

Was allerdings noch einmal spürbar zugenommen hat, ist meine Kurzatmigkeit. Manchmal trifft es mich einfach so, aus heiterem Himmel, und ich fange an zu schnaufen und zu hecheln, ohne das Geringste getan zu haben. Das sieht sicher jedesmal unheimlich bescheuert aus: Da sitzt eine Frau auf einem Stuhl und fängt einfach so an zu schwitzen und kriegt kaum Luft.

Auch das tägliche Abholen der kleinen Wachtel von der Tagesmutter schlaucht mich und mittlerweile schaffe ich es kaum noch den Berg hier hinauf. (Ich nenne es Berg, aber in Wirklichkeit ist es nur ein leichter Anstieg.)

Immer öfter bitte ich auch René darum, die Spülmaschine ein- und auszuräumen, das Bücken wird nämlich zum Problem. Überhaupt, Dinge vom Boden aufzuheben stellt mich vor eine Herausforderung und ich bin froh, dass ich nicht mit ansehen muss, wie ich die Beine spreize, in die Hocke gehe und mich dann nur unendlich langsam wieder aufrichte…

Sonst ist aber alles in Butter. Heike, Renates Vertretungshebamme, hat mir vor ein paar Tagen die ersten Akupunkturnadeln gesetzt, was die kleine Wachtel sehr faszinierte. (“Nade!”) Ich trinke gelegentlich Himbeerblättertee, will es aber damit nicht übertreiben, weil mein Beckenboden nach der letzten Geburt wirklich arg zugerichtet war. Überhaupt blende ich Gedanken an die Geburt weitestgehend aus, schiebe sie ganz weit weg. Ich weiß, dass es mir nichts bringen würde, mich gedanklich so intensiv damit zu befassen wie beim letzten Mal, weil ich nun ja recht genau weiß, was auf mich zukommt und daher auch Panikpotential vorhanden ist. Ich habe alle Erinnerungen daran in einen kleinen Karton gepackt, der in einer versteckten Schublade in meinem Kopf darauf wartet, ausgepackt zu werden. Das werde ich tun, sobald es soweit ist und ich bin sicher, dass meine Erfahrungen und mein Wissen mir dann eine große Hilfe sein werden.

Bis dahin ruht beides in der kleinen Schachtel und lässt mir Zeit.