Zwar habe ich schon seit einer Weile Urlaub und bin daher im verfrühten Mutterschutz, dennoch war die letzte Woche unheimlich anstrengend für mich. Die Tagesmutter der kleinen Wachtel hat sich nämlich auch einmal frei genommen, und so kam es, dass mein kleines Herz und ich tatsächlich mal wieder fünf Tage am Stück gemeinsam verbrachten.

In ihrem ganzen ersten Lebensjahr haben wir das ja auch tagtäglich getan, doch obwohl sie jetzt erst sechzehn Monate alt ist, scheint diese Zeit irgendwie schon so weit zurück zu liegen. Die vier Tage in der Woche, an denen Milena bei Katja ist, klappen so wunderbar. Sie freut sich morgens immer schon so, wenn wir ihr erzählen, dass es jetzt zu Lucie, Florentine, Arthur und all den anderen geht und wenn ich sie nachmittags wieder abhole, will sie oft gar nicht fort.

Wir haben aber auch ein großes Glück mit eben dieser Tagesmutter. Sie ist eine so liebevolle, angenehme und ausgeglichene Person, die voller Phantasie und Unternehmungslust steckt. Jeden Tag geht es nach draußen, entweder zum Spielplatz oder in den Wald, und wenn das Wetter doch einmal zu schlecht ist, dann denkt sie sich wunderbare Spiele für daheim aus. Dabei bespaßt sie die Kinder nicht pausenlos – sie lässt sie weitestgehend selbst machen, ist aber immer mit dabei und immer bereit, vorzulesen, zu singen oder einfach mit ihnen zu spielen. Gerade im Moment freut mich das ganz besonders, weil mir selbst, obwohl ich körperlich noch immer unverschämt gut beieinander bin, doch oft die Kraft fehlt, um länger mit Milena zu toben oder um große Ausflüge mit ihr zu machen.

Wir haben die letzte Woche aber trotzdem gut herumgekriegt, und obwohl ich in manchen Moment wirklich kaputt war und nicht mehr konnte, habe ich die Zeit genossen. Es war schließlich vermutlich das letzte Mal für lange Zeit, dass ich mich so ungestört um meine Tochter kümmern konnte. Schon in etwa sechs Wochen wird immer noch ein kleines Menschlein dabei sein, was Aufmerksamkeit und Zuwendung braucht.

Montag waren wir im Wollladen in der Stadt, weil ich mich am Wochenende mal wieder auf meine Stricknadeln gesetzt habe und daher Ersatz brauchte. Anschließend waren wir noch im liebsten Bistro und haben uns ein leckeres Frühstück gegönnt.

Am Dienstag haben wir nichts getan, rein gar nichts, und das war keine gute Idee. Der ganze Tag war vermurkst und unheimlich anstrengend, weil es Milena zu Hause ohne andere Kinder einfach langweilig ist und ich daher keine freie Sekunde hatte.

Mittwoch und Donnerstag waren wir mit unseren Nachbarn im Schwimmbad. Der Babyschwimmkurs ist ja nun schon lange vorüber, aber wir bemühen uns, einigermaßen regelmäßig einfach so schwimmen zu gehen und die kleine Wachtel liebt das Wasser noch immer. Sie quietscht vor Vergnügen, kichert, wenn sie Wasser ins Gesicht bekommt und planscht, hüpft und untersucht, dass es eine Freude ist.

Am Freitag hatten wir Besuch von der kleinen Tochter meiner Freundin. Sie ist nur wenige Wochen älter als Milena und es war das erste Mal, dass sie ohne ihre Mutter bei uns war. Diese steckt nämlich gerade mitten im Umzug und war heilfroh, einmal ohne Kleinkind Kisten packen und Möbel schleppen zu dürfen. Ich war natürlich ein wenig nervös, zumal die beiden Herzchen sich die letzten paar Mal öfter um Spielzeug gezofft hatten, aber es klappte alles ganz furchtbar wunderbar. Ich konnte strickend auf dem Sofa sitzen, während die beiden Mädels in schönster Eintracht miteinander spielten und auch das Mittagessen war entspannt und leicht für mich. Mir hat das erneut Zuversicht geschenkt und mich in meiner Gewissheit bestärkt, dass es höchste Zeit wichtig ist, dass Milena ein Geschwisterchen bekommt.

Nachmittags war meine Mutter noch zu Besuch, was mir auch jedesmal eine Freude ist. Wir hatten kein leichtes letztes Jahr, es gab so viele Unstimmigkeiten, Missverständnisse, Meinungsverschiedenheiten und das ehemals gute Verhältnis zu ihr wurde auf eine harte Probe gestellt. Doch seit einiger Zeit nähern wir uns wieder ein wenig an und es hat sich ergeben, dass sie freitags nun regelmäßig kommt. Es ist schön zu sehen, wie Milena sich immer darüber freut und ich hoffe, dass diese Besuche für meine Mutter auch ein Grund zur Freude sind und dass sie nicht aus reinem Pflichtgefühl kommt.

So jedenfalls ging Milenas und meine gemeinsame Woche dem Ende zu, und nun beginnt wirklich und wahrhaftig meine Schonzeit.

33 + 6. Gute vierzig Tage noch.