Wir leben ja in einer jungen und kinderreichen Siedlung. Ständig stehen irgendwelche Geburtstage, Gartenfeste und Grillparties an und ich liebe das. Diese Freundlichkeit, ohne aufdringlich zu sein, die Hilfsbereitschaft und das wirklich nette Miteinander. Außerdem sind ständig mindestens fünf Kinder auf der Spielstraße, so dass für die Kleinen wirklich immer etwas los ist. An jeder Ecke hier stehen Laufräder, Bobbycars und riesige Sandspielzeuge und natürlich sind es zum Spielplatz auch nur knapp hundert Schritte.

Genau das Richtige also für Groß und Klein. Spießig? Ja, vielleicht. Na und? (Nach meiner rebellischen und chaotischen Jugend habe ich mir dieses Stück Spießigkeit redlich verdient, finde ich.)

Heute abend nun sind wir bei Nachbarn eingeladen, um Doppelkopf zu spielen. Juchuh – ich freue mich unheimlich darauf! In meiner überaus kurzen Studentenzeit hatten wir eine Zeit lang eine feste Doppelkopfrunde und das waren immer schöne Abende. Denn beim Doppelkopf geht es in erster Linie eigentlich nicht um das Spielen an sich, sondern um das Diskutieren über die Regeln. Und die sind sehr vielfältig und es gibt da die größten regionalen Unterschiede. Und irgendwie fühlt man sich stets bemüßigt, die Regeln, die man selbst am liebsten spielt, bis aufs Blut zu verteidigen bzw. sie den anderen schmackhaft zu machen, was natürlich nie funktioniert. So feilscht man dann und handelt, macht Angebote und kichert, bis man sich schließlich auf einen gemeinsamen Regelsatz geeinigt hat und entsetzt feststellt, dass bereits zwei Stunden vergangen sind.

Man fängt also mit der ersten Runde an, aber natürlich dauert es nur wenige Minuten, bis der erste Spezialfall eintritt und man sich erneut beraten muss, wie damit umzugehen ist. Soll man nicht doch die-oder-die Sonderregel noch mit hinzunehmen? Und was war nochmal mit den Pflichtansagen? Und überhaupt, wieso nochmal spielen wir nicht mit der Megasau, wo das doch definitiv die tollste Regel von allen ist? Und schon geht alles wieder von vorne los…

Irgendwann aber sind alle Unklarheiten aus dem Weg geräumt und man kann endlich richtig loslegen.

Meine Studentengruppe zerfiel dann irgendwann, als unsere Wege sich trennten, aber das Doppelkopf spielen habe ich immer vermisst. Umso mehr freue ich mich jetzt auf den Abend heute – wer weiß, vielleicht entsteht ja wieder eine feste Runde daraus? (Wobei uns tatsächlich noch der vierte Spieler fehlt – heute abend springt bloß jemand ein. Und der ist auch noch von weit her – ohwei, was da wohl für Regeldiskussionen auf uns zukommen?)