Die kleine Wachtel hat so viel von ihrem Vater geerbt. Angefangen bei den wundervollen, braunen Augen und dem breiten und unwiderstehlichen Lächeln, ja die ganzen Gesichtszüge, bis hin zu der kindlichen Faszination für Autos, Bagger und Lego. Es ist jedesmal eine Freude, die beiden zusammen spielen zu sehen und ich denke oft, was für ein unheimliches Glück dieses Kind doch mit ihrem Vater hat.

Es gibt aber nun scheinbar auch etwas, was ich an unsere Tochter weitergegeben habe, und das ist, wenn man das in so frühem Alter schon sagen kann, die Leidenschaft und Begabung für alles, was mit Sprache zu tun hat.

Ohne damit angeben zu wollen (es gibt sonst eigentlich nichts, worin ich gut bin), kann ich ganz bescheiden sagen, dass es mir leicht fällt, sprachliche Zusammenhänge zu durchschauen. Genauso leicht lerne ich Fremdsprachen (ungarisch und polnisch habe ich mir einmal selbst beigebracht, und auch wenn ich heute kaum noch einen Satz zustande bekomme, verstehe ich noch immer vieles und würde sagen, dass ich Grammatik und Sprachgefühl durchschaut habe). Und ich bin, wenn ich Zeit und Muße dazu habe, eine wahre Leseratte, die oft auch Freude an Büchern hat, die weniger durch Handlung als mehr durch ausgefeilte, geschickte und elegante Formulierungen herausstechen.

Das Lesen habe ich mir im Kindergartenalter nach wenigen Erklärungen meiner Mutter quasi selbst beigebracht, und wenn die anderen Kinder später draußen Verstecken spielten und wild umher tollten, verkroch ich mich drinnen und schmökerte mich durch alles, was je aus Karl Mays Feder geflossen ist.

Mein ganz heimlicher Traum ist es, einmal ein Buch zu schreiben, oder, wenn ich ganz hoch greife, dann meinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben zu verdienen. Letzten Endes aber fehlt mir hierfür wohl die Disziplin. (Deshalb blogge ich übrigens auch so gerne: Man kann sich sprachlich ausleben, aber es gibt keine Verpflichtung, keinen Zwang zum Durchhalten, und man kann ganz wie man möchte von Thema zu Thema springen.)

Wegen all dieser Begeisterung für alles, was mit Sprache zusammenhängt, freue ich mich daher ganz besonders, einen Teil davon schon jetzt in meiner Tochter wiederzuerkennen.

Die kleine Wachtel war schon von Geburt an fasziniert von allen Geräuschen, die es zu hören gab und nie stand ihre kleine Schnute still. Sie plapperte oft in einem fort. Ganz zu Anfang waren es Laute wie “Brrrr” und “Sssss”, dann folgten Silben wie “Hei” und “Da” und schon ganz früh kamen die ersten Worte hinzu. Eines davon übrigens “Mama”, aber es hat ab dann noch einige Monate gedauert, bis sie nur und ausschließlich mich damit meinte.

Seit einiger Zeit nun schon spricht sie ganz eindeutig und neben dem Stolz und der Freude, die ich deshalb empfinde, sorgt das zum Einen für häufige Erheiterung, wenn sie mal wieder etwas besonders Herziges von sich gibt, zum Anderen macht es unser Leben aber auch um vieles leichter, da das ewige Raten jetzt oftmals ein Ende hat. Es heißt nicht mehr energisch, beinahe hysterisch “Da! Da! Dadadadada!”, sondern schlicht und einfach “Käse!” und das Problem ist gelöst.

Und ich freue mich sehr und staune jeden Tag über die Einblicke, die man so in die Dinge bekommt, die in diesem kleinen, wunderhübschen Köpfchen so vor sich gehen. Eine ganz neue Welt erschließt sich dadurch uns Eltern und wir können um so viel besser an dieser kindlichen Begeisterung teilhaben. Ja, mehr noch, wir bekommen diese Begeisterung oft überhaupt auch zum ersten Mal mit, denn wo sich vorher alles nur in den Gedanken der Kinder abspielte, sind sie nun in der Lage, sich mitzuteilen. Zu erzählen, zu fragen und aufzufordern. Und man merkt, wie man früher oft auf rohen Eiern tanzen musste, um die Wünsche und Bedürfnisse der Kleinen zu erraten und wie viel man tatsächlich verpasst hat.

Milena ist heute fünfzehn Monate alt und verfügt mit Leichtigkeit über einen in meinen Augen beeindruckenden Wortschatz. Jeden Tag kommen ohne jegliche Anstrengung neue Worte hinzu und mittlerweile lernt sie auch schon von selbst, allein durch Aufschnappen und Nachmachen. Manchmal sind wir unterwegs und sie erkennt etwas, zeigt darauf und erklärt mir, wie dieser Gegenstand heißt. Ohne, dass ich mit ihr je zuvor darüber gesprochen hätte.

Und heute früh staunte ich nicht schlecht, als sie ganz eindeutig ihren ersten Zwei-Wort-Satz formulierte: “Schlafsack auf!”, als Aufforderung an uns, sie endlich aus diesem umständlichen und hinderlichen Kleidungsstück zu befreien. Zuerst hielt ich es für einen Zufall, aber nur wenige Stunden später bat sie mich: “Mütze anzieh(en)!”

Und so staune ich, freue mich und stehe gedanklich kopfschüttelnd daneben und kann gar nicht fassen, wie unheimlich klug und interessiert dieses Kind ist. (Hachja, da spricht jetzt wohl der vollkommen verklärte Mutterstolz aus mir.) Letzte Woche lag sie doch noch neugeboren in meinen Armen, und heute schon fordert sie vehement ihr Recht auf “Kekse!” und “Eis!” ein.

Es ist ein unbegreifliches Wunder, finde ich, mit welcher Leichtigkeit Kinder solch komplexe Dinge lernen.

Und fürs Protokoll, hier einmal der aktuelle Wortschatz der kleinen Wachtel, abzüglich all dessen, was ich jetzt vergessen habe.🙂

Ja, nein, (S)tein, Hose, Aupe (Schraube), Nase, (Nach) Hause, B(r)ei, Bus, los!, (K)lo, Tatze (Katze), Lampe, Nuss, Mund, Hund, Bate (Staubsauger), Pos! (Prost), Babde (Bauchnabel), Fuß, Mutata (Muttermal), Hage (Haare), Mofa, Bake (Gabel), Löffel, Meka (Messer), Maus, Anzieh(en), Anz (Angst), (K)nie, Wu(r)st, Käse, Bro(t), Kauke (Schaukel), koken (kochen), Kuke (Kuchen), Brus(t), Hand, Armband, Kette, Buggy, Chlafsa (Schlafsack), (S)tuhl, Oma, Opa, Chlüssel, schlafen, (r)unter, Chiche (Fliege), Mama, Papa, Puppe, Pumpe, heiss, Hase, Auge, Auto, Ohr, alle, (Ba)nane, Schuh, mehr, Jojo, Deckel, Ball, Bu(ch), Ente, Baby, Hallo, nass, auf, zu, an, aus, Socke, Dose, Wasser, Flasche, Keks, Bagger, utze (rutschen), Affe, (Sch)lange, Engel, Bau(ch), Fara (Fahrrad), Mütze, Mettele (Schmetterling), Eis, Böne (Birne), Apfel, Teller, Aupe (Raupe), Pause, (ka)putt, putzen, (Kroko)dil, (Ele)fant, Baum, Nudel, Biene.

Außerdem zahlreiche Namen aus unserem Freundeskreis und Tierlaute wie Wawa, Miau, Piepiep, Chrrr, Hüüü, Määäh.