Fragt man meinen Liebsten oder mich, wann wir denn endlich einmal gedenken zu heiraten, antworten wir manchmal mit einem Zwinkern, dass wir das doch schon längst getan haben. Nur halt nicht auf dem Papier. Aber im Herzen fühlt es sich so an, und ich weiß  nicht, ob man sich überhaupt noch verbundener fühlen kann.

Irgendwann aber, das war uns irgendwie auch immer schon klar, wollten wir das aber auch noch ganz offiziell machen. Nur kommt man ja zu nix! Im Ernst, das ist wirklich so. Zuerst einmal mussten wir ja zusammenziehen, dann stand schon wieder ein Wohnungswechsel an, Jobwechsel kamen dazwischen und dann wurde ich schwanger. Plötzlich war Milena auf der Welt und natürlich ist man da erst einmal damit beschäftigt, sich um das kleine Wunder zu kümmern und es zu lieben, so dass für amtliche Pläne schon wieder keine Zeit blieb. Zumal wir uns eben dann auch dafür entschieden, ein Haus zu kaufen und so zogen wir um, als die kleine Wachtel gerade einmal sechs Wochen alt war. (Und René bekam nur einen einzigen Tag Urlaub. Und ich saß dann da, zwischen all den Kartons, den unaufgebauten Möbeln, dem ganzen Staub und Schmutz und dieses winzige, ununterbrochen weinende Kindchen im Arm… aber das ist eigentlich eine andere Geschichte.)

Die kleine Wachtel jedenfalls bekam schon einmal Renés Nachnamen, da ja unser Langzeitziel, endlich einmal “so richtig” verheiratet zu sein, noch immer irgendwie über uns schwebte. Wenn auch noch recht weit entfernt.

Kurz zuvor hatte Renés Schwester geheiratet – ein Traum in Weiß, mit wirklich und wahrhaftig allem, was dazugehört. Riesige Feste, ein großes Feuerwerk und Tränen in der überfüllten Kirche. Die Feierlichkeiten gefielen mir, doch andererseits wusste ich genau, dass ich erstens nie kirchlich heiraten würde (zumal ich schon lange aus der Kirche ausgetreten bin) und zweitens auch kaum die Muße hätte, all das vorzubereiten. Und ich glaube, dass ich mir selbst auch ein wenig komisch vorkommen würde, mich so feiern zu lassen. Ich bin irgendwie nicht der Typ dafür.

Eine kleine Hochzeit sollte es also werden. Vielleicht im engsten Kreis der Familie, und auch nicht zu teuer, denn schließlich bleibt im Moment am Monatsende so gut wie nichts übrig.

Doch kaum waren ein paar Wochen ins Land gegangen, als ich erneut schwanger wurde und so verschoben wir das Ganze wieder einmal.

In letzter Zeit aber kommt das Thema öfter wieder auf und wir wollen nun versuchen, es wirklich einmal anzugehen. Allerdings nicht mehr in diesem Jahr, das wäre zu stressig. (Und stressig soll es ja in allererster Linie überhaupt nicht werden!)

Jedenfalls gibt es zwei Fragen, die mich beschäftigen und mich von konkreteren Planungen auch irgendwie abhalten.

Zum einen ist es der Namenswechsel. Ich heiße, wie ich heiße, schon mein ganzes Leben lang. Immerhin stolze drei Jahrzehnte. Die Vorstellung, plötzlich einen anderen Namen zu tragen, ist seltsam. Ganz und gar nicht seltsam hingegen fühlt es sich an, anders zu heißen als Mann und Kinder. Es stört mein “Familienempfinden” nicht. Aber ich sollte vielleicht dennoch den gemeinsamen Namen annehmen? Er klingt nicht schlecht, wenn ich mich auch daran gewöhnen müsste, nicht mehr kurz, einfach und einprägsam sondern etwas länger, seltener und fehlerträchtiger zu heißen als bislang. Wie war das für Euch? Fiel die Umgewöhnung schwer? Habt Ihr es im Nachhinein bereut? Oder tragt Ihr unterschiedliche Namen und ist das ein Hindernis im Alltag?

Die zweite Sache ist ein wenig gravierender. Dass wir im kleinsten Kreis feiern möchten, steht schon fest. Für René bedeutet dies, dass seine Eltern und seine Schwester dazugehören, wogegen ich auch nichts habe. Im Gegenzug allerdings würde das heißen, dass meine Mutter und meine beiden Geschwister auch auf der Gästeliste stehen, doch was meine Geschwister angeht, habe ich da einfach Bauchschmerzen. Ich will es nicht so detailliert beschreiben, aber wir verstehen uns einfach nicht besonders gut, und der Gedanke, dass sie an einem der schönsten Tage meines Lebens mit dabei sind, lässt mich augenrollend zurück. Blöd ist das, das weiß ich selbst. Ich hätte so gerne eine bessere Bande zu ihnen, aber irgendwie passt es einfach nicht. Und ich vermute, dass meine Mutter es mir arg übel nehmen würde, wenn meine Schwägerin dabei, Bruder und Schwester aber nicht eingeladen wären.

Und es frisst mich ehrlich gesagt ziemlich an, dass ich hier sitze und mir Gedanken dieser Art mache. Es ist doch meine Hochzeit – wieso muss ich da überhaupt auf Befindlichkeiten Rücksicht nehmen? Aber irgendwie lassen mich diese Gedanken nicht in Ruhe.

Und dann würde ich am liebsten eine große Tasche packen, mir meinen Liebsten und die kleine Wachtel schnappen, ans Meer fahren und dort im wirklich allerallerkleinsten Kreis in irgendeiner versteckten, hutzeligen Amtstube von einer alten Beamtin mit Dutt und riesigen Brillengläsern getraut werden. Auf Ringe würden wir als überzeugte Schmuckverweigerer auch verzichten – sind unsere Kinder nicht das beste Symbol unserer Liebe? – und anschließend würden wir noch ein paar wundervolle, ruhige Tage an der Küste verbringen. Mit heißem Kakao bei stürmischem Wetter, langen Spaziergängen und strahlenden Kinderaugen, die zum ersten Mal das Meer erleben dürfen.

Ja, genau so würde ich es mir wünschen.

Stattdessen denke ich über so blöde Dinge nach wie “Wenn ich den einlade, muss ich auch den einladen”.

Ich fürchte, das wird auch in den kommenden Jahren nix geben.