Denn so fühle ich mich gerade. Wie neugeboren.

Ich komme nämlich eben von meinem zweiten Termin beim Osteopathen zurück und durfte dort nach einigen Übungen für Rücken und Symphyse (ja, die ist auch beteiligt. Ich scheine alles mitzunehmen.) eine Entspannungsmassage geniessen. Einfach fallenlassen. Vergessen, dass man in diesem Körper festhängt, der derzeit an allen Ecken und Enden knarzt und knirscht. Loslassen, leicht werden, entspannen.

Ich verliess die Praxis schwebend. Und, nebenbei bemerkt, genau so schnell wie die anderen Passanten, unglaublich. Ich habe es sogar geschafft, die Strasse in der Grünphase zu überqueren und fand mich nicht wie sonst noch in der Mitte der Strasse wieder, als das Männchen schon wieder rot wurde.

Wäre ich Millionär, würde ich mir so etwas jeden Tag gönnen. Leider reicht es aber nur noch für einen Termin, und den planen wir mal so für Mitte November. Um zu sehen, ob mein Becken bereit für die Geburt ist und sich nichts irgendwo verhakt hat. Und um noch einmal ein wenig abzuschalten. Bis dahin zehre ich einfach noch ein wenig von der heutigen Entspannung. (Und frage mich, was für ein schönes Gefühl das wohl sein muss: Menschen kommen mit Schmerzen zu einem und glücklich gehen sie wieder. Das muss doch großartig sein!)

Auch sonst fühle ich mich derzeit gut. Toll sogar. Ich werde darauf aufmerksam gemacht, dass ich strahle und unheimlich gut aussehe. Und tatsächlich habe ich derzeit das Gefühl, dass wir das alles locker schaffen werden. Alles wird sich fügen, wenn wir Hilfe brauchen, werden wir sie bekommen und überhaupt: So arg ist das ja alles gar nicht, oder?

Wir haben mit der kleinen Wachtel allerdings auch einen Sonnenschein, der es uns im Moment ganz besonders leicht macht. Sie macht den süßesten Quark, lacht, spricht ununterbrochen mit uns und spielt auch gerne einmal eine ganze Stunde allein im Sandkasten. Hinzu kommen komplett durchschlafene Nächte, die mir noch einmal die Möglichkeit geben, Kraft zu schöpfen. (Ich hoffe, mit all dem ist es nun, da ich es ausgesprochen habe, nicht vorbei…)

Und ich bin auch unheimlich zuversichtlich für die Zeit nach der Geburt. Vor einigen Tagen sprach ich mit einer Mutter, deren Kinder auch mit recht kurzem Altersabstand zur Welt kamen. Sie fand das zwar großartig, sprach aber eben auch von Anstrengung und viel Arbeit. Ich fragte neugierig nach: Was genau war denn anstrengend? Und es waren für sie Dinge, die derzeit in unserem Leben schon als ganz normal verankert sind. Dinge wie nach jeder Mahlzeit staubsaugen, weil das erste Kind gerne selbst isst. Dass ständig Unordnung ist zu Hause. Dass man zu nichts kommt. All das kann ich mit einem Lächeln abtun: Ja, das ist sowieso der Fall bei uns, das macht mich nicht fertig.

Der Gedanke schenkt Zuversicht.

Das einzige, was mich derzeit ein ganz klein wenig betrübt, ist, dass ich wirklich keine Zeit und irgendwie auch keine Muße habe, um mich mit unserem Sohn zu beschäftigen. Mich auch im Alltag immer wieder mal so fallenzulassen, dass ich in mich hineinhören kann und dem kleinen Wesen in mir etwas mehr Aufmerksamkeit schenken kann. Das klappt einfach im Moment nicht. Aber vielleicht habe ich ja im Mutterschutz mehr Gelegenheit dazu? Es sind ja bloß noch wenige Wochen bis dahin.

Dennoch, ein wenig wehmütig hinterlässt mich das. Wenn ich versuche, mir so richtig die Zeit nach der Geburt auszumalen, ist alles, was ich sehe, ein Bild von mir mit dem kleinen Strolch im Tragetuch. Fast schon wie eine Erinnerung, wie eine Fotografie. Dabei weiß ich doch eigentlich, dass noch so viel mehr dazu gehört, doch irgendwie ist in meinem Kopf dazu nur Leere, beziehungsweise er ist einfach so angefüllt mit anderen Dingen. Vielleicht liegt es auch daran, dass man einfach so schnell wieder vergisst? So lange ist die Zeit mit Neugeborenem doch noch gar nicht her – dennoch liegt die Zeit wie ein Schleier über allem. Aber wenn es soweit ist, wird man sich wieder genau erinnern, darin bin ich mir auch sicher.

Heute sind es noch genau drei Monate.