Gestern abend fing mein Yogakurs für Schwangere an.

Den ganzen Tag über war ich schon unheimlich hibbelig und freute mir heimlich ein Loch in den Bauch allein wegen der Vorstellung, mal etwas für meinen Körper tun zu können. Mal so richtig bewusst, nur das Baby und ich, entspannen, atmen, einen Gang runter schalten. Ich konnte es ehrlich kaum abwarten. Nur ganz kurz, und auch nicht so richtig, hatte ich die Angst, ein ähnliches Fiasko wie Fräulein Pappnase zu erleben, aber dann kam die Vorfreude wieder und ich zappelte mich so durch den Tag.

Der Kurs findet im Hebammenladen statt, den kannte ich bislang nur vom Hörensagen. Ganz gemütlich, dort drinnen, allerdings ist das alles in einer Altbauwohnung untergebracht und dementsprechend eng.

Die Kursleiterin machte einen netten Eindruck, nicht allzu abgehoben, und auch die anderen Teilnehmerinnen fand ich auf den ersten Blick alle ganz sympathisch.

Ich schätze, dass ich, wenn nicht sogar die Jüngste, dann aber auf jeden Fall eine der jüngsten dort bin, aber außer mir hat nur eine andere Frau (die älteste, dem Äußeren nach) bereits ein Kind. Alle anderen sind Erstgebärende. Und ich muss gestehen, dass ich mir ein bisschen wie ein alter Hase vorkam, auch wenn das vielleicht blöd klingt. Aber diese leichte Unruhe, diese Neugier, diese befreite Unbeschwertheit… und vor allem: Das Schwanger-Sein mit jeder Faser des Körpers, weil einfach so viel Zeit dafür bleibt – an all das konnte ich mich selbst noch so gut erinnern. Ja, das war damals bei uns im Geburtsvorbereitungskurs genau so. Für uns alle war das so neu und aufregend, nur ganz wenige hatten bereits Kinder und die haben alle schon so, hm, so abgebrüht gewirkt. Überhaupt gar nicht negativ gemeint. So erfahren, irgendwie, so sicher in ihrem Auftreten und mit ihrem Körper, während für uns anderen die Reise gerade erst begann.

So saß ich jedenfalls die ganze Zeit über dort, genoss meine alten Erinnerungen und vor allem auch die Ruhe, die einkehrte, als das Licht gedimmt wurde.

Wir schlossen die Augen und die Kursleiterin sprach mit ruhiger Stimme, erklärte uns die Übungen und wiederholte dabei immer und immer wieder einzelne Umschreibungen. Schon allein dadurch wurde man irgendwie entspannt, auch wenn ich nach dem zehnten “Spüre die Freude und die Annehmlichkeit in Dir” schon ein wenig kichern musste.

Die Übungen selbst waren nicht anstrengend und konzentrierten sich hauptsächlich auf den Atem. Das fand ich gut, da mir das Atmen bei Milenas Geburt vielleicht die wichtigste Hilfe von allen war. Der rote Faden, das Halteseil und das, worauf ich mich immer und immer wieder besinnen konnte. Und auch abgesehen davon tut es einfach gut, sich seinen Körper einmal so bewusst zu machen. Die Muskeln zu spüren, zu fühlen, wie der Bauch sich mit jedem Luftholen dehnt und beim Ausatmen wieder zusammen zieht, und einmal in aller Tiefe zu entspannen. Und schliesslich auch: Zeit für das kleine Wesen in einem zu haben. Nichts, was einen ablenkt, nichts anderes, was die Aufmerksamkeit fordert. Jede einzelne Bewegung des Kindes zu spüren, ganz bewusst, und zu erleben, wie es schon jetzt auf Berührungen von außen reagiert. Für sowas bleibt im Alltag meist einfach überhaupt keine Zeit.

Das einzige, womit ich gestern dann Schwierigkeiten hatte, war eine bestimmte Übung, bei der man in Rückenlage die Knie zuerst anwinkeln und dann in Richtung Brust ziehen sollte. Da meldet sich aufs Heftigste dieser schmerzende Punkt im rechten unteren Beckenbereich, und ich erwäge ernsthaft, doch einmal zum Osteopathen zu gehen deswegen.

Ich bin nun gespannt, wie der Kurs weitergeht und auch gespannt, ob ich die anderen Schwangeren ein wenig besser kennenlernen werde. Gestern wurde noch nicht viel gequakt, es war alles noch ein wenig steif und unbeholfen. Aber das wird sich geben, da bin ich sicher.

Ich freue mich jedenfalls auf das nächste Mal.