Wir haben drei wundervolle Tage bei Milenas Großeltern hinter uns. Gegen Ende wurde es für die kleine Wachtel zwar etwas anstrengend, weil natürlich jeglicher Schlaf- und Essrhythmus (die bei uns so und so sehr flexibel sind) vollkommen durcheinander geraten war und wir freuten uns auf zu Hause, dennoch waren die Tage richtig toll.

Beispielsweise waren René und ich abends essen (Wir. waren. essen. Unglaublich!) und seit dieser  Perfektion in Form einer Pizza bin ich mir sicher, nie wieder Freude an Lieferservices haben zu können. Und so konnte ich dem Kellner dann auch großmütig verzeihen, als er mich ganz besorgt fragte, ob ich durch diesen etwa anderthalb Meter breiten Durchgang passe.

Die kleine Wachtel wurde natürlich von allen Seiten bespielt und bespasst und war unheimlich stolz, jedem zu zeigen, wie toll sie schon laufen kann. Hatte ich vor vier Tagen übrigens geschätzt, dass sie etwa 30% läuft und den Rest noch krabbelt, so hat es sich jetzt mehr als gedreht. Sie krabbelt nur noch im äußersten Notfall und ist eigentlich immer auf ihren zwei Beinen unterwegs. Wie schnell das doch ging…

Ihr Wortschatz wird dabei gleichzeitig jeden Tag größer und größer. Gestern habe ich eine Liste gemacht und kam auf über dreißig Worte. Dreißig Worte! Meine Güte, das kleine Wunder ist erst vierzehn Monate alt, und ich staune und staune. Sie artikuliert dabei sehr genau, gibt sich große Mühe und freut sich sehr, wenn man sie versteht und ein richtiges Gespräch mit ihr führt. Besonders beeindruckt bin ich von “Chlü-sse” für Schlüssel, “chla-fe” für Schlafen, “Ota!” für Runter und “Chi-che” für Fliege. Andere Worte sind Puppe, heich (heiß), Hase, Auge, Auto, Ohr, alle, (Ba-)nane, Schuh, auf, zu, mehr, Jojo, Deckel, Ba(ll), Bu(ch), Tete (Ente), Baby und natürlich Hallo zu jedem Menschen, den sie sieht, gerne zwanzig mal hintereinander.

Seit einigen Tagen erkennt sie sich auch selbst im Spiegel und erklärt begeistert: “Mnena!”

Ach, ich bin so begeistert von diesem Kind. Ich finde sie so klug, so neugierig und so geschickt. Ich bewundere, mit welcher Leichtigkeit sie sich auf immer Neues einstellt und wie sie all die kleinen und großen Herausforderungen in ihrem kleinen Leben schon meistert. Ich staune, wie schnell sie lernt und jeden Tag erneut, wenn ich selbst müde und kaputt bin, kann ich gar nicht glauben wie aktiv sie ist. Woher kommt dieser unerschöpfliche Vorrat an Energie? Wie schafft sie es, abends um halb acht, eigentlich hundemüde, noch munter und voller Enthusiasmus Kniebeugen zu machen, zu toben und un-auf-hör-lich zu plappern und zu erzählen? Manchmal wünsche ich mir nur einen kleinen Bruchteil dieser Energie, wenn ich abends den Film schon wieder nicht schaffe und mich stattdessen um viertel vor neun ins Bett verkrieche.

Die letzten Tage waren aber, trotz aller Anstrengung, auch erholsam für mich. Und ich muss sagen, dass ich immer gerne im Haus meiner Schwiegereltern bin. Es ist so ordentlich dort, so gemütlich. Immer riecht es gut, irgendwie frisch geputzt, ohne dabei übertrieben penibel zu wirken. Es gibt eine riesige Dusche, unter der man sich sogar problemlos noch abtrocknen kann, und stets gibt es alle möglichen spannenden und erfrischend anderen Duschgels und Shampoos. Die Kopfkissen duften herrlich und sind riesig und weich, und der Kaffee schmeckt köstlich. Außerdem ist immer jemand da, mit dem man sich unterhalten kann und die kleine Wachtel geniesst es, ganz alleine von einem Zimmer zum anderen krabbeln zu dürfen. Oh, und es gibt zwei Hasen! Schrecklich ängstliche Viecher, die sich beim kleinsten Mucks verkriechen und ansonsten den ganzen Tag essen und durch die Gegend gucken. Milena aber durfte sich nähern und von da an erklärte sie immerfort: “Hase!” und wollte gar nicht mehr fort.

So ein Kurzurlaub hat wirklich etwas. Es ist zwar nicht weit von hier und auch nicht so spannend wie New York, Berlin oder die Karibik, aber für uns war es ein kleines Abenteuer. Richtig aufregend, irgendwie, und wohltuend. Und ich freue mich sehr, dass unsere Kinder so ein Glück mit ihren Großeltern haben. Das wird für sie sicher unglaublich schön, wenn sie in ein paar Jahren einmal dort in Urlaub sein werden.