Einfach zusehen.

Sich einmal befreien vom Alltag, sich Zeit nehmen, sich zurück lehnen und Achtsamkeit leben für all die kleinen Details, die sonst so schnell untergehen. Für all die zauberhaften, kurzen Momente, die sonst unbemerkt verstreichen, für all die Augenblicke, deren Einzigartigkeit man nicht immer sofort  erkennt.

Wie oft hetzt man so durch den Tag, um am Abend dann festzustellen, dass man kaum etwas davon gehabt hat? Und wieviele Tage geraten in Vergessenheit, weil man zu beschäftigt war mit Job, Telefonieren, Wäsche, Einkaufen, Organisieren oder Kochen, um wirklich etwas Schönes davon in Erinnerung behalten zu können?

Vor einigen Monaten schon habe ich mir angewöhnt, mir Zeit zu nehmen, um meiner Tochter ganz bewusst zuzusehen. Kein Telefonieren nebenher, nicht noch gleichzeitig die Spülmaschine einräumen und auch nicht nachdenken, was genau jetzt noch einzukaufen ist und was heute abend gekocht werden soll. Einfach nur zuschauen. Selbst zur Ruhe kommen, sich selbst wieder ein wenig näher kommen und dem kleinen Wunder dort vor einem alle – wirklich alle –  Aufmerksamkeit schenken.

Und, gerade anfangs, stellte ich erstaunt fest, wie viel es tatsächlich ist, was man in der Hektik des Alltags so übersieht. Vielleicht denkt man, sein Baby läge gerade einfach so auf der Krabbeldecke herum, während es in Wirklichkeit gerade hochkonzentriert damit beschäftigt war, eine Rassel bis ins kleinste Detail zu untersuchen. Sie immer wieder in den kleinen Händchen zu wenden, von der einen in die andere zu reichen, um sie aus allen möglichen Blickwinkeln heraus betrachten zu können. Sie zu befühlen, zu halten, zu schütteln, um jeder einzelnen ihrer Eigenschaften genauestens auf den Grund zu gehen. Und man selbst gerät ins Staunen ob der unwahrscheinlichen Menge an Konzentration, die so ein kleines Wesen schon aufbringen kann. Und dieser Einfallsreichtum, diese Vielseitigkeit!

Und auch heute noch sehe ich meinem kleinen Herzen so gerne zu, genieße es, einfach selbst staunen zu dürfen und ganz bewusst zu erleben, wie offen sie der Welt begegnet. Vielleicht würde ich, denke ich, einiges gar nicht so wahrnehmen wie ich es tue, wenn ich nur einen halben Blick aus dem Alltagsstress, den man als Frau und Mutter, Berufstätige, Freundin und Nachbarin irgendwie ja zwangsläufig hat, heraus riskieren könnte.

Und Mal für Mal merken: Es ist kein einfaches Lächeln, was man da sieht. Es kommt aus tiefstem Herzen, ist bedingungslos und so ehrlich, wie es nur sein kann. Es ist voller Begeisterung, oder voller Glück, voller Frohsinn oder voller aufrichtiger Liebe. Oder voller Freude über eine Neuentdeckung, voller Zufriedenheit, voller Stolz, voller Selbstvertrauen. Es ist so oft so viel mehr als ein einfaches Lächeln.

Sich einfach mal kurz Zeit nehmen. Das klingt so trivial und ändert doch so viel.