Vor gerade einmal neun Tagen prophezeite mir die Tagesmutter der kleinen Wachtel: “Pass auf, am Montag (vor einer Woche) läuft Milena!”, und heute kann ich mal wieder nur staunen, wie recht sie damit hatte und vor allem wie schnell das doch schon wieder ging.

Es begann mit dem ersten, unbewussten Stehen, ohne sich irgendwo festzuhalten – vor eben jenen neun Tagen. Vielleicht zwei Tage später war frei hinstellen das Angesagteste überhaupt und unser kleines Herz tat den ganzen Tag nichts anderes. Dann kamen zögerlich die ersten Schritte – stets auf mich zu, um sich dann wild und voller Vertrauen in meine Arme zu werfen, ohne Zweifel ob ich sie auffangen würde oder nicht.

Einen ganzen Tag lang dann spazierte sie, langsam immer sicherer werdend, ohne Unterlass zwischen René und mir hin und her, und seit gestern läuft Milena nun auch einfach so, ohne ein bestimmtes Ziel zu haben. Einfach aus Freude am Laufen selbst. Und ihre Strecken werden länger, ihre Schritte sicherer und ihr Vertrauen in sich selbst wächst zusehends. Schon macht sie Kehrtwenden, Kurven, bleibt stehen, sieht sich um und geht dann einfach weiter, als hätte sie nie etwas anderes getan.

Und so verbrachten wir zwei dann den heutigen Morgen (wir haben ab heute zwei Wochen frei, weil die Tagesmutter Urlaub hat) in der Stadt auf der Suche nach einem winzigen Paar Schuhe, mit dem meine kleine Wachtel die Welt erkunden kann. Tatsächlich ihr allererstes Paar Schuhe, denn die Lauflernpuschen, die sie ganz selten draußen mal im Sandkasten trug, zählen eigentlich nicht. Bislang war Milena eigentlich immer barfuß, höchstens mal mit Socken unterwegs.

Zuerst spazierten wir heute also in den Laden, der für Qualität, aber eben auch für hohe Preise bekannt ist. “Die kosten siebzig Euro, und das ist schon reduziert!”, erklärte die Verkäuferin mit leicht abschätzigem Blick auf meinen Bauch, als ich vorsichtig nach dem Preis fragte. Okay – siebzig Euro ist wirklich arg! Für ein Paar Schuhe, was maximal drei Monate passen wird? Gibt es Leute, die sich das leisten können? (Achja, vermutlich…) Wir gehören jedenfalls momentan nicht dazu, und so verabschiedeten wir uns wieder und machten uns auf den Weg zu dem Laden, der für seine niedrigen Preise bekannt ist.

Überraschenderweise war es dort noch leer, so dass wir direkt eine freundliche, junge Verkäuferin fanden, die uns wirklich fantastisch beriet. Schuhgröße 21, überaus schmal, und es gab zwei Paar, die mir direkt gut gefielen. Eine unheimlich weiche Sohle (weil sie nur zum Teil mit Sohle unterlegt ist, der Rest ist weiches Leder), guter Halt, genug Platz nach vorne und flott an- und auszuziehen. Mit einem Preis von dreißig Euro zudem noch im Rahmen.

Die kleine Wachtel jedenfalls war arg begeistert von der ganzen Geschichte. Das Fuß-Vermessen war interessant, aber nichts gegen das Herumspazieren mit diesen schicken, lila Dingern an den Füßen! Am Liebsten hätte sie sie wohl gleich anbehalten.

Und ich selbst bin froh und ein wenig stolz, das heute gemeistert zu haben. Ich hatte wirklich ein wenig Bammel davor.

Gerade jetzt schläft mein kleines Herz, aber wenn sie wach wird, drehen wir gleich mal ein Ründchen durch die Siedlung.🙂