Am Rande des Nervenzusammenbruchs stand ich gestern kurzzeitig in der Straßenbahn.

Milena im Buggy (was ja so und so nicht sehr entspannt ist), eine schwere Handtasche und natürlich Kleid und hochhackige Schuhe, weil ich ja unterwegs war, um meinen Chef zu treffen und ihm irgendwie zu verstehen geben wollte, dass ich nicht vollkommen abgeschrieben bin, sondern nach wie vor eine wichtige Mitarbeiterin, die neben all den Spuckflecken, dem zarten Geruch nach Babypups und natürlich dem mittlerweile wirklich unübersehbaren Bauch, den ich vor mir her trage, ihren unersetzlichen Beitrag zur Arbeitswelt leisten wird – wenn auch nur für vier Monate.

Jedenfalls bugsierte ich uns so durch die Gegend.

Und vermutlich hätte ich auf die Leute hören sollen, die aus der Straßenbahn, in die wir einsteigen wollten, eben ausstiegen und mir allesamt zuriefen: “Steigen Sie da bloß nicht ein!” Aber ich hatte ja den Termin, ich musste ja.

Also quetsche ich uns irgendwie noch mit hinein. Und sobald die Türe zu war, kam auch schon die erste Wasserbombe geflogen. Großartig. Irgendwelche vollkommen verblödeten Zehnjährigen am hinteren Ende des Waggons waren scheinbar der Ansicht, gerade etwas besonders Lustiges zu tun und tränkten die ganze Bahn in kaltes Wasser.

Ich holte Milena in aller Eile aus dem Wagen, forderte tatsächlich ein Mädchen auf, uns ihren Sitz zu überlassen und kauerte mich dann hinter die Glaswand, für den Moment total überfordert. Die überfüllte Bahn fuhr an und hielt, fuhr an und hielt, mehr und mehr Ballons kamen geflogen und ich wusste nicht, was ich machen sollte. Schreien? Heulen? Mich zum Fahrer durchschlagen?

Am Ende blieb ich einfach hinter der Glasscheibe sitzen, Milena an mich gedrückt und innerlich fluchend, wieso keiner der zahlreichen anderen Fahrgäste irgendetwas anderes tat, als die Augen zu verdrehen. Und für einen ziemlich langen Moment fühlte ich mich winzig und hatte nicht die allergeringste Ahnung, wie man so etwas mit zwei, drei, vier oder gar fünf Kindern überstehen soll.

Mein uneingeschränkter Respekt gilt allen Mehrfachmüttern!