Meine kleine Wachtel hat sich in den letzten Wochen noch einmal so richtig verändert. Oder, verändert ist eigentlich das falsche Wort, denn sie ist ja nicht wirklich anders als vorher. Sie hat sich einfach weiterentwickelt, riesige Sprünge gemacht.

Und René und ich genießen diese neue Zeit mit ihr ganz besonders, denn Milena hat nun schon so richtig teil an unserem Leben. Sie lacht mit, sie will, dass wir mit ihr spielen, sie untersucht uns aufs Genaueste, sie plaudert mit uns und man merkt richtig, dass sie all das ganz bewusst tut.

Und man merkt ihr an, wie glücklich sie ist, wie viel Freude sie hat, und das ist das Schönste für mich. Das Funkeln in ihren Augen zu sehen, das Kräuseln ihres Näschens, ehe sie lacht, und der helle und fröhliche Klang ihrer Stimme.

Sie entdeckt die Welt mit Begeisterung, ist offen für jeden und alles und saugt begierig alles Neue in sich auf. Und es ist ein Wunder, wozu sie schon in der Lage ist. Inzwischen gibt es schon so viele Worte, die sie versteht! Ich frage: “Wo ist die Lampe?” Und Milena schaut zur Decke, streckt den Finger aus und sagt: “Da!” Und neben Lampe ist es das Gleiche mit Ball, Jo-Jo, Fuß, Bauchnabel, Muttermal, Haare, Nase, Schnecke, Papa, und Fisch. Voller Begeisterung zeigt sie auf den entsprechenden Gegenstand, strahlt mich an und verkündet: “Da!”

Und sie hat Bücher für sich entdeckt. Bis vor kurzem hat sie sie immer bloß hin und hergedreht, um schließlich hinein zu beißen, doch mittlerweile bringt sie mir das Buch, drückt es mir in die Hand und möchte, dass wir es zusammen anschauen. Sie blättert unermüdlich die Seiten um, zeigt auf dies und jenes, fragt: “Da?” und ich erkläre ihr, was es dort zu sehen gibt.

In einem unserer Bücher sind Tiere abgebildet, und beim Schweinchen frage ich, wie das Schwein macht  und oinke ein wenig vor mich hin. Seit neuestem macht auch sie (allerdings bei jedem der Tiere in dem betreffenden Buch) ihr allerniedlichstes Babygrunzen und möchte gelobt und geherzt und geküsst werden.

Und sie ist ein richtiger kleiner Papagei geworden. Sie imitiert alle möglichen Laute, die wir machen und ist dabei erstaunlich genau. Und es hält einem einen Spiegel vor Augen und man merkt, was man da eigentlich manchmal für einen Blödsinn von sich gibt.🙂

So wie gestern: Sie krabbelt in eine Richtung, in die sie gerade nicht krabbeln soll. Ich schicke ihr ein erstauntes “Ey!” hinterher, sie dreht sich um, schaut mich an und sagt in haargenau dem gleichen Tonfall: “Ey!” Da kommt man sich schon ein wenig albern vor.

Oder die zahlreichen Male, wenn etwas fast schief geht und René oder ich ein “Oh-oh…” murmeln. Aus irgendeiner Ecke dann stets ein leises Echo: “Oh-oh…”

Absolut zuckersüß war es auch, als sie irgendetwas ganz Herziges machte, ich sie mir schnappte und sagte: “Komm her, mein kleines Ei!”, sie daraufhin die Hand ausstreckte, mein Gesicht streichelte und immer wieder sagte: “Ei, ei, ei…”

Ich liebe dieses Kind einfach.

Es gibt so viele Momente mit ihr, die einfach so herzerfrischend lustig sind. In denen man sie sich einfach schnappen möchte, um sie nie wieder herzugeben. In denen René und ich Blicke wechseln und uns auf die Lippen beißen, weil sie gerade einmal wieder etwas zu Herziges gemacht hat.

Wie zum Beispiel das eine Mal, als René hereinkam und sie am Wohnzimmertisch stehend vorfand, in jeder Hand ein angegessenes Schokoladenei, die Verpackung in Fetzen hängend, das Gesicht voller Schokolade und das allerglücklichste Babystrahlen in den Augen, was man je gesehen hat.

Auch sonst hat sich in den letzten Wochen einiges getan:

Seit geraumer Zeit isst Milena mit der Gabel. Aufspießen muss man zwar noch für sie, aber sie nimmt sich die Gabel dann ganz von selbst und nach kurzem Herumfuchteln landet der Bissen zielsicher im Schnütchen. Bittet man sie dann, die Gabel wieder zu geben, tut sie genau dies, wohl wissend, dass nun das nächste Stückchen für sie aufgespießt wird.

Das Hinstellen und wieder Hinsetzen klappt auch schon lange wie am Schnürchen, und mittlerweile macht sie sogar ganz alleine die ersten Schritte an Gegenständen entlang. Ein wenig holprig ist das noch, aber man kann richtig zusehen, wie es von Mal zu Mal besser klappt, wie sie sicherer und mutiger wird.

Und sie verbringt unheimlich gerne Zeit auf dem Sofa – allerdings schafft sie den Aufstieg noch nicht von selbst. Es schaut allerdings zu herzig aus, wenn sie sich daran aufrichtet, den Oberkörper nach vorne schiebt und ein Beinchen anwinkelt, um nach oben zu gelangen.

Wo sie mittlerweile allerdings hoch kommt, ist diese Truhe in unserem Wohnzimmer. Auf der Rückseite steht ein großer Schuhkarton, den sie als Treppe benutzt, um ganz nach oben zu gelangen. Allerdings kommt sie nicht wieder hinunter, beziehungsweise sie versucht, es Nase voran zu tun, was ein wenig zu hoch ist, wie ich fürchte. Ich habe ihr ein paar Mal gezeigt, wie sie es Füße voran machen kann, aber das hat sie überhaupt nicht registriert. Sie hat es irgendwie mit sich machen lassen, ohne es zu verstehen, und so lasse ich sie nun einfach selbst ausprobieren. Ich bin sehr sicher, dass sie einen Weg finden wird und hoffe, dass dies ohne schlimme Stürze passieren wird.

Wenn ich übrigens zurückdenke, wann all diese großen Veränderungen begonnen haben, komme ich immer wieder auf den Zeitpunkt, an dem wir mit der Eingewöhnung bei der Tagesmutter angefangen haben, also vor knapp zweieinhalb Wochen. Es ist erstaunlich, wie viel Milena von diesen paar Stunden am Tag hat, wie viel sie daraus lernt. Wie ein Schwamm saugt sie alles in sich auf, ohne dabei jedoch angestrengt zu sein. Sie tut es mit der Leichtigkeit einer Eisläuferin – als hätte sie nie etwas anderes getan, als sei das ganz natürlich. Was es ja auch ist.

Und ich freue mich, bin der glücklichste Mensch der Welt.

Ich liebe, liebe, liebe dieses wunderbare Wesen, diesen kleinen Stern, dieses kluge, wunderschöne, zauberhafte Kind.