Heute wurde Milena das erste Mal geimpft. Fünffach.

Ich hatte einen gehörigen Bammel davor, und die kleine Wachtel tat mir so leid. Sie war gut gelaunt, wie immer, lachte und war ein Sonnenschein in Person, vollkommen ahnungslos, was ihr noch bevorstand.

Schon beim Abhören im Untersuchungszimmer aber hat sie wohl Lunte gerochen. Sonst albert sie mit der sympathischen, lieben Ärztin nämlich immer strahlend herum, aber heute fing sie gleich an zu weinen. Vielleicht hat sie auch gemerkt, dass ich selbst nervös war.

Ich musste sie dann festhalten, ihre Beine fest zwischen meinen eingeklemmt, ihre Hände in meinen, und sie schrie und wandt sich schon. Ich fühlte mich schmerzlich erinnert an den schrecklichen Krankenhausaufenthalt vor ein paar Monaten.

Der Pieks selbst ging sehr schnell – vielleicht fünf Sekunden hat es gedauert – aber mein kleines Herz war danach kaum zu beruhigen. Sie weinte, jammerte und war ein ganz kläglicher Anblick. Ich sprach noch kurz mit der Ärztin, und als diese dann schließlich das Zimmer verließ, ging es Milena direkt etwas besser. Beim Anziehen spielte sie schon munter mit einem Maßband, und beim Gehen war scheinbar alles wieder gut.

Doch kaum saßen wir in der Bahn, knipste sie jemand aus. Tiefschlaf, von einer Sekunde auf die nächste.

Jetzt habe ich ihr ein kleines Bettchen auf dem Sofa gemacht und staune wieder einmal, wie empfindsam dieses kleine Wesen doch ist. Sie macht Quark, tobt und lacht wie eine Große, doch dann passieren Kleinigkeiten in unseren Augen, und ihre kleine Welt ist vollkommen auf den Kopf gestellt.

Ich hoffe, sie schläft jetzt gut und tankt etwas Kraft.