Heute früh fuhr ich spontan zum Blutabnehmen zu meiner Ärztin. Das sollte vor dem 28. April noch gemacht werden, wieso also nicht heute.

Nun bin ich schon sehr lange bei dieser Ärztin, fünfzehn Jahre werden es jetzt wohl sein, und bin eigentlich recht zufrieden. Es ist eine unheimlich schön eingerichtete Praxis und die Dame selbst ist, naja, eine normale Ärztin, schätze ich. Geduldig in dem Rahmen, den ihr der finanzielle Druck lässt, dabei nicht unfreundlich und immer hilfsbereit. Aber.

Ich weiß, es wäre utopisch, das zu verlangen, aber ich bin von den Hebammen des Geburtshauses eine so viel liebevollere Betreuung gewohnt. Mit so viel Zeit, so viel persönlichem Kennenlernen, so viel Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen. Bei meiner Ärztin bin ich eine Patientin. Eine von vielen. Im Endeffekt ein Name auf Papier. Und obwohl ich nicht direkt etwas an ihrer Praxis auszusetzen habe, kann ich trotzdem nicht behaupten, dass ich mich dort unheimlich gut betreut fühle. Ich fühle mich betreut, ich fühle mich aufgehoben – aber beides nicht so richtig gut, vor allem nicht im Vergleich mit meinen Hebammen, welcher sich unweigerlich aufdrängt.

Nunja. Die Praxis wechseln brauche ich eigentlich nicht, denn ich weiß, dass es anderswo vermutlich ähnlich abläuft. Und wieder: Es ist ja nicht schlecht dort. Es ist normal so wie es dort ist.

Jedenfalls gibt es dort eine Sprechstundenhilfe, die den Laden mit eiserner Hand führt. Dabei nicht unfreundlich, aber eben sehr bestimmt. Ohne große Freiräume für persönliche Umstände. Und schon bei meiner letzten Schwangerschaft habe ich mir zahlreiche Blicke eingefangen, weil mein Mutterpass eben nicht ausschließlich ärztliches Dokument, sondern auch Zuhause für viele liebe Erinnerungen ist. Das fängt an bei Ultraschallbildern, geht über persönliche Notizen bis hin zu den Terminen mit den Hebammen. Dabei ist der Pass nicht zerfleddert oder ähnliches – alles, was von rein ärztlichem Belang ist, ist fein, sauber, klar und ordentlich zu erkennen. Aber besagte Dame fühlt sich scheinbar trotzdem dadurch gestört.

Auch letzte Woche zog sie die Augenbrauen aus demselben Grund hoch, und als ich erwähnte, dass ich mir bald wohl noch eine Hülle für den Pass nähen lasse, wechselte sie sehr pikiert das Thema.

Und heute früh bei der Blutabnahme kassierte ich den nächsten Blick, weil ich den Test auf Toxoplasmose nicht erneut machen lassen wollte. Ich sehe mich nicht als gefährdet – habe keinen Umgang mit Katzen, verzichte auf rohe Lebensmittel – und finde den Test so und so nicht sehr sinnvoll. Was passiert denn, wenn ich mich testen lasse und am Folgetag anstecke?

Nun, jedenfalls kam ich dann doch ins Grübeln. Aber nur kurz – der Test ist in meinem Fall eine Sonderleistung, die zwar bezahlt werden muss, die aber in meinen Augen gar nicht nötig ist. Und so verzichte ich, auch wenn ich es mir dadurch mit der Sprechstundenhilfe noch mehr verscherze.

Ich bin so und so einmal gespannt, was sie dazu sagen wird, wenn sie erfährt, dass ich alle Vorsorgen bis auf die mit Ultraschall von meiner Hebamme machen lassen werde.

Es ist zum Teil ein sehr gemeines Spiel mit der Angst. Ich meine – da kommt man frisch schwanger, freudestrahlend in die Praxis und als erstes wird einem ein Flugblatt zur Pränataldiagnostik in die Hand gedrückt. So etwas verunsichert. Und ich weiß sehr genau, dass ich mich, auch damals mit Milena, vermutlich sehr gut verunsichern hätte lassen, wenn mir nicht meine Hebamme mit patenter, praktischer und gefestigter Hand zur Seite gestanden hätte.

Das soll nun natürlich nicht heißen, dass man alles schleifen, sich nicht kümmern soll. Aber jeder eben in dem Maße, wie er es braucht, und das ohne hochgezogene Augenbrauen. Das fände ich toll.