Durcheinander bin ich. Unheimlich durcheinander.

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass tausend Dinge gleichzeitig passieren. Dann halte ich ein, denke mal drüber nach und ich merke: Nein, soviel passiert überhaupt nicht. Mein Leben ist nicht anders als sonst, es findet nicht auf der Überholspur statt. Im Gegenteil macht es vermutlich einen stinklangweiligen Eindruck.

Das ganze Chaos ist nur in meinem Kopf.

Seit über einer Woche wissen wir nun von dem winzigen Leben, welches gerade in meinem Körper entsteht, aber ich habe es in keinster Weise realisiert. Es ist tatsächlich auch nicht so präsent wie in meiner letzten Schwangerschaft, was vielleicht auch daran liegt, dass ich nicht so viel Zeit zum Nachdenken habe. Milena ist unheimlich aktiv im Moment und fordert richtig viel Aufmerksamkeit. Aber manchmal stolpere ich gedanklich irgendwie, und dann wird mir klar: Es fühlt sich kaum so an, es ist nichts zu sehen, aber Du bekommst tatsächlich ein Kind! Wir bekommen ein Kind! Und für einen Atemzug halte ich die Luft an aus Angst, die Welt könnte sonst vor Freude zerspringen.

Ich habe lange nachgedacht, ob ich es jetzt schon bloggen soll. Man wartet doch zwölf Wochen und so weiter. Aber irgendwann wurde mir klar, dass dieses winzige Leben doch bereits ein Teil von mir ist. Man spürt es kaum, es ist eigentlich kaum mehr als eine Ahnung, aber dennoch gehört es zur mir, wird es immer tun. Und sollte es nicht klappen, dann wird auch das ein Teil von mir sein.

Letzten Dienstag, als wir gemeinsam testeten (“Mach die Augen zu. Jetzt darfst Du gucken!”), war ich vormittags direkt bei meiner Ärztin, um mir auch diesmal wieder unterstützende Gelbkörperhormone verschreiben zu lassen. Ich weiß nach wie vor nicht, ob ich einen Mangel hieran habe, aber bei Milenas Schwangerschaft habe ich die Hormone ja ebenfalls genommen und alles hat geklappt. Und es tut der Seele gut zu wissen, dass man immerhin etwas tut. Dass man seinem Körper ein wenig hilft. Sonst bin ich ja was Medikamente angeht eher zögerlich, aber hier liegt die Sache für mich klar auf der Hand.

Jedenfalls ist bleierne Müdigkeit eine der Nebenwirkungen, aber derzeit spüre ich davon kaum etwas. Ich habe immer mal wieder Momente, in denen ich mich unheimlich schlapp und kraftlos fühle, aber das ist meilenweit entfernt von der lähmenden Zerschlagenheit der ersten zwölf Wochen meiner letzten Schwangerschaft. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.🙂

Genau so wie beim letzten Mal ist mir aber häufig flau im Magen. Nicht wirklich schlecht, aber ich habe Hemmungen, bestimmte Dinge zu essen oder zu trinken. Das ist aber nicht schlimm – ich lasse es dann halt und fertig. Wir haben für alle Fälle aber schonmal einen riesigen kleinen Vorrat Quark und gefrorene Himbeeren angelegt.

Der nächste, also eigentlich erste Termin bei meiner Ärztin ist nun der 28. April, und eigentlich erstaunt mich die Gelassenheit, mit der ich daran denke. Es sind immerhin drei Wochen, aber die Zeit scheint doch irgendwie zu fliegen. Es kommt mir nicht so unendlich lang vor.

Von Renate, meiner lieben Hebamme, habe ich auch schon die besten Wünsche bekommen und den Auftrag, schön vor mich hin zu brüten und Bescheid zu geben, wenn sie ihren Einsatz beginnen soll. Das werde ich dann so in der zwölften Woche herum tun.

Achja, und dann werde ich mit meinem Chef reden müssen. Wenn alles so klappt, werde ich vier Monate arbeiten müssen, ehe die nächste Elternzeit beginnt. Das wird ihn sicher nicht zu Freudensprüngen animieren. Obwohl er sich damals über Milenas Schwangerschaft auch wirklich gefreut hat und mich in keinster Weise hat spüren lassen, dass das nun gar nicht in seinen Arbeitsplan passt.

Und was mir auch im Kopf herumgeistert, ist die Frage, wie ich mit Milena bald mobil bleiben soll. Noch trage ich sie ja im Ergo, aber das wird nicht mehr lange gehen. Ein Kinderwagen oder irgendetwas in der Art muss also her, und ich versuche im Moment, mich mit dieser Idee ein wenig anzufreunden. Klappt aber nicht.

Naja, das ist also ein bisschen was von dem, was im Moment so bei mir los ist. Alles recht durcheinander, sage ich doch.

Was mich aber wirklich und wahrhaftig überwältigt, ist das Wissen, dass da bereits ein kleines Herzchen in seinem eigenen Takt wummert. Kann das denn sein?