Da war er also endlich – der Mutterschutz! Ich musste nicht mehr zur Arbeit gehen sondern konnte den lieben, langen Tag tun und lassen, was ich wollte. Und mein letzter Tag im Büro war auch gleichzeitig der letzte, an dem ich einen Gedanken an meine Arbeit verschwendete – meine Welt war auf einmal eine ganz andere geworden.

Es gab noch so viel zu tun! Milenas Kinderzimmer musste fertig eingerichtet werden und vor allem mussten all die Kleider, die wir für sie geschenkt bekommen hatten und die leicht ihren ganzen Kleiderschrank füllten, noch gewaschen und eingeräumt werden.

Die Tage plätscherten so vor sich hin, und ich plätscherte mit. Obwohl von Leichtigkeit keine Rede mehr sein konnte. Ich war schwerfällig, kugelrund, unendlich langsam. Jeder Gang wurde vorher auf absolute Notwendigkeit überdacht, jeder Handgriff fiel schwer.

Ich ernährte mich wie schon seit langem hauptsächlich von Quark mit gefrorenen Himbeeren – ein Rat von meiner Hebamme gegen das Wasser. Und tatsächlich bekam ich es damit gut in den Griff: Gerade einmal zwölf Kilo nahm ich bis zum Ende hin zu.

Der Entbindungstermin rückte näher und näher, doch ich war seltsam ruhig. Ich hatte keine Angst vor der Geburt. Ich wusste, dass ich es schaffen würde. Eine ganz tiefe Sicherheit hatte sich in mir breit gemacht, und respektvoll und gelassen sah ich diesem großen Ereignis entgegen.

Kurz vorher heiratete Renés Schwester, und all die vergangenen Monate hatten wir noch gescherzt, ob wir wohl zur standesamtlichen oder kirchlichen Trauung überhaupt noch würden kommen können. Aber es deutete noch nichts auf die Geburt hin, und zwei Tage vor dem Termin feierten wir also mit Renés Familie eine wundervolle, traumhafte Hochzeit. (Und tatsächlich hat mir wohl jede Frau an diesem Abend alles Gute gewünscht.)

Eine seltsame Unruhe quartierte sich aber auch in mir ein: Zwar sah ich der Geburt gelassen entgegen, doch ich hatte noch immer Angst davor, in ein Krankenhaus zu müssen. Und so betete ich, dass ich nicht weit über den Termin gehen würde. Der 08.06.09, bzw. 09.06.09, war ausgerechnet, und mit jedem Tag, der verging, wurde ich ungeduldiger und auch ängstlicher. Ich wollte keine Einleitung. Alles sollte gut klappen, und ich tat alles dafür, um meinen Körper schonend vorzubereiten. Himbeerblättertee trank ich (mit Honig fand ich ihn sogar richtig lecker), es gab Leinsamen und Globuli und zur Entspannung badete ich jeden Tag.

Und ich merkte, ich war bereit. Wir waren bereit.

Wenn ich so zurückdenke, dann war es eine wundervolle Schwangerschaft ohne größere Probleme. Eine Zeit wie im Zauber. Wie in einer Schneekugel, und ich bin so dankbar, dass ich all dies mit dem Mann, den ich liebe, zusammen erleben durfte.

Bald würde sich unser Leben für immer verändern.