Neun Monate bist Du nun bei uns, Milena.

Und frage ich mich im ersten Moment entsetzt: Was, schon neun Monate?!, dann halte ich im nächsten inne und finde, dass es sich eigentlich ganz genau so anfühlt. Nicht länger und nicht kürzer. Neun Monate.

Genau so lange, wie Du nun schon richtig auf der Welt bist, so lange hast Du auch schon vorher gelebt, als winziges Wesen im Mutterleib, im warmen Wasser, unter dem Herzen getragen.

Und ich kann mir kaum vorstellen, dass es Dich vor anderthalb Jahren noch ganz und gar nicht gab. So sehr hast Du unser Leben verändert, so vehement forderst Du Deinen Platz bei uns ein, so sehr hast Du uns eingenommen mit Deiner fröhlichen, unbeschwerten und, wenn man das über so eine kleine Person wie Du es bist schon sagen kann, lebensbejahenden Art.

In den letzten vier Wochen hast Du Dich noch einmal sehr verändert. Was Dir unheimlich gut gefällt, ist Deine neue Beweglichkeit: Du robbst (rückwärts), Du kullerst und drehst Dich, stützt Dich auf und schaffst es irgendwie, zum Objekt Deiner Begierde zu gelangen. Oft genug sind Deine Fortbewegungsversuche aber auch nicht sehr zielgerichtet und Du landest einfach irgendwo – was Dir aber auch gut gefällt.

Du liebst es, auf dem Bauch zu liegen. In jeder freien Sekunde. Sogar beim Wickeln, sogar, wenn Du eigentlich schon schläfst. Deine Ärmchen stützen sich auf, Dein Kopf reckt sich hoch und aus müden Augen blinzelst Du in die Welt – ein Lachen auf den Lippen. Du bist unglaublich.

Seit einigen Tagen hebst Du Deinen Po ein wenig an, und Du drehst Dich seitlich weg, so dass ich den Eindruck habe, dass Du sicher bald krabbeln, aber vor allem sitzen wirst. Aber es kann gut sein, dass es auch noch Wochen dauert. Ich bleibe gelassen und freue mich über jeden Fortschritt, über den Du Dich freust. Lass Dir alle Zeit der Welt, kleine Wachtel, erkunde und lerne in Deinem eigenen Tempo.

Plappern tust Du nach wie vor wie ein kleiner Wasserfall. Mama, Baba, Nganga sind derzeit Deine liebsten Wörter und Du bringst sie zu jeder Gelegenheit an. Wenn Dir etwas nicht passt (ja tatsächlich – das ist auch neu. Es gibt Dinge, die Dir nicht in den Kram passen!), dann schimpfst Du wie ein Rohrspatz, laut, drängend, fordernd, bis Du Deinen Willen bekommst.

Du liebst Deine Stullen – Frischkäse und Leberwurst gleichermaßen – und bist glücklich, damit gefüttert zu werden. Sicher wird es nicht mehr lange dauern, bis Du die Hände danach ausstreckst, um selbst, ganz alleine, zu essen.

Du liebst es auch, wenn wir nach draußen gehen, fängst schon im Flur an zu zappeln und juchzt vor Freude, wenn Du dann endlich die frische Luft schnuppern kannst. Du schläfst zwar auch noch oft genug im Ergo ein, allerdings ist es viel spannender, das Köpfchen wild nach links und rechts zu drehen, um möglichst viel zu sehen zu bekommen von dieser aufregenden und bunten Welt.

Und nach wie vor flirtest Du hemmungslos zurück, sobald Dir ein Lächeln geschenkt wird. Nur kurz vergräbst Du das Gesichtchen in meiner Schulter, bis Du den Blick hebst und dann mit dem charmantesten und entwaffnendsten Lachen, was man je gesehen hat, anfängst zu strahlen.

Oh und Du liebst Musik! Lege ich für Dich den Traumzauberbaum mit seinen wundervollen Liedern auf, dann werden Deine Augen groß und die Freude ist Dir anzumerken. Du fängst an zu wippen, Deine Ärmchen rudern und Du genießt es, einfach nur zu hören.

Du hast unser Leben so sehr verändert, mein Herz. Dein Lachen ist so liebenswert, so ansteckend, und es macht so glücklich. Wir hätten vorher nicht gedacht, in welchem Ausmaß Du uns im Sturm erobern würdest. Wir hätten nicht gedacht, wie schön es ist, Dir einfach nur zuzuschauen. Wir hätten nicht auch nur im Traum vermutet, wie sehr wir Dich lieben würden.

Wir hätten nicht gedacht, wie sehr auch wir selbst mit Dir wachsen würden.

Du großartiger, kleiner, wundervoller Wildfang.