Loretta stellt viele Fragen über das Bloggen.

Wieso nun blogge ich?

Angefangen vor erst wenigen Monaten habe ich, um Milena später einmal eine Freude damit machen zu können. Ich selbst habe mir oft gewünscht, mehr über die Zeit zu erfahren, in der ich noch kaum geboren, bzw. sehr jung war. Nun sind seitdem schon fast drei Jahrzehnte vergangen und meine Mutter kann sich an kaum irgendetwas davon erinnern, und so liefen viele Fragen, die ich an sie hatte, zu meiner Enttäuschung ins Leere.

Milena sollte einmal die Möglichkeit haben, genau zu erfahren, wie wir lebten, wie es uns ging, und wie sehr ihre kleine und dennoch alles überstrahlende Präsenz unser Leben bereicherte.

Doch nach wenigen Wochen schon merkte ich, dass sich die ganze Sache irgendwie verselbständigte. Ich bloggte nicht mehr nur für Milena, sondern auch immer mehr für mich selbst. Ich schrieb mir einfach alles von der Seele, was mir gerade in den Sinn kam. Manchmal ernst, manchmal nachdenklich, doch oft genug vermutlich auch eher sinnlos und von kurzlebiger Art.

Aber ich hatte Freude daran gefunden, mein kleines Leben mit ein paar Fremden zu teilen, Einblicke zu gewähren, und mit jedem Kommentar, der hier hinterlassen wird oder den ich woanders hinterlasse, bilde ich mir ein, dass die Beziehung zu diesen Fremden immer persönlicher wird. Fast so, als würde man sich auch im “echten Leben” (eine blöde Phrase – das hier ist doch auch mein echtes Leben!) kennen. Und schon nach dieser relativ kurzen Zeit, in der ich blogge, habe ich das Gefühl, manche der anderen Blogger schon so gut zu kennen, als ob wir auch persönlich gut befreundet wären.

Und, ganz anders als bei Loretta, habe ich, wenn ich darüber nachdenke, eigentlich keine Hemmungen, keine Scheu, über bestimmte Dinge zu schreiben. Andererseits habe ich jedoch auch nicht das Gefühl, über Geheimnisse zu plaudern, beziehungsweise über wahnsinnig Persönliches. Oder kommt mir das nur so vor? Immerhin weiß man nicht, wie viele Leute als stille Mitleser dabei sind, vielleicht trügt diese private Kaffeehausatmosphäre mich auch.

Gedanken, worüber genau ich als nächstes schreiben soll, mache ich mir kaum, und ich muss gestehen, dass ich auch nicht den Anspruch habe, meinen Lesern etwas “Interessantes”, “Lesenswertes” bieten zu wollen. Frei Schnauze, sozusagen, und deshalb freue ich mich um so mehr über jeden Kommentar, jedes Wort, welches hier hinterlassen wird.

Und dabei genieße ich es genau so sehr, den anderen bei ihrem Leben zuzuschauen, mitzufühlen, zu zittern, zu lachen und von Erlebnissen zu hören. Ich finde es großartig, so viele interessante Menschen kennenlernen zu dürfen – und den Beisatz, dass das ja “nur virtuell” ist, spare ich mir jetzt einfach mal, denn wo ist schon der Unterschied? Davon abgesehen passiert es doch auch oft genug, dass man jene virtuellen Bekanntschaften irgendwann auch mal persönlich trifft, und meist versteht man sich dann genau so wie auch vorm Bildschirm. Das zumindest aus meiner Erfahrung.

Daher von mir also mal eine Lanze gebrochen für den Austausch – egal ob virtuell oder nicht – und auch ein ganz, ganz großes Dankeschön an Euch, die Ihr mir lieb geworden seid, die an meinem Leben Anteil nehmen und die mich an dem ihren teilhaben lassen.