So, bin wieder daheim und um die Erkenntnis reicher, dass ich mir den Besuch eigentlich auch hätte schenken können.

Und erneut staune ich, wie überängstlich manche Leute sind, wie unsicher! Da gibt es Angst, die Kinder auf den Boden zu legen. Angst, ihnen Wasser zu trinken zu geben. Angst, sie könnten sich zu nahe kommen und gegenseitig verletzen. Angst, das Haus zu verlassen, ohne die Kinder vorher in drei Schichten Wolle zu hüllen. (Wir haben 13 Grad heute.)

Und natürlich merken die Kinder das sofort, quengeln die ganze Zeit. Und dann verhaltenes Hochnehmen: Was hast Du denn?

Ich hätte am liebsten die ganze Zeit mit dem Kopf geschüttelt, so wenig fassen konnte ich es manchmal.

Und schließlich der Satz: Ach, Konst*nze wollte ja auch noch kommen! Und in dem Moment wusste ich endgültig, dass ich hier falsch bin, und einen kurzen Augenblick lang fühlte ich mich zurückversetzt an den Tag meines ausgerechneten Entbindungstermins mit Milena, den 08.06.2009:

Es war ein Montag, und wie jeden Montag seit ein paar Wochen so ging ich auch diesmal wieder zum Geburtsvorbereitungskurs. Sagte ich ich ging? Falsch! Ich wogte, schob und rollte mich. Im Schlepptau René, denn heute war Partnerabend, und es sollte um das Thema Geburt gehen. Was wir vorher nicht wussten, dann wäre wir nämlich nicht gegangen, da wir schon den letzten Partnerabend zu dem Thema mitgemacht hatten. Aber egal, jetzt waren wir einmal da, jetzt konnten wir auch bleiben. Im Kreis waren die üblichen Gesichter dabei, Frauen, die man mit ihren Geschichten mittlerweile ganz gut kennen gelernt hat und es versprach, ein lustiger und interessanter Abend zu werden.

Doch wir hatten alle nicht mit der beharrenden Ausdauer einer gewissen Person gerechnet, einem neuen Gesicht in der Runde.

Zu jedem, aber auch wirklich jedem, kleinen Thema schob sie eine Geschichte ein. Meiner Mutter ist aber schon einmal das passiert, meinem Neffen ging es auch schon einmal so-und-so, bei meiner Schwester war das aber ganz anders. Und sie kam von Stöckchen auf Steinchen, von Steinchen auf Krümel und von Krümel auf Staubkorn. Und sie hätte es wohl auch noch auf atomare Ebene heruntergebrochen, wenn meine Hebamme nicht ein Einsehen mit uns anderen gehabt und ihre Fragen manchmal abgewürgt hätte. Bis zum nächsten Zwischenthema. Und mit zum aus der Haut fahren langsamen Worten und weit untermalenden Gesten kam die nächste Frage. Und die nächste Verwandtengeschichte.

Meine Nerven lagen blank und ich war heilfroh, als wir irgendwann endlich erlöst wurden und nach Hause durften.

Naja, das jedenfalls war Konst*nze und ich bin Milena sehr dankbar, dass sie zwei Tage später schlüpfte und mir weitere Abende im Kurs ersparte. (Die anderen Frauen taten mir leid – tatsächlich habe ich später erfahren, dass von dem Zeitpunkt an die Abende jedesmal eine Zerreissprobe für die Nerven waren.)

Nun saß ich also jedenfalls mit den anderen Frauen am Tisch, schon fassungslos genug von soviel verunsichertem Zögern, und plötzlich war da auch noch die Aussicht auf Konst*nze. Ich sah also zu, dass ich Land gewann, brach auf und wich dem munteren “Bis zum nächsten Mal” irgendwie aus.

(Einziger Lichtblick war übrigens besagte Dritte im Bunde, die genau wie ich auch in der Wanne im Geburtshaus entbunden hat und ohne viel Schnickeldi eine furchtbar sympathische und liebe Person ist. Und das schreibe ich jetzt nicht nur deshalb, um neben all dieser Lästerei wenigstens einen positiven Satz in diesem Artikel untergebracht zu haben.)