Bislang konnte ich es ja erfolgreich ignorieren, doch langsam aber sicher schleicht es sich immer weiter in mein Bewusstsein.

Bald ist Juni. Nur noch vier kurze Monate.
Bald wird Milena ein Jahr alt, und damit endet auch meine Elternzeit.

Nur noch vier Monate, in denen wir einen Betreuungsplatz für die kleine Wachtel finden müssen, und vor allem nur noch vier Monate, in denen ich selbst mich irgendwie damit arrangieren muss, dass ich mich von da an wieder in der tristen Realtität des Geldverdienens befinden werde. Ganz egal, dass ich noch eine kleine Tochter habe, die mich vielleicht braucht.

Wenn ich beginne, ernsthaft darüber nachzudenken, macht es mich richtig fertig. Ich will es nicht. Ich will nicht, dass irgendeine andere Person, egal wie toll sie auch sein mag, sich um meine Kleine kümmert, mehr Zeit mit ihr verbringt, als ich. Mir beim Abholen erzählt, was Milena heute zum ersten Mal gemacht hat. Ich will es nicht, habe tierische Angst davor und schiebe diese ganzen Gedanken wie einen großen, grauen Berg vor mir her.

Gleichzeitig bin ich mir so gut wie sicher, dass all das Milena wesentlich weniger ausmachen wird als mir. Vermutlich wird sie es großartig finden, so viel Zeit mit anderen Kindern verbringen, soviel Neues erleben zu können. Ihr kleine Welt wird sich vergrößern und ich nehme an, dass sie dies voller Begeisterung zulassen wird.

Trotzdem verkrampfe ich.

Und ich frage mich, wie beschissen grausam es doch ist, sich solch schnöden Tatsachen beugen zu müssen.

Immerhin steht mir die Möglichkeit in Aussicht, einen Teil meiner 40 Stunden von zu Hause aus arbeiten zu können. Das schmälert das Entsetzen etwas. Die Arbeitszeit generell zu reduzieren, ist allerdings keine Option – immerhin haben wir ein Haus abzubezahlen. Und ich spekuliere ja auch auf die nächste Elternzeit in Bälde.

Nun habe ich heute früh mit einer Tagesmutter telefoniert, die mir von mehreren Freundinnen wärmstens ans Herz gelegt wurde. Eine sympathische, kinderliebe Frau, die jeden Tag mit den Kleinen an die frische Luft geht. Gekocht wird jeden Tag selbst, Bio natürlich. (Wäre mir gar nicht so wichtig, aber habe natürlich auch nichts dagegen.) Und ja, sie klang sehr nett am Telefon. Wir würden auch sehr gut in ihre Planung passen, da sie ab Juni wieder zwei Plätze frei hat.
Kurzerhand haben wir ein Treffen in zwei Wochen ausgemacht.

Und wenn dann alles passt, wenn mir ihre Person, ihr Haushalt und alles gefallen, dann wird es wohl so werden.

Schweren Herzens.

(Aber es nützt ja nichts, womit ich wieder am Anfang meiner Gedankenkette stehe. Ist es eigentlich normal, dass man sich in manchen Dingen so schwer tut?)