Milena ging es heute überhaupt nicht gut. Die Nacht war einigermaßen – etwa jede Stunde war sie wach, was ja für eine erkältete kleine Wachtel nicht schlecht ist – aber dann, vormittags, wurde es auf einmal ganz schlimm. Sie ging nur noch wie ein nasser Sack über meiner Schulter, die Augen halb geschlossen, und wimmerte und wimmerte. Ganz jämmerlich. Es war furchtbar. Eine ganz Stunde lang. Ich habe Fieber gemessen – dabei schlief sie fast ein. Wobei “einschlafen” eigentlich das falsche Wort ist – es war so, als hätte jemand einfach den Aus-Knopf gedrückt. Die Augen fielen ganz zu und da lag sie, atmete flach, röchelte und wimmert.

René ist sofort von der Arbeit nach Hause gekommen, um uns zum Arzt zu fahren. Aber als er kam, ging es ihr, Paracetamol sei dank, etwas besser, und dann schlief sie ein. Zwei Stunden hat sie geschlafen und als sie wach wurde, ging es ihr gut. Wir sind trotzdem zur Ärztin aufgebrochen, und im Auto dann drückte wieder jemand den Aus-Knopf. Sie hing wimmernd im Maxi Cosi, war fix und fertig. In der Praxis kam dann auch noch Fieber hinzu.

Sie wurde abgehört und gründlich untersucht, inklusive Blutabnahme. Diagnose: Sie hat eine Entzündung, entweder Lunge oder Blase. Man kann es nicht sicher sagen. In der Lunge war direkt zwar nichts zu hören, aber bei den Winzlingen kann das so schnell kommen. Das Zeitfenster, in dem man es vorab hören kann, ist also recht gering. Und die Blase sei möglich, weil sie heute tatsächlich kaum Flüssigkeit ausgeschieden hat. In jedem Fall fehlt es der kleinen Wachtel an Flüssigkeit, und deshalb sei sie auch so ein Häufchen Elend.

Die Ärztin (ich nehme alles Schlechte, was ich über sie gesagt habe, zurück – sie war heute echt toll) hat uns erklärt, dass sie zwei Möglichkeiten sieht: Entweder direkt ins Krankenhaus und Milena an eine Infusion legen lassen, oder heute nach Hause und ihr irgendwie versuchen, möglichst viel Flüssigkeit zu verabreichen. Morgen früh wieder in die Praxis und wenn es in der Nacht schlecht wird, direkt ins Krankenhaus.

Wir haben uns zu letzterem entschieden, sind heim, Milena noch immer ein kläglicher Anblick. Daheim ein Ibuprofen und – immerhin! – knapp 100ml Milch, und derzeit ist sie unglaublicherweise wie immer. Nichts mehr zu merken von irgendeiner Erkrankung. Als wäre sie vor einer Stunde nicht zu schwach gewesen, die Äuglein zu öffnen.

Nun schauen wir, wie wir sie über die Nacht bringen.

Aber meine Güte. Dieser Tag war schrecklich. Milena so schwach zu sehen, so leidend, so elend. Auf sowas ist man nicht vorbereitet.

Ich hoffe so sehr, dass sie die Nacht gut schafft. Bitte sei stark, mein Herz.