Etwa in der zweiundzwanzigsten Schwangerschaftswoche konnte auch René das erste Mal die zarten Bewegungen spüren. Ein ganz besonderer Moment für ihn, denn da wurde es für ihn noch einmal so richtig real, so richtig greif-bar, dass er bald Vater sein würde.

Im Januar erfuhren wir bei einem Arzttermin dann auch endlich, dass wir ein Mädchen erwarteten. So ganz festlegen wollte sich die Ärztin zwar nicht (es war ihr wohl einmal passiert, dass sich erst zur Geburt ihre Prognose als falsch herausgestellt hatte), aber auch mir selbst sahen die Bilder ganz nach Mädel aus. Und es passte irgendwie zu meinem Gefühl.

In der sechsundzwanzigsten Woche fing mein Geburtsvorbereitungskurs an. Ich machte ihn im Geburtshaus und hatte so die Möglichkeit, noch mehr Zeit in dieser wunderschönen Atmosphäre zu verbringen. Ich genoss diese Abende sehr. Wir machten Entspannungsübungen, Gymnastik, wir bekamen viele Informationen und natürlich hatten wir die Gelegenheit für regen Austausch. Am meisten aber genoss ich das Tönen, was wir oft zum Abschluss machten. Anfangs kam ich mir noch etwas blöd dabei vor, aber schon bald merkte ich, wie sehr mich diese Übung entspannte. Wie sehr ich alles um mich herum zu vergessen schien (besonders die schmerzenden Knochen gegen Ende der Schwangerschaft – was war das Tönen da für ein Segen!) und welch Konzentration ich aufbringen konnte. Ich liess mich einfach fallen, lauschte in mich hinein und da warst – Du. In dieser entspannten Atmosphäre, in dieser Ruhe und Gelassenheit zu spüren, dass ein kleines Wesen in mir lebt und heranwächst, war unbeschreiblich schön.

Das Frühjahr brach an und so langsam kam auch die Sonne wieder hervor. Die Temperaturen stiegen und gleichzeitig wurde ich furchtbar unbeweglich. Mein Bauch war riesig! Sah man von hinten eigentlich gar nicht, dass ich schwanger war, kamen die Leute stets ins Staunen, wenn sie mich von vorne sahen und erfuhren, dass es immer noch so viele Wochen zur Geburt waren. Oft wurde ich gefragt, ob ich Zwillinge erwartete – eine Frage, die man irgendwann wirklich nicht mehr hören mag.

Alles fing an, mir schwer zu fallen. Dauerte mein Arbeitsweg früher fünf Minuten, so brauchte ich jetzt geschlagene zwanzig. Alle machten sich über mein Schneckentempo lustig und ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, jemals wieder flott gehen zu können.

Die Nächte begannen nun auch, viel anstrengender zu werden. Ich musste ständig aufstehen, um zur Toilette zu gehen, und ich fand kaum noch eine Position, in der ich es aushalten konnte. Irgendwann merkten wir, dass unsere Matratze einfach zu hart für mich war, und so quartierten wir mich kurzerhand auf die deutlich weichere Gästematratze neben unser Bett aus. Von da an ging es etwas besser, doch an Durchschlafen war auch so nicht mehr zu denken.

Ungefähr zu der Zeit fingen auch die Schwierigkeiten mit meinen Händen an – es war das Karpaltunnelsyndrom, wie wir später herausfanden. Lagen die Hände kürzere Zeit vollkommen ruhig, so schmerzten sie, sobald sie wieder in Bewegung kamen. Es war ein sehr unangenehmes Gefühl in den Fingerknöcheln, was mich noch bis nach der Geburt begleiten sollte.

Die Wehwehchen häuften sich also, und so war ich heilfroh, schon zwei Wochen vor Beginn des Mutterschutzes krank geschrieben zu werden. Das Leben war auf einmal so viel entspannter, und ich merkte erst jetzt, wie sehr die Arbeit, obwohl sie eigentlich weder körperlich anstrengend noch besonders stressreich war, mich belastet hatte.