Weil es gerade so einige Gemüter zu beschäftigen scheint (nämlich die von Kassiopeia und Mama Miez) und so gut zu meiner derzeitigen Situation passt, auch ein paar Worte von mir über’s Stillen.

Siebeneinhalb Monate stille ich Milena, davon die ersten sechseinhalb voll.

Für mich war schon in der Schwangerschaft klar, dass ich stillen wollte, und die Sicherheit und Gelassenheit, die ich im Geburtshaus und von meiner Hebamme vermittelt bekam, liessen auch nie einen Zweifel aufkommen, dass es mir vielleicht nicht gelingen würde.

Als Milena dann endlich auf der Welt war, klappte auch alles problemlos. Sie trank häufig, obwohl in den ersten Tage das Anlegen selbst etwas schwierig war, und sie holte schnell das verlorene Gewicht der ersten Zeit wieder auf. Auch der Ansaugschmerz liess nach kurzer Zeit nach, was es mir erleichterte, mit Gelassenheit weiterzumachen.

War Milena in der ersten Zeit noch wie ein blindes Vögelchen, was den kleinen Schnabel einfach wild aufriss und das Köpfchen hin und her drehte, wurde sie mit den Wochen immer zielgerichteter und schon bald waren wir ein eingespieltes Team. Wir hatten keine festen Stillzeiten – ich bot ihr immer dann etwas an, wenn ich den Eindruck hatte, dass sie hungrig war. Oft genug stellte ich dann fest, dass es gar nicht der Hunger gewesen war, der sie plagte, sondern dass sie einfach die ruhige Geborgenheit brauchte, die sie an der Brust – und gerade in der ersten Zeit oft auch nur dort – fand.

Die Wochen und Monate vergingen und ich genoss das Stillen sehr. Sowohl die gemeinsame Zeit, die wir in Ruhe verbringen konnten, als auch das stressfreie Drumherum. Ich musste nicht mit Fläschchen, Pulver und heißem Wasser hantieren und musste auch keine teure Babynahrung kaufen. Für mich waren all das unschlagbare Vorteile. Der einzige Nachteil, den ich sah, war, dass ich Milenas Fixpunkt war. Von niemand anders ließ sie sich beruhigen, niemand sonst konnte ihr Ruhe geben, wenn sie außer sich war und nur noch schrie.

So kam es, dass ich nie etwas alleine unternehmen konnte. Ich hatte zugegebenermaßen auch nicht das Bedürfnis danach, doch wäre ich gerne ein paar mal öfters zur Rückbildung erschienen, oder etwas länger dort geblieben. Doch wenn um zehn nach acht abends kurz nach Kursbeginn mein Handy klingelte und René ganz verzweifelt darum bat, ich möge schnell heimkommen, dann wünschte ich mir schon das ein oder andere Mal, dass wenigstens diese beiden Stunden pro Woche auch mal ohne mich klappen würden. Doch der Kurs ging irgendwann zu Ende und dann vermisste ich das Ganze auch nicht mehr.

Ich gehörte in der ganzen Zeit nie zu den Frauen, die immer und überall ihre Brust auspacken mussten, aber ich fand es toll, mit Kind so mobil zu sein. Wir stillten in Cafés, bei Freunden, am Rhein, zweimal sogar im Bus, und es machte mir nicht das Geringste aus. Ich fand es im Gegenteil stets nur schön, zu sehen, wie viel Sicherheit und Ruhe ich meiner Kleinen dadurch schenken konnte, wenn sie kurz zuvor noch ein einziges Bündel aus Panik und Weinkrämpfen war.

Selbst an die Nächte, an Milenas fünfmonatigen Anderthalbstundentakt, gewöhnte ich mich und war froh, dass ich mitten in der Nacht nicht aufzustehen brauchte, um Fläschchen zu machen.

Irgendwann begann eine Phase (und im Nachhinein hätte ich seitdem vielleicht einiges anders machen sollen… ich weiss es nicht), in der Milena schlechter trank. Sie ließ sich von allem und jedem ablenken und blieb nicht länger als wenige Sekunden an der Brust. Im Sekundentakt saugte sie an, stöpselte ab und dasselbe wieder von vorne. Ich traf mich mit meiner alten Hebamme, um sie um Rat zu fragen, weil mir schon damals Milenas Gewicht so gering erschien, doch sie konnte mich beruhigen und so machte ich einfach weiter wie bisher. Tatsächlich gab sich das An- und Abstöpseln nach wenigen Tagen von selbst und ich hatte den Eindruck, dass wieder alles so war wie früher.

Rückblickend betrachtet stimmt das aber nicht ganz. Alles in allem trank Milena seitdem schlechter. Kürzer irgendwie, dafür häufiger. (Wobei ich auch gestehen muss, dass ich sie oft auch dann anlegte, wenn ich wusste, dass es kein Hunger sondern Unruhe, Angst oder Hilflosigkeit war, was sie plagte.)

Als meine unerwartete OP dazwischen kam, pumpte ich wochenlang vorher ab und wir brachten Milena mühsam bei, aus der Flasche zu trinken. Im Vorfeld waren das viele Nerven, die ich ließ, aber im Ende war ich unglaublich stolz auf uns beide, dass alles genau so funktioniert hatte, wie wir es geplant hatten.

Jedenfalls näherten wir uns dem ersten halben Jahr, und kurz drauf begannen wir mit dem ersten Brei. Bis auf einen wunden Po und kleinere Verdauungsprobleme klappte das auch gut – die kleine Wachtel aß von Anfang an richtig mit, mit Freude und Begeisterung.

Das einzig Negative, was mich also nach all der Zeit endlich eingeholt hat, war die Untersuchung vor ein paar Tagen und Milenas Untergewicht. Seitdem geben wir ihr mehr Brei und täglich auch drei Fläschchen mit Babymilch, und ich verzweifele beinahe an der Frage, ob ich dabei weiterstillen soll oder nicht.

Einerseits habe ich nicht mehr den Eindruck, dass Milena die Brust und damit auch exklusiv mich in dem Maße braucht wie früher. Sie lässt sich, wenn sie hungrig ist, mit einem Fläschchen genauso gut beruhigen und weint auch nicht, wenn die Mahlzeit beendet ist. Überhaupt weint sie derzeit selten – nie, möchte ich fast sagen. Außerdem trinkt sie an der Brust stets nur kurz und ist selten konzentriert dabei. Und nicht zuletzt merke ich, wie in den wenigen Tagen, die wir nun auf Fläschchen zurückgegriffen haben, meine Milch schon sehr stark zurückgegangen ist.

Andererseits möchte ich Milena nichts nehmen, was sie doch vielleicht noch braucht, stärker vielleicht, als ich es denke. Und ich weiß auch gar nicht, was für gesundheitliche Maßstäbe auch noch eine Rolle spielen: Wird sie dann, ohne Muttermilch, vielleicht anfangen, öfter krank zu werden? Und nicht zuletzt fände ich es unheimlich schade, diese wundervolle Stillbeziehung mit einem so blöden Gefühl, wie ich es im Moment habe, zu beenden.

Ich habe mich daher entschieden, eine Stillberaterin aufzusuchen. Zuviele Fragen gibt es, die ich mir selbst nicht beantworten kann, und ich erhoffe mir praktischen und einfühlsamen Rat.

Am Dienstag ist es soweit – zwei Tage noch…

Was ich jedenfalls ganz allgemein, besonders in der letzten Woche gelernt habe, ist, dass jede Frau ihren eigenen Weg finden muss. Blutende Brustwarzen und ein zerfetztes Nervenkostüm nützen weder dem Baby noch einem selbst – genauso wenig, wie schiefe Blicke beim Stillen auf der Parkbank. Beides hat Vor-, beides hat Nachteile, und genau wie es auch in Schwangerschaft und besonders bei einer Geburt Frau und Kind sind, die entscheiden, so ist es eben auch beim Stillen so.

Jede Frau, jedes Kind und jede Situation ist anders – wie sollte sich da ein Patentrezept für alle, immer, finden lassen?