Wenn ich so zurückdenke, war mir irgendwie immer klar, dass ich einmal Kinder haben würde. Wieviele genau, diese Frage stellte sich gar nicht. Jedenfalls mindestens eins.

Je älter ich wurde, desto mehr verfestigte sich der Gedanke an eine eigene Familie, doch bis ich René begegnete, blieb alles irgendwie schwammig. Ziemlich früh, schon nach nur wenigen Monaten, sprachen wir bereits über unsere Zukunft und waren uns einig: Kinder müssen sein! Mindestens zwei! Vielleicht auch drei? Wir scherzten, dass wir gerne vier Mädels hätten und dann noch einen Jungen.

Diese verrückte Idee ließ mich dann nicht mehr los. Ob Mädels oder Jungs, das war gar nicht so wichtig, doch fünf Kinder – was für eine tolle Vorstellung! Ich malte mir aus, zu siebt am Esstisch zu sitzen, munteres Geplapper von allen Seiten, ständig Freunde zu Besuch – kurz, immer etwas los.

Nun ist Milena auf der Welt und mein Leben hat sich dadurch in so ziemlich allen Aspekten grundlegend geändert. Eins aber ist gleich geblieben: Diese “verrückte” Idee, die sich in den letzten beiden Jahren ganz still und leise klammheimlich zum Wunsch gemausert hat.

Fünf Kinder… noch immer stelle ich mir ein solches Leben unheimlich toll vor. Und bevor jetzt irgendjemand sagt, ich würde im Wolkenkuckucksheim leben: Natürlich sind fünf Kinder anstrengend. Natürlich ist es, neben all den Träumereien, nichts, was man einfach so aus dem Ärmel schüttelt. Weder fünf Schwangerschaften noch fünf Kinder groß zu ziehen. Natürlich ist es eine große finanzielle Belastung. Und nicht zu vergessen: Natürlich stellt es einen vor enorme Herausforderungen als Eltern. Man hat so viel weniger Zeit für sich, und auch so viel weniger Zeit für jedes einzelne Kind.

Ich könnte diese Liste vermutlich beliebig lang fortsetzen und sehe auch tatsächlich die Richtigkeit all dessen ein. Ich meine, ein Kind allein kann ja manchmal schon verdammt anstrengend sein, einen überfordern, einen ratlos da stehen lassen. Wie soll das erst mit fünfen werden?

Und doch spüre ich irgendwie, dass wir dem gewachsen sind. Ich traue es uns zu. Dass wir die nötigen finanziellen Mittel haben werden, die nötige Fähigkeit zur Organisation, die nötige innere Gelassenheit und vor allem den unbändigen Wunsch dazu.

Nun bekommt man aber in der Regel zum Glück keine fünf Kinder auf einen Streich. René (der übrigens von dreien überzeugt ist, noch vieren und fünfen noch nicht so ganz) und ich haben also ganz logisch, rational und total vernünftig beschlossen, dass wir erstmal eins nach dem anderen bekommen, um überhaupt zu schauen, wie wir mit mehr als einem Kind klarkommen. Wer weiß, vielleicht stelle ich es mir ja wirklich viel zu einfach vor. Vielleicht lebe ich ja wirklich im Wolkenkuckucksheim. Will ich ja gar nicht ausschließen.

Wir gehen es also ganz langsam an und werden sehen, wohin es uns bringt. Ganz nach dem Motto “Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern” können wir uns ja einfach die Freiheit herausnehmen, unsere Meinung wieder zu ändern und halt nur zwei, drei oder vier Kinder zu bekommen. Und außerdem: Man weiß im Vorfeld ja nie, ob das mit der Planung überhaupt so hinhaut. Wer weiß, vielleicht klappt es gar nicht mehr, man wird einfach nicht mehr schwanger, irgendetwas durchkreuzt die Wünsche. Fünf Kinder heil und gesund zur Welt zu bringen grenzt schon an ein Wunder, und ich habe ja tatsächlich bereits erleben dürfen, was lediglich eine Schwangerschaft mit meinem Körper angestellt hat.

Weshalb ich aber eigentlich hierüber schreibe:

Irgendwie scheine ich die einzige zu sein, die von solch Großfamilien begeistert ist. Ich habe einige Frauen mit drei Kindern im Freundes- und Bekanntenkreis, manche mit vieren, eine mit fünfen. Letztere mal ausgeklammert, ernte ich von allen aber nur entsetzte Blicke, Kopfschütteln und Unmengen von Argumenten gegen so viel Nachwuchs. Wenn ich es mal gut erwische, bekomme ich ungläubige Blicke oder werde belächelt, erwische ich es schlecht, sind auch schon mal ein paar mehr als abfällige Bemerkungen a la “Hartz IV beziehende Asis” dabei. Nie ist irgendjemand dabei, der so vielen Kindern einmal etwas Positives abgewinnen kann.

Ich werde sofort für verrückt erklärt und meine Argumentation, dass wir nach jedem Kind ja erstmal sehen, wie es läuft, ehe wir ein nächstes bekommen, wird gar nicht mehr wahrgenommen.

Ein Kind – wunderbar. Zwei – noch besser. Drei – hmmm, naja. Alles was drüber geht: Wie kann man nur!

Tja, das ist irgendwie frustrierend. Vielleicht sollte ich einfach nicht mehr so ehrlich antworten, wenn man nach unserer zukünftigen Familienplanung fragt. Vielleicht lieber einfach mal die Klappe halten, oder wenigstens unwissend mit den Schultern zucken und ein “Mal schauen” murmeln. Irgendwas in der Richtung.

Trotzdem frisst es mich irgendwie tierisch an, ständig so viel Kritik zu ernten. Ist dieser Traum denn wirklich so bescheuert wie mir alle ständig versichern? Unterschätze ich die ganze Sache? Überschätze ich gnadenlos meine eigenen Fähigkeiten? Ist es vielleicht geradezu leichtsinnig, so sehr auf das Bauchgefühl zu vertrauen?

Wie denkt Ihr darüber? Habt Ihr viele Kinder? Oder kennt Ihr solche Familien, und was haltet Ihr davon?

Oder haltet Ihr mich auch für verrückt?