Das Spünkchen schläft im Moment noch mit in unserem Bett, beziehungsweise in dem Gitterbettchen, das ohne Gitterseite direkt neben unserem Bett steht. Das ergibt eine riesige Liegefläche von zweieinhalb Metern und lässt sich in Kombination mit diesen wundervollen Stillhormonen, die einen in der ersten logischen Sekunde nach dem Stillen oder sogar auch währenddessen problemlos wieder einschlafen lassen, wunderbar aushalten. (Ich hätte diese Stillhormone gerne mein Leben lang! Nicht diese Schwangerschaftshormone, die einen stundenlang wachliegen lassen…)

Natürlich bewegt sich das Spünkchen noch nicht viel, es ist sozusagen ein unauffälliger Schläfer, und so sind meine Nächte im Moment deutlich besser als man es hätte erwarten können.

Die kleine Wachtel allerdings hat unruhige Nächte und ist sehr auf mich fixiert derzeit. Beides Dinge, die ich sehr gut verstehen und nachvollziehen kann – ihre kleine Welt ist schließlich doch ein wenig auf den Kopf gestellt worden, auch wenn sie augenscheinlich toll mit der neuen Situation klar kommt.

Jedenfalls kommt sie im Moment fast jede Nacht zu uns, möchte nicht alleine schlafen.

Für den Liebsten und mich ist es zu viert im Bett allerdings zu unruhig. Außerdem wird das Spünkchen ja etwa alle zwei Stunden wach und knöttert herum. Alles nicht so optimal, zumal er ja ab Montag wieder wird arbeiten müssen und daher auch einigermaßen ausgeschlafen sein sollte.

Da kam mir heute früh die spontane Idee, doch einfach die beiden Großen zusammen schlafen zu lassen. Frühs fragte ich dann gleich die Wachtel, ob sie da nicht Lust drauf hätte und sie war sofort begeistert, sprach den ganzen Tag davon.

Der Liebste brachte dann am Abend das Winterkind ins Bett und fuhr dann los, um sich mit Freunden zu treffen. Mein erster Abend mit drei Kindern allein zu Haus:

Ich sitze, milchseliges Spünkchen im Arm, auf der Couch, die Wachtel spielt ein bisschen auf dem iPad. Alle paar Minuten erinnere ich sie daran, dass sie heute zusammen mit ihrem Bruder schlafen darf. Irgendwann klappt sie das Gerät zu und möchte mit mir kommen, die Kleine wickeln. Wir gehen zu dritt hoch, wickeln gemütlich. Langsam wird die Große müde, man merkt es. Schon möchte sie ins Zimmer des Winterkinds abbiegen, doch erst gehen wir noch einmal hinunter, machen ihr eine Milch. Das Spünkchen ist unruhig, doch für zwei Minütchen wird die Kleine es allein auf dem Sofa aushalten müssen. Die Wachtel und ich schleichen hoch, flüstern. Wir müssen ganz leise sein, weißt Du, Dein Bruder schläft ja schon. Ich geb Dir jetzt schon einen Gute-Nacht-Kuss, komm her, Süße. So, und jetzt leise hinein!

Das Winterkind liegt quer im Bett, auf dem einzigen Kopfkissen ausgestreckt. Schnell husche ich zu ihrem Bett, hole ihr Kissen. Das Winterkind hebt schlaftrunken das Köpfchen, blinzelt, aber er fühlt sich nicht gestört. Die Wachtel schlüpft unter die Decke, trinkt ihre Milch. Ich schleiche hinaus.

Schnell hinunter zum Spünkchen, es beschwert sich schon. Ich nehme sie hoch, decke sie mit ihrer Babydecke zu, sie nuckelt an meinem Finger. Leichtsinnigerweise twittere ich, dass zwei Kinder schon im Bett sind, da höre ich oben die Tür gehen. Schritte tapsen die Treppe hinab und da steht sie, meine kleine Wachtel. Ich runzle die Stirn, frage, wieso sie nicht im Bett ist. Sie verkneift sich ein Grinsen, aber sie ist müde. Ich frage, ob sie lieber in ihr eigenes Heiabettchen gehen möchte, sie bejaht. Na dann los, mein Schatz, hoch mit Dir.

Da hebt sie einen Zeigefinger steil in die Luft, sieht mich an und erklärt: “Aber erst muss ich noch meine Milchflasche wieder holen!”

Resigniert lächele ich. Ja, mach das, dabei hoffe ich, dass sie das Winterkind nicht wecken wird.

Die kleine Wachtel zischt ab. Das Spünkchen und ich bleiben noch eine ganze Weile auf der Couch, von oben ist kein Laut zu hören. Als die Kleine sich in meinem Arm fast in den Schlaf gearbeitet hat, bette ich sie neben mich und schleiche selbst nun hoch.

Nacheinander blicke ich in die Zimmer meiner Töchter – beide sind dunkel, aber leer. Die Tür des Winterkinds steht einen Spalt offen und ich husche leise hinein. Sofort stiehlt sich ein Lächeln auf mein Gesicht, denn ich höre die Atemzüge zweier Kinder. Und da liegen sie – er nach wie vor quer im Bett, sie in die Ecke hineingekuschelt, beide Arme ausgebreitet, so friedlich. Sie muss ganz vorsichtig über ihn hinweg gestiegen sein. Ich bin so stolz und gleichzeitig so gerührt.

Es ist ein wundervolles Bild, die beiden dort nebeneinander schlafen zu sehen. Mein Herz zerspringt fast und ich möchte diesen Moment festhalten, diese Eintracht, diesen Frieden. Geschwisterliebe.

Ich sauge das alles noch einmal tief in mich auf, ehe ich wieder hinunter eile, um noch ein wenig mit meinem Baby zu kuscheln.

Liebes Universum, schenk den beiden ruhige Träume!